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13.01.2012, 10:06 Uhr

Wunderkinder: Frühe Genialität und was daraus wird

Den meisten von uns fällt zuerst Wolfgang Amadeus Mozart ein, wenn sie den Begriff Wunderkind hören. Schließlich hatte dieser schon im zarten Kindesalter Könige und Fürsten mit Klavierspiel und Kompositionen entzückt. Sein früher Tod trug zur Legendenbildung bei.

Von Lisa Gatow für WEB.DE

Aber das Phänomen Wunderkind ist zeitlos. Auch heute werden kleine Genies geboren, die spätestens in der Grundschule durch mathematische, technische oder künstlerische Hochbegabung auffallen. Engagierte, manchmal überehrgeizige Eltern verschreiben sich dann der Karriere ihres begabten Sprösslings, nicht zuletzt, weil hier Geld zu verdienen ist. Auch das war schon bei Mozart so.

So erhalten die Hochbegabten eine gezielte Förderung, die es zur Entwicklung ihres besonderen Talents oder gar ihrer Genialität braucht. Die Zahl jener Kinder, die das Potenzial zum Wunderkind gehabt hätten, jedoch nie gefördert wurden oder auch nur die Chance zum Selbststudium erhalten haben, lässt sich aber nicht ermitteln. Übrigens: Etwa zwei Prozent aller Deutschen, also rund eineinhalb Millionen Menschen, haben einen Intelligenzquotienten von über 130 und gelten damit als hochbegabt. Echte Genies sind allerdings viel seltener.

Die Grenze zwischen Dressur und eigenschöpferischer Ausnahmeleistung ist in der Entwicklung der "High Potentials" zum Teil fließend. Auch daher ist der Wunderkind-Begriff besonders in der Wissenschaft verpönt. Dennoch gibt es kindliche Ausnahmebegabungen auf allen Gebieten, die die Erwachsenenwelt sprachlos machen. So manche Wunderkind-Karriere weist allerdings auch Brüche auf - denn oft kann das erwachsene Talent nicht mehr einlösen, was es als kleines Genie in den Augen der Erwachsenen versprochen hat.

Lesen und Schreiben mit vier, Abitur mit zwölf Jahren, Uniabschluss mit 16: Hochbegabte Überflieger haben es trotzdem nicht zwangsläufig leicht, den passenden Job zu finden. Denn während Arbeitgeber Intelligenz und glänzende Abschlüsse voraussetzen und suchen, gilt eine echte Hochbegabung oft eher als problematisch, wie sich auch bei einigen der folgenden Biografien zeigt.

"Der schönste Geiger der Welt": David Garrett

Der langhaarige Geiger ist wirklich ein Hingucker, zudem er mit einer sympathischen, offenen Ausstrahlung gesegnet ist. David Garrett, 1980 als Sohn eines deutschen Juristen und einer amerikanischen Primaballerina geboren, spielt Geige seit er vier Jahre alt ist. Mit 14 Jahren hatte er seinen ersten CD-Vertrag bei der Deutschen Grammophon in der Tasche und nahm unter dem Stardirigenten Claudio Abbado Mozarts Violinkonzerte auf. Yehudi Menuhin, selbst legendäres Musiker-Wunderkind, schwärmte von ihm als "größtem Geiger seiner Generation".

Garrett hatte die berühmtesten Lehrer, spielte ein wertvolles Instrument und startete eine von den Eltern gemanagte Bilderbuchkarriere. Bis es ihm zu viel wurde und er vor der Bevormundung nach New York floh. Die Ausbildung an der Juilliard School hatte er selbst ausgesucht und bezahlte sie auch, verdient mit den unterschiedlichsten Jobs. Das Wunderkind-Geld war da schon aufgebraucht.

Nachdem Garrett einige Zeit vom Markt verschwunden war, gelang ihm das Comeback mit Cross-Over-Alben. Und auch das Publikum des bis 2010 "schnellsten Geigers der Welt" ist nicht das für den Klassikbetrieb typische. Nicht zuletzt wegen seines ansprechenden Äußeren füllt David Garrett Arenen und lockt junge Leute an. Die Lust am Geigen sieht und hört man - ob hochseriös oder nicht. Bis heute spielt er auch reine Klassik-Konzerte und hat zweifellos viel zur Verbreitung dieser Musik getan.

"German Wunderkind": Dirk Nowitzki

Dirk Nowitzki, geboren 1978, wurden sein Ausnahmetalent und die körperlichen Voraussetzungen in die Wiege gelegt. Auffällig war zunächst natürlich die Größe des kleinen Jungen: Schon in der Grundschule überragte er seine Mitschüler um mehrere Köpfe, später überflügelte er die größten Lehrer und wurde schließlich der Größte seiner Stadt.

Basketball und Dirk Nowitzki waren und sind das ideale Gespann. Der 2,13-Meter-Mann schaffte den Sprung von Würzburg in die amerikanische Profiliga gewissermaßen aus dem Stand, obwohl er nach Handball und Tennis erst mit 13 Jahren in der Schule mit dem Körbewerfen begonnen hatte. Später verhalf er der DJK Würzburg zum Aufstieg in die Basketball-Bundesliga. Beim Spiel einer Junioren Weltauswahl wurden die NBA-Scouts auf den 19-jährigen aufmerksam - seitdem überstürzen sich die Superlative im Leben des "German Wunderkinds", so sein liebevoller Nickname in den USA.

Seit 1998 spielt Nowitzki bei den Dallas Mavericks. In der Saison 2006/07 wurde er als erster Europäer zum wertvollsten Spieler der NBA-Saison gewählt. 2011 holte er mit seiner Mannschaft als erster Deutscher den NBA-Meistertitel. Für Magic Johnson ist er "einer der größten Basketballer aller Zeiten". Und auch in Deutschland ist der Stolz auf einen der besten Spieler in der Geschichte seines Sports enorm - als erster Mannschaftssportler überhaupt wurde er vor wenigen Tagen zum "Sportler des Jahres" gekürt. Viel mehr geht nicht!

"Windiges Wunderkind": Lars Windhorst

In den Adern von Lars Windhorst, Jahrgang 1976, fließt ohne Frage Unternehmerblut. Mit sechs Jahren interessierte er sich für die Vorgänge an der Börse, mit 14 kaufte er seine ersten Aktien, ein Jahr später startete er seine Unternehmerkarriere. Es ging um das Bauen und Verkaufen von günstigen Computern. Diese Preispolitik wurde für die "Windhorst Electronics GmbH" möglich, weil sie mit einem Partner in China zusammenarbeitete, der die Teile billig liefern konnte. Der jugendliche Geschäftsmann hatte das Potenzial des asiatischen Marktes erkannt - und Windhorst wurde zum Vorzeige-Jungunternehmer.

Die Medien stilisierten den smarten Knaben schnell zum Wunderkind. Auch als der damals 15-Jährige Bundeskanzler Helmut Kohl 1991 auf einer Asienreise begleiten durfte, sorgte das für viel Wirbel. Windhorst gründete eine Firma nach der anderen, 1995 machte er 180 Millionen Umsatz. Das immense Medieninteresse führte dazu, dass Showgrößen ebenso wie große Köpfe aus Politik und Wirtschaft mit dem charismatischen jungen Mann verkehrten.

Der Absturz kam mit dem Zusammenbruch der New Economy, die das Windhorst-Imperium mitriss. Der Unternehmer wurde wegen Betrugs, Untreue und Insolvenzvergehen strafrechtlich verfolgt. 2010 verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen Veruntreuung von 930.000 Euro zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 108.000 Euro Geldstrafe. Auch einer seiner letzten Jobs als Investmentvermittler bei der Münchner JK Wohnbau war nicht von Erfolg gekrönt, die Firma liegt in Trümmern und das Geld der Investoren war verloren. (cfl)

© Leadsatz

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36 Meinungen zu "Das Phänomen Wunderkind"

  • StolzerKritiker
    Dienstag, 17.01.2012, 14:45 Uhr
    notting wo du recht hast, hast du recht! :-) Immer mit gemischten Gefühlen mit anzusehen, wenn die eigenen Eltern am eigenen Kind das kaputte Ego ausleben .... . Kinder sind jung, noch nicht verbraucht. das nutzen einige Eltern leider aus. Wie viele Kinder von diesen Ego-eltern haben es wirklich zu einem Rockstar geschafft ??? .. na also .. ;-). Diese Eltern sind eben relitätsfern etwas! .. mfg
  • kruti
    Samstag, 14.01.2012, 16:04 Uhr
    bei manchen Kindern wundert mich nichts mehr!
  • notting
    Samstag, 14.01.2012, 10:34 Uhr
    @StolzerKritiker: Warum sollten solche Sachen Hochbegabte nicht erleben dürfen? Ich denke, es kommt da stark auf die Eltern an. Wenn die Eltern ihre Kinder nicht wirklich dazu zwingen, ihre Begabungen zu entwicklen, sondern "nur" für genug "Hirnfutter" sorgen, warum sollten die sich dann nicht auch mal für solche Sachen nicht interessieren? Oft ist das Problem ja "nur", dass die anderen Kinder neidisch auf Hochbegabte sind oder im besten Fall einfach nicht die gleiche "Wellenlänge" haben. Was passiert, wenn die Eltern ihre Kinder zu früh zu irgendwelchen Karrieren _zwingen_ (!=fördern), sieht man IMHO auch an div. Beispielen im Musikgeschäft der letzten Jahrzehnte. notting
  • notting
    Samstag, 14.01.2012, 10:26 Uhr
    @stips: Was für Trick meinst du? notting
  • notting
    Samstag, 14.01.2012, 10:25 Uhr
    @Malbec: Ich meine mal was gelesen zu haben, dass solche Sachen bei Jungs leichter herauskommen, weil sie verhaltensauffällig werden also stören usw. Hochintelligente Mädchen ziehen sich aber wohl einfach stark zurück und fallen so nicht auf. notting
  • notting
    Samstag, 14.01.2012, 10:23 Uhr
    @Meinsenftube: Du siehst das IMHO falsch. Ich war ein techn. sehr intessiertes Kind und bin heute noch ein techn. interessierter Erwachsener. Leider hat man es da als Kind extrem schwer, Gleichgesinnte zu dem Thema in ähnlichem Alter zu finden bzw. man wird mit solch exotischen Hobbys so gut wie ausgeschlossen (vielleicht auch weil in den Köpfen Bilder wie verrückte Professoren aus idiotischen Filmen rumgeistern). Und Sport und Musik war auch nicht mein Ding, da hat mich schon die Schule genug demotiviert (bin aber privat häufig auf Bäumen rumgeklettert, also nicht zu fett oder so). Da ist es kein Wunder, wenn die Übung bzgl. der sozialen Dinge mit Menschen außerhalb der eigenen Familie fehlt. Glücklicherweise hatte ich dann in der Realschule ein paar männliche Klassenkameraden (von denen es in der Klasse verhältnismäßig wenige gab und die Mädels haben sich für Technik überhaupt nicht interessiert), die sich für Computerspiele interessiert haben, sodass es da einen gemeinsamen Nenner gab. Später habe ich noch jemanden aus der Parallel-Klasse kennengelernt, der sich zwar nicht für Computer-Spiele interessiert hat, aber techn. genauso interessiert war wie ich. Leider ist er wg. nicht korrigierbaren Problemen an den Augen nicht mit auf's TG und deswegen haben sich unsere Wege völlig getrennt. notting
  • bobminty
    Samstag, 14.01.2012, 10:01 Uhr
    Ich hatte 3 Wunderkinder. Ich wunderte mich jeden Tag aufs Neue.
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