Angst vor Supervirus: Grippeforscher legen Pause ein
Gesundheitspolitiker sollen in dieser Zeit Maßnahmen beschließen, damit der Erreger nicht in falsche Hände gerät.
Washington hatte bereits im Dezember an Forscher und Fachjournale appelliert, die Daten des Erregers unter Verschluss zu halten. Die USA und andere Länder fürchten, dass Terroristen mit dem gefährlichen und hochansteckenden Virus Biowaffen bauen könnten.
"Wir sehen ein, dass wir und andere Wissenschaftler die Vorteile unserer wichtigen Untersuchungen klar darlegen und Maßnahmen zur Reduzierung möglicher Risiken vorschlagen müssen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Forscher. Die Wissenschaftszeitschriften "Nature" und "Science" veröffentlichten jetzt das von 39 H5N1-Experten aus aller Welt signierte Dokument. Darin fordern die Unterzeichner ein internationales Forum zur Debatte über die Gefahren des Erregers und angemessene Gegenmaßnahmen.
Nach Angaben der Journale will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Experten und Behörden zu einer Konferenz Ende Februar in Genf einladen. Der größte internationale Wissenschaftlerverband AAAS (American Association for the Advancement of Science) werde das Thema bei seiner Jahresversammlung Mitte Februar im kanadischen Vancouver ebenfalls in Vorträgen und Seminaren erörtern, hieß es. Die Viren waren von Ron Fouchier (Erasmus Universität in Rotterdam/Niederlande) und Yoshihiro Kawaoka (US-Universität von Wisconsin-Madison) hergestellt worden. Beide Teams entdeckten, dass es nur weniger Mutationen bedurfte, um den tödlichen Erreger unter Säugetieren - Menschen eingeschlossen - hochansteckend zu machen.
Der Leiter des Nationalen Forschungsinstituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA in Bethesda, Anthony Fauci, begrüßte das Moratorium der führenden Grippeforscher weltweit. "Wir müssen extrem vorsichtig sein, was die Sicherheit angeht. Jeder stimmt darin überein. Aber ich sorge mich auch um Überreaktionen". Er hoffe, dass der vorübergehende Forschungsstopp "mehr Transparenz und eine intelligente Diskussion" über das Virus erlaube.
58 Meinungen zu "Angst vor Supervirus"
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TXCOO
Montag, 23.01.2012, 10:41 Uhr Es fasziniert mich doch immer wieder, wenn Leute, die noch nicht einmal ein Grundwissen zu einem Thema (in diesem Fall Mikrobiologie und/oder Genetik) haben, mit ihren Meinungen um sich werfen und pauschal alle vermeintlichen "Bösen" vorverurteilen. Tatsache ist, dass Viren eine enorm hohe Mutationsrate aufweisen. Darum gibt es auch jedes Jahr einen neuen Grippeimpfstoff - der übrigens nicht auf die Viren der vergangenen Grippesaison angepasst ist, sondern durchaus an die aktuell erwartete Grippewelle. Dadurch, dass diese Grippewelle in Asien startet und einige Monate braucht, um nach Europa zu gelangen, ist das durchaus möglich - auch wenn es manchmal zu Mutationen kommt oder doch andere, nicht erwartete Grippeviren zu uns gelangen (darum wirkt auch die Grippeimpfung nicht immer). Durch die hohe Mutationsrate ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder ein Erreger zu uns dringt, der eine Sterblichkeitsrate wie die Spanische Grippe verursacht. Ich finde es gut und durchaus nicht beängstigend, dass Forscher sich damit auseinandersetzen, welche Mutationen dafür notwendig wären und wie ein solches Virus dann aussehen könnte. Dann können sie, im Falle des Falles, schneller reagieren. Wer Angst hat, dass Medikamente nicht gegen solche gefährlichen Viren einsetzbar sind/sein werden, sollte eben nicht der ganzen Familie prophylaktisch Virostatika aufdrängen wenn irgendein Medium das Wort "Schweinegrippe" oder "Vogelgrippe" in den Mund nimmt bzw. zu Papier/auf den Bildschirm bringt. Durch die viel höhere Mutationsrate von Viren entwickeln diese auch viel schneller Resistenzen als Bakterien. Und für alle Verschwörungstheoretiker: EHEC, EIEC, ETEC & co sind schon lange bekannt - sie kommen nur in der Regel nicht so gehäuft vor. Und sie wurden definitiv nicht in irgendwelchen "Geheimlabors" entwickelt - dafür ist E. coli einfach nicht interessant genug. Es gibt genügend andere Erreger (Viren/Bakterien) die sich besser als Basis für einen biologischen Kampfstoff eignen würden. -
samboskop
Montag, 23.01.2012, 08:07 Uhr zur kenntnis, das ist der stamm des schweinegrippe- virus, für den wir für viel geld medikamente organisiert haben, die schweren erkrankungen blieben aus. zum glück. die forscher sagen es bedürfe nur einiger weiniger mutationen, um diesen killervirus zu "gebären". die natur kann das auch. im nachhinein muß man sagen, die politik hat in diesem fall richtig reagiert und die medikamente beschafft. nicht auszudenken, wenn der virus ausgebrochen wäre. es wäre niemand mehr da, sich zu beschweren. und die herstellung der gegenmittel incl. impfstoffe wurde einmal blind geprobt. jetzt wissen wir, wo in diesem system die schwachpunkte sind. und es ist gut, daß die forscher auf ein weiteres forschen in den nächsten 2 monaten verzichten, um die rahmenbedingungen vorher festzulegen und nicht erst die atombombe zünden und dann sich wundern, wer alles atomwaffen hat. -
cczerny
Sonntag, 22.01.2012, 17:17 Uhr Passend zu den Thema: Die Horrorkomödie "Zombie Strippers". Wer den Film nicht kennt, ruhig mal anschauen :) -
user1099
Sonntag, 22.01.2012, 17:04 Uhr @Unikat2 Die Hauptentwicklung ging nicht von den USA aus. Bekannt wurde das Ganze, als Forscher in den Niederlanden von den USA aufgefordert wurden, ihre Forschung in diesem Bereich einzustellen, oder sie aus schlecht geschützten zivilen Laboren in militärische Labore zu verlagern, was natürlich völlig lächerlich ist, da die Wahrscheinlichkeit eines Mißbrauchs dieser Forschung in jedem beliebigen militärischen Labor bei 99,99999999% liegt. Diese Forderung und In-Frage-Stellung der Souveränität eines anderen Landes liegt bereits 1-2 Monate zurück. -
user1099
Sonntag, 22.01.2012, 17:00 Uhr Diese Heuchelei ist mal wieder typisch. Die USA platzen fast vor eigenen Bio-Waffen-Beständen, aber sie wollen anderen Ländern vorschreiben, woran diese forschen dürfen. Ich glaube ja eigentlich, daß die USA einfach nur Angst um ihr Wirtschaftswachstum haben: wenn sich herausstellt, daß jeder mit geringem Aufwand eigene effiziente Bio-Waffen herstellen kann, dann können die USA ihre Bio-Waffen nicht mehr so gut verkaufen. -
mrplayer
Sonntag, 22.01.2012, 16:59 Uhr @ mickymaus: Wie kann man nur so ein blödsinn schreiben... Ja immer die böse pharmaindustrie, schon klar. Die pharmabranche ist wie jede andere industrie auch ein profitorientiertes business - und das ist völlig normal. Für das ganze unwissenschaftliche zeug von den quacksalbern muss man schliesslich ebenfalls tief in die tasche greifen. Von nichts kommt nichts. Forschung kostet geld, Löhne, Maschinen... Nur in den supermarkt gehen, salz kaufen und behaupten das alles sei von schüssler, total natürlich und wirksam, das kostet dann kein geld, bringt aber beim verkauf viel profit.
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