Kam das Leben ursprünglich aus einer Pfütze?
in Kooperation mit
Von Anastasia Fugger
Woher kam der Mensch? Woher das Leben allgemein, in all seinen Ausprägungen, Tieren, Pflanzen, Pilzen, Bakterien und – wenn man sie dazurechnen möchte, Viren? Mit der Frage nach dem Ursprung des Lebens befassen sich Wissenschaftler schon lange.
Es gibt zahlreiche Theorien und spekulative Erklärungsversuche. Schon der, von dem man viele Antworten auf die Fragen der Entwicklung des Lebens bekommen hat, Charles Darwin, dachte über den Ursprung des Lebens nach. Wie konnte es sein, dass aus den anorganischen Molekülen der frühen Erde irgendwann Leben entstand?
1953 entwarf der Chemiestudent Stanley Miller das wohl berühmteste Experiment zu dieser Frage: Er kreierte eine Ursuppe. Sie enthielt alle Elemente, die vor Milliarden Jahren auf der Erde vorhanden waren, ein Gemisch aus Methan, Ammoniak und Wasserstoff. Dann simulierte Miller Blitzeinschläge – und ihm gelang im Labor, einfache organische Moleküle herzustellen. Damit entstanden die wichtigsten Grundbausteine des Lebens in seiner Laborwelt.
Wie und wo das Leben wirklich entstanden ist, bleibt ein Rätsel
Dieses genial einfache Experiment war ein entscheidender Fortschritt in der Wissenschaft. Wie und wo das Leben wirklich entstanden ist, wissen wir heute allerdings immer noch nicht. Nur, dass der millersche Weg ein möglicher gewesen sein könnte. Die meisten Wissenschaftler sind sich aber über den Zeitpunkt der Lebensentstehung einig: Die ersten Lebensformen werden irgendwann vor rund 3,8 Milliarden Jahren auf unserer Erde aufgetaucht sein.
Es gibt auch eine etwas abgedrehter klingende These darüber, wie Leben zu uns kam: die sogenannte Panspermie-These. Sie geht davon aus, dass Leben mit Meteoriten oder Kometen aus dem Weltall auf die Erde geflogen kam. Diese Hypothese konnte allerdings bislang noch nicht wissenschaftlich belegt werden. Zumal ihr zufolge, wenn das Leben aus dem All zur Erde kam, die Ursprungsfrage nach dem "woher" nur ins Weltall verlagert wird.
Deshalb fokussieren sich Wissenschaftler eher auf das Irdische. Die allgemein verbreitete Vermutung ist, dass sich die Vorgänge, die Stanley Miller im Labor simulierte, in früher Vorzeit in den Ozeanen abgespielt haben müssen. Hier, in den salzig warmen Wellen, sollen sich vor rund vier Milliarden Jahren die ersten Zellen gebildet haben. Ausgangspunkt dieser Theorie ist die Entdeckung von kaminartigen Gebilden, sogenannte Schwarzen Rauchern am Meeresgrund.
Diese Schlote befinden sich in vulkanischen Regionen in der Tiefsee und lassen mineralhaltiges, heißes Wasser aus dem Erdinneren entweichen. Molekularer Wasserstoff ist in diesem Ökosystem als chemischer Energieträger verbreitet.
In den Gegenden dieser hydrothermalen Quellen ist somit eine reiche Fauna präsent, denn urtümliche Bakterien haben genügend Energie, um zu überleben – und bilden so die Nahrung und Lebensgrundlage für höhere Organismen. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Nahrungsquellen der Tiefsee einen wichtigen Antrieb für den Ursprung des Lebens darstellen konnten.
Kleine Wasserpfützen ideale Brutstätten
Jetzt schlagen aber Physiker der Universität Osnabrück einen alternativen Geburtsort des Lebens vor. Nicht der große weite Ozean, sondern kleine Wasserpfützen an Land seien ideale Bedingungen für die Entstehung der ersten Einzeller gewesen. Das Team um Armen Mulkidjanian von der Universität Osnabrück präsentiert seine Theorie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaft.
Demzufolge ist das Leben auf der Erde durch Dämpfe entstanden, die aus den Tiefen der Erde aufgestiegen sind. Die Erde sei damals ein vulkanreicher Planet gewesen. So seien Dämpfe und Gase aus dem Erdinneren an die Oberfläche gelangt, wobei sich beim Abkühlen urzeitliche Teiche und Tümpel gebildet haben. Durch die Ansammlung von Mineralien und weiteren wichtigen Grundbausteinen seien die kleinen Becken zu einer idealen Brutstätte für die ersten Einzeller geworden.
Biophysiker Armen Mulkidjanian und seine Kollegen aus den USA und Russland haben den möglichen Stoffwechsel solcher ersten Zellen analysiert. Dabei gehen sie von der Überlegung aus, dass heutige Zellen noch einen chemischen Fingerabdruck der Umwelt in sich tragen, die auch bei den ersten Zellen vorhanden waren.
"Wir haben geguckt, wie die von den Genen codierten Proteine mit anorganischen Stoffen interagieren – das hat bis jetzt noch keiner gemacht", erklärt Mulkidjanian. Das Team untersuchte etwa 60 Gene, die heute in allen zellulären Organismen vorkommen. Zink und Mangan, Phosphat und Kalium sind wichtige Spurenelemente für das Überleben der Zellen.
Auf die Konzentration der chemischen Element kommte es an
Das bedeutet, dass in der Umwelt der ersten Zellen eine relativ hohe Konzentration von Zink, Mangan und Phosphor sowie ein hohes Kalium-zu-Natrium-Verhältnis vorhanden gewesen sein muss. Den Forschern zufolge waren diese chemischen Elemente zu keiner Zeit in der Geschichte der Erde im Ozean in den richtigen Konzentrationen verfügbar.
Vor allem am Kaliumgehalt haperte es: Denn die notwendigen hohen Kalium-Konzentrationen gibt und gab es im Meer nicht. In dampfdominierten Hydrothermalquellen aber, wie sie etwa heute noch zum Beispiel im Yellowstone-Nationalpark zu finden sind, ist der chemische Cocktail nahezu ideal. Ergo seien solche Tümpel durch ihre geologischen Bedingungen ideal für die Entwicklung der ersten Urzellen gewesen.
Ein Grund, warum Forscher bislang die Keimstätte des Lebens in die Tiefsee verlagert hatten, war, dass an der Erdoberfläche vor vier Milliarden Jahren eine viel zu hohe und schädliche UV-Strahlung herrschte. Im tiefen Meer waren erste Zellen vor deren zerstörerischer Kraft besser geschützt.
Doch Mulkidjanian und sein Team argumentieren diesen Punkt weg: Metallverbindungen wie Zinksulfid könnten durchaus an der Erdoberfläche die UV-Strahlen abschirmen. In winzigen Poren von Schwefel- oder Silikatmineralien hätten die Vorläufer der ersten Zellen ein gutes Versteck gefunden, um sich ohne Strahleneinfluss zu entwickeln.
Doch wie konnten also die organischen Moleküle zu komplizierten Polymeren heranwachsen und somit die ersten Lebewesen entstehen? Dafür seien noch weitere geochemische Untersuchungen und Experimente nötig, meint auch Mulkidjanian.
Die faszinierende Frage nach der Entstehung des Lebens wird die Wissenschaft noch lange beschäftigen. Die Ereignisse von vier Milliarden Jahren Lebensgeschichte auf der Erde kann wohl keiner in wenigen Jahrzehnten entschlüsseln.
65 Meinungen zu "Wie entstand das Leben?"
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Bojobobo
Montag, 20.02.2012, 16:22 Uhr Leben entsteht immer da, wo auch gefickt wird! -
derbeamte
Montag, 20.02.2012, 14:48 Uhr Also mal vorneweg: Ich bin kein Kreationist und möchte nicht als solcher beschimpft werden. Ich pflege mein Gehirn noch egenständig zu nutzen. Daher habe ich auch keine Zweifel an der Richtigkeit der Evolutionstheorie. Aber weder die ET-Theorie noch sonstige wissenschaftliche Theorien erklären auch nur annähernd die Entstehung von Leben. Die Aminosäuren aus Millers Experiment sind weit weg von einem noch so primitiven Lebewesen und die Behauptung (Theorie wäre hier zuviel), das Leben einfach durch Zufall entstanden sei, ist für mich recht abwegig. -
HeinrichderLoewe
Montag, 20.02.2012, 10:34 Uhr @Elkamo / CH88H11 | "Wieder so ein Thread in dem die Kreationisten und Ignoranten wie der Typ über mir ihr Maul aufreissen werden." ------------ Aber, so was von richtig. Da können die Biblischen wieder ihre Weisheiten verkünden, die Welt sei in 7 Tagen erstanden, weil Gott Tag für Tag, am besten abends um 17 h Feierabend - etwas Neues erschaffen hat. ---------------------------------............................----------- auch da gibts kontroverse Meinungen... In den USA ist die Frage längst endgültig beantwortet, die Welt wurde am 16.3.4741 v.C., Morgens 8,01 Uhr erschaffen. Alles andere sind Kindermärchen die von den Nazis in die Welt gesetzt wuden. Ein Gericht eines County hat so im Februar 2008 wieder so geurteilt. andererseits kürzlich ein Interview mit Kardinal Brandmüller (ehemals) Chefhistoriker des Vatikan Zitat: die Welt ist sicherlich nicht in 6 Tagen, in der bekannten Reihenfolge, erschaffen worden. Das ist eine Glaubensaussage, und keine wissenschafliche Abhandlung. Es geht nicht darum, wie Gott die Welt erschaffen hat, das müssen Biologen und Physiker erkläre, es geht darum daß er sie erschaffen hat.... man staune -
devilfriend
Sonntag, 19.02.2012, 17:57 Uhr Wir sollen aus so einem Dreckloch herkommen?!? Das erinnert mich an die Geschichte von den zwei Prostituierten, die von einem Aussichtspunkt in Mainz auf die Stadt hinabblicken. Jede hängt ihren Gedanken nach. Auf einmal sagt die eine: „Mainz ist ein Dreckloch.“- Die andere: „Meins auch.“ Im Ernst: Vermutlich ist nicht die eigentliche Nachricht, ob kleine Pfützen oder eine große Pfütze (= Ozean) als Ursprung anzusehen sind. Wichtig ist wohl der Forschungsansatz, nach „genetischen Fingerabdrücken“ zu fahnden, die wir noch in uns tragen. Die Untersuchung dieser „archaischen“ genetischen Merkmale, die verantwortlich sind für Strukturen, die tauglich sind für eine erfolgreiche Interaktion mit den verschiedenen chemischen Milieus der frühen Erde, halte ich für sehr spannend. @Funkelfuchs, als aufgeklärte Menschen können wir uns wohl auf die Evolutionslehre einigen. Eine alte damit zusammenhängende Frage ist, ob die Zufälle der Evolution „blind“ und von Hause aus „ungerichtet“ sind, oder ob es Energie und Materie als deren natürlichen (!) Merkmalen von vornherein innewohnt, die fast endlose Breite der Zufallsmöglichkeiten einzuengen. -
Elkamo
Sonntag, 19.02.2012, 17:56 Uhr S. 1: CH88H11 | "Wieder so ein Thread in dem die Kreationisten und Ignoranten wie der Typ über mir ihr Maul aufreissen werden." ------------ Aber, so was von richtig. Da können die Biblischen wieder ihre Weisheiten verkünden, die Welt sei in 7 Tagen erstanden, weil Gott Tag für Tag, am besten abends um 17 h Feierabend - etwas Neues erschaffen hat. Ein guter Chirurg war der liebe Gott auch, denn in der Bibel steht, er hat Adam eine Rippe herausgeschnitten. Wahrscheinlich war er ein guter Schönheitschirurg und hat wie Prof. Mang die Eva sehr elegant geformt. So, ein Quatsch - das alles wörtlich zu nehmen, das sind doch Metaphern! ------ Die Übereinstimmung bei allen ernst zu nehmenden (Wissenschaftlern! und nicht albernen Rednern) besteht heute darin: Aller Ursprung vor 13, 7 Milliarden Jahren liegt in einem singulären winzigsten Partikel, kleiner als der kleinste Baustein eines Atoms. Es gab keinerlei Explosion. ------------ Also, nix mit großem Knall. Außerdem ist die Wissenschaft dazu da, dass stets weitergeforscht wird und noch lange, sehr lange nicht alles geklärt ist. Aber gesicherte Erkenntnisse sollte man nicht dauernd mit der Bibel oder sonstigen fragwürdigen Quellen verwässern.
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