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13.05.2013, 11:10 Uhr

Rätselhafte Hinweise auf ein Leben nach dem Tod

in Kooperation mit DIE WELT

Haben Menschen mit Nahtoderlebnissen ins Jenseits geblickt? Oder sind Nahtod-Zustände Halluzinationen in Folge von Sauerstoffmangel? Das Phänomen ist eines der größten Mysterien der Wissenschaft.

Von Stephan Cezanne

Der Tod hat nicht das letzte Wort, heißt es in der Pfingstpredigt des Petrus. Menschen, die eine sogenannte Nahtoderfahrung gemacht haben, stimmen dem zu.

"Ich steige aus, aus dieser kranken Hülle, ich lege sie ab, wie eine Jacke, die ich nicht mehr brauche", schildert Sabine Mehne ihre Nahtoderfahrung in einer Klinik. Sie fühlte sich in "einem watteähnlichen hellen, fließenden Körper", erinnert sich die Physiotherapeutin und Familienberaterin in ihrem Buch "Licht ohne Schatten" (Patmos Verlag). Die Mutter von drei Kindern spürte nach diesem existenziellen Erlebnis neue Lebenslust.

"Eigentlich ist es eine so tiefgehende Erfahrung, dass sie eher 'Lebenserfahrung' heißen müsste, weil sie das Leben so sehr bereichert und verändert", bilanziert Sabine Mehne.

Sind Nahtoderfahrungen ein Blick durchs Schlüsselloch ins Jenseits? Sind sie ein Beweis für ein Leben nach dem Tod? Skeptiker halten dagegen: Es sind vor allem Erfahrungen aus einer Phase zwischen Leben und Tod. Nahtoderfahrungen sagen etwas über den Sterbeprozess aus, nicht aber über den Tod selbst.

Geht die Erfahrung über das Grab hinaus?

Doch immer wieder sorgen spektakuläre Berichte über Stippvisiten im "Himmel" – oder auch der "Hölle" – für Aufsehen. Auf die internationalen Bestsellerlisten schaffte es jüngst der US-amerikanische Neurochirurg Eben Alexander mit seinem Buch "Blick in die Ewigkeit". Der Wissenschaftler wirbt nach einem spektakulären Nahtoderlebnis für seine Botschaft, "dass die menschliche Erfahrung über das Grab hinausgeht".

Alexander: "Der Ort, an den ich ging, war real. Real in einer Weise, die das Leben, das wir hier und jetzt führen, im Vergleich dazu wie einen Traum erscheinen lässt."

Nahtoderfahrungen seien jedoch keine "Fotografien des Jenseits", sagt der Psychiater und Nahtod-Experte Michael Schröter-Kunhardt. Die Grundelemente seien standardisiert wie außerkörperliche Erfahrungen, ein Glücksgefühl, das Reisen in eine Paradies- oder auch Höllenlandschaft sowie der Ablauf eines Lebensfilms.

Diese Bilder seien aber nicht real, sondern immer geprägt durch unbewusste Erwartungen. Wie etwa im Fall einer jungen Frau, die während einer Nahtoderfahrung plötzlich an ihre Eltern dachte und diese plötzlich sehen konnte.

Hinweis auf ein mögliches Leben nach dem Tod

Dennoch interpretiert Schröter-Kunhardt die zahlreichen Berichte über Nahtoderfahrungen als Hinweis auf ein mögliches Leben nach dem Tod. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, ist aufgrund dieser Erfahrungen viel größer, als die Wahrscheinlichkeit, dass es nichts danach gibt", erklärt der Ärztliche Leiter einer Fachklinik für die Langzeittherapie von Suchtkranken in Niedersachsen.

Schätzungen zufolge haben vier Millionen Deutsche einmal nach einem Unfall, bei schwerer Krankheit, bei einer Geburt oder ganz spontan ein solches außerordentliches Erlebnis, erklärt der Verein "Netzwerk Nahtod-Erfahrung".

Dies geschieht oft – aber nicht immer – während eines Herzstillstandes. Viele Menschen ändern nach einer solchen Erfahrung ihr Leben radikal, haben keine Angst mehr vor dem Tod. Einige Forscher erklären Nahtod-Zustände als Halluzinationen etwa in Folge von Sauerstoffmangel im Gehirn oder der Ausschüttung von Stresshormonen in Extremsituationen.

Kann es wissenschaftliche Belege für die Existenz eines "Himmels" geben? Bis heute können Nahtoderfahrungen nicht eindeutig und schlüssig erklärt werden, betont die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin.

Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Religion

Nahtodphänomene "befinden sich an der hochgradig emotionalen Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Religion, weil sie die Versuchung eines Gottesbeweises enthalten", sagt EZW-Referent Michael Utsch.

Die Frage, was den Menschen nach seinem letzten Atemzug erwartet, bleibt ein Faszinosum. Die Primatenforscherin Jane Goodall ist neugierig auf das Sterben. "Ich glaube, dass der Tod ein großes Abenteuer ist", bekannte die 79-jährige Britin dem evangelischen Monatsmagazin "chrismon" (Mai-Ausgabe).

Sie habe das Gefühl, dass der Tod nicht das Ende sei, dass es irgendwie weitergehe. Die Wissenschaftlerin bekennt: "Ich will nicht sterben, aber ich bin total neugierig. Wir wissen ja nicht, was kommt!"

© DIE WELT

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