Zur mobilen Ansicht wechseln

22.02.2012, 11:22 Uhr

Heinrich Hertz, der Mann, der das Handy ermöglichte in Kooperation mit WELT Online

Der Physiker Heinrich Hertz, der den Nachweis elektromagnetischer Wellen erbrachte, war seiner Zeit weit voraus. Soweit, dass er nicht einmal einen Nobelpreis bekommen konnte.

Von Uwe Bahnsen

"Wie wollte ich ihn liebhaben, wie wollten wir zusammen lernen und streben, und dann sollte er ein großer und tüchtiger Mann werden und in der Welt etwas bedeuten!" Dieser anrührende Satz stammt von Anna Elisabeth Hertz, der Mutter des genialen Physikers Heinrich Hertz.

Diese Bekundung mütterlicher Liebe über den Tod hinaus schrieb sie im Jahr 1901. Ihr berühmter Sohn war sieben Jahre zuvor, erst 36-jährig, in Bonn einer Blutvergiftung als Folge fortdauernder Infektionen erlegen. Sie selbst starb 1910 und hat also noch erlebt, dass Heinrich Hertz "in der Welt etwas bedeutete". Nicht weniger als die Physik seiner Zeit hat er revolutioniert - bis hinein in das 20. Jahrhundert.

Weltweiten Ruhm erlangte Heinrich Hertz 1887/88 durch seine Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Wellen, mit denen er die Voraussagen der von dem Schotten J.C. Maxwell aufgestellten Theorie der elektromagnetischen Wellen und deren Wesensgleichheit mit den Lichtwellen bestätigte.

Seine Arbeiten schufen die Grundlagen der heutigen Hochfrequenztechnik und haben Rundfunk und Telegrafie, Fernsehen und Handy, überhaupt das ganze Spektrum der elektronischen Telekommunikation, erst möglich gemacht. Die auch heute gebräuchliche Maßeinheit Hertz beschreibt die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde.

Jüdische Familie trat zum Christentum über

Dem am 22. Februar 1857 geborenen Heinrich Hertz, dem die Suchmaschine Google heute aus Anlass seines Geburtags ein animiertes Doodle, eine Verfremdung seines "Google"-Logos, widmet, entstammte einer jüdischen Familie, die durch den Übertritt zum Christentum ihre gesellschaftliche Akzeptanz sichern wollte, und das mit Erfolg, denn die Eltern (sein Vater Gustav Hertz war ein angesehener Anwalt mit bedeutender Kanzlei) gehörten zu den tonangebenden Kreisen der hamburgischen Gesellschaft, blieben aber der überlieferten jüdischen Bildungstradition durchaus verbunden.

Zunächst wollte der junge Mann Bauingenieur werden. Das war nachvollziehbar, denn Hamburg war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine stürmisch wachsende Stadt, und zugleich bot der Wiederaufbau der durch den Großen Brand von 1842 zerstörten Stadtviertel ein reiches Betätigungsfeld.

Der Wissenschaftsjournalist Michael Eckert, Historiker am Deutschen Museum in München, beschrieb zuletzt vor knapp zwei Jahren in der Reihe "Hamburger Köpfe" nicht nur die Höhen, sondern auch die Krisen dieses Lebens - den mühsamen inneren Weg zur Physik, den Hertz als angehender Bauingenieur auf dem Dresdener Polytechnikum vollzog, die Reaktionen der Eltern auf diesen Wechsel des Studienfachs, auch die Nervenkrise, die der 29-jährige Physikprofessor am Polytechnikum in Karlsruhe erst durch psychiatrische Behandlung und die Ehe mit Elisabeth Doll überwand.

"Vater der Funktechnik"

Begonnen hatte diese wissenschaftliche Laufbahn, die Heinrich Hertz zum "Vater der Funktechnik" werden ließ, 1879 mit der Doktorarbeit "Über die Induction in rotirenden Kugeln", mit der er im folgenden Jahre "magna cum laude" zum Dr. phil. promoviert wurde.

Hertz war ein brillanter Schüler des großen Physikers und Physiologen Hermann von Helmholtz (1821-1894), der als "Reichskanzler der Physik" eine prägende Rolle in der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts spielte. 1883 habilitierte Hertz sich mit der Abhandlung "Über die Berührung fester elastischer Körper", wurde erst Privatdozent in Kiel, ging dann nach Karlsruhe und erhielt 1889 einen Ruf an die Universität Bonn. In diesem Jahr wurden dem 32-Jährigen auch die ersten nationalen und internationalen Ehrungen zuteil, darunter die mit dem späteren Nobelpreis vergleichbare Rumford-Medaille der ehrwürdigen Royal Society in London.

Heute sind zahlreiche Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland nach Heinrich Hertz benannt. Etwa das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin nahe der Technischen Universität. Dort tüfteln die Forscher - gleichsam als Erben des Namenspaten ihres Instituts - an der bunten Mobilfunktechnik von morgen. An dem zur Fraunhofer-Gesellschaft gehörenden Heinrich-Hertz-Institut (HHI) arbeiten die Forscher unter anderem daran, die nötigen großen Datenströme für solche Anwendungen auch ins Handy zu bringen.

Tod mit 36

Hertz selbst hätte für solche Entwicklungen vermutlich keinen Sinn gehabt. Er entwickelte zwar die erste Antenne. Doch an Radios oder drahtlose Verbindungen dachte er nicht. Hertz war glühender Grundlagenforscher, wie HHI-Sprecher Wolf von Reden einmal sagte. "Anwendungen waren für Hertz völlig nebensächlich."

Heinrich Hertz, der auf zeitgenössischen Bildern als bärtiger Forscher mit ernstem und strengem Blick erscheint, gilt also ebenso brillanter Experimentator wie herausragender Theoretiker. Hertz beschäftigte sich unter anderem mit Kathodenstrahlen, der Elektrodynamik und dem photoelektrischen Effekt, für dessen korrekte Deutung Albert Einstein wenige Jahrzehnte später den Nobelpreis bekam.

In seiner fruchtbarsten Schaffensphase in Karlsruhe vollendete ert den bereits vorausgesagten Brückenschlag zwischen Elektrizität und Licht.

Wissenschaftler sind überzeugt, dass auch Heinrich Hertz den Nobelpreis bekommen hätte, der 1901 das erste Mal vergeben wurde. Doch so viel Zeit blieb dem großen Physiker nicht. Heinrich Hertz starb 1894 mit nur 36 Jahren an einer Blutvergiftung im Kiefer. Das Penizillin, das ihn hätte retten können, entdeckte Alexander Fleming erst 1928 – und bekam dafür 1945 den Nobelpreis.

© WELT Online

0 Sterne - basierend auf 0 Bewertungen
Zur Übersicht: Wissen

5 Meinungen zu "Wie Herr Hertz das Handy erfand"

  • Engel70
    Donnerstag, 23.02.2012, 15:53 Uhr
    @Mapuuu: Überschrift
  • Mapuuu
    Mittwoch, 22.02.2012, 15:58 Uhr
    da müsst ihr aber auch mal richtig lesen, da steht nicht dass er das handy erfunden hat sondern dass er es "ermöglicht hat". da gibts nen großen unterschied
  • Engel70
    Mittwoch, 22.02.2012, 15:21 Uhr
    Ich finde fast alle "Erfinder" zweifelhaft, weil jeder unter fremden Einflüssen lebt und von anderen lernt. Daraus folgt auch direkt der Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Patenten.
  • hoehlengnarf
    Mittwoch, 22.02.2012, 14:35 Uhr
    In der Tat kann der Ruhm nie einem allein gehören. Mindestens genauso wichtig für die ``Erfindung'' des Handy sind die Arbeiten von Fourier, ohne die weder die Aufbereitung der Sprachsignale noch die Erzeugung des Funksignals gelingen würde. Und bestimmt lassen sich noch frühere Forscher finden, die einen Beitrag geleistet haben. Schade nur, daß der Fortschritt, den solche Menschen ermöglicht haben, heute durch die Vertreter der Rechts``wissenschaft'' immer weiter gebremst wird...
  • weckmannu
    Mittwoch, 22.02.2012, 13:15 Uhr
    Es ist eine Verzerrung der Geschichte, zu schreiben, H.Hertz hätte das Handy erfunden. Man sollte der Öffentlichkeit und auch den der Naturwissenschaft so fern stehenden Journalisten endlich klarmachen, daß Erfindungen der Erfolg einer langen Kette von Forschern zu verdanken ist, die alle dazu beitragen, am Ende der Kette spektakuläre Errungenschaften der Technik zu realisieren. -- In diesem Falle muß unbedingt Maxwell als Begründer der Theorie des Elektromagnetismus genannt werden. Schließlich war es diese Theorie, die Für den Physiker Hertz der Anlaß war sich mit den Phänomenen des Elektromagnetismus zu befassen.
Alle Specials im Überblick
EM-Ball 2012

Der Countdown zur EURO 2012 läuft...

Pinguin 337

Zootier hatte seine Häscher lange genarrt - jetzt ist es zurück. >

"Solar Impulse" will bis nach Marokko fliegen

"Solar Impulse" soll ihren ersten Interkontinentalflug schaffen. >

Germaine Degueldre wurde stolze 111 Jahre alt. >


Internet Made in Germany Ihr WEB.de-Postfach ist grün Web.de unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Wie Herr Hertz das Handy erfand. Für Nachweis der Wellentechnik bekam der Physiker keinen Nobelpreis.