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11.07.2013, 11:54 Uhr

Nicht nur Europa, die ganze Welt vergreist

in Kooperation mit DIE WELT

Die Weltbevölkerung wird älter, denn die Geburtenrate sinkt und die Lebenserwartung steigt. In Europa sinken die Bevölkerungszahlen. Dafür ist teilweise auch die Wirtschaftskrise verantwortlich.

Von Fanny Jimenez

Der Anteil der über 65-Jährigen an der Weltbevölkerung wird den Vereinten Nationen zufolge bis zum Jahr 2050 auf 15,6 Prozent steigen. Gegenüber 2010, als der Wert 7,7 Prozent betrug, würde dies einen Anstieg um mehr als das Doppelte innerhalb von nur 40 Jahren bedeuten. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anlässlich des heutigen Weltbevölkerungstages mit.

Seit 1989 macht die UN jährlich am 11. Juli auf die globalen Auswirkungen des Bevölkerungswachstums aufmerksam. Das Datum entstand in Anlehnung an den 11. Juli 1987 – an diesem Tag durchbrach die Bevölkerung der Erde die Grenze von fünf Milliarden Bewohnern. Inzwischen leben nach UN-Angaben bereits rund 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde. Bis 2025 wird eine weitere Milliarde dazukommen, und 2050 werden es voraussichtlich 9,6 Milliarden Menschen sein.

Dieser Anstieg gefährdet nach Expertenansicht das Erreichen der UN-Millenniumsziele im Kampf gegen die Armut in Entwicklungsländern. Denn das Bevölkerungswachstum ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt – es findet fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt. Probleme wie Armut, fehlende Bildung, mangelnde Gesundheit, gewalttätige Konflikte oder die Zerstörung der Umwelt sind aber, so das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, eng mit dem Anstieg der Bevölkerungszahlen verbunden.

Deutschland sieht im EU-Vergleich alt aus

Die Gründe für die nun von der UN verkündeten Entwicklung hin zu einer stetig alternden Weltbevölkerung sind den Statistikern zufolge eine höhere Lebenserwartung der Menschen sowie niedrigere Geburtenraten. In absoluten Zahlen werden zur Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich weltweit rund 1,5 Milliarden Menschen über 65 Jahre alt sein. 2010 waren es noch rund 0,5 Milliarden Personen. Die Daten beruhen auf der mittleren Variante der UN-Bevölkerungsvorausberechnung 2012.

Das heißt: Es könnten auch etwas weniger sein – unter Umständen aber sogar mehr. Blickt man auf den Anteil der älteren Bevölkerung in ausgewählten Ländern, zeigen sich aber beachtliche Unterschiede. So hatte Deutschland im Jahr 2011 gemeinsam mit Italien in Europa den höchsten Anteil von Bürgern über 65 Jahren, nämlich 20,6 Prozent. Am anderen Ende der Skala waren es dagegen in Albanien 9,9 und in der Türkei gar nur 6,1 Prozent.

Im Mittelfeld liegt etwa Spanien mit 17,1 oder die Niederlande mit 15,7 Prozent. Weltweit betrachtet driften die Quoten aber noch weitaus deutlicher auseinander. Länder wie Angola haben mit 2,5, Gambia mit 2,2 oder Sierra Leone mit 1,9 Prozent extrem niedrige Anteile älterer Menschen an der Landesbevölkerung. Doch auch auf dem afrikanischen Kontinent gibt es Unterschiede: So liegt der Wert in Tunesien zum Beispiel bei sieben Prozent.

Bevölkerungszahlen sinken nur in Europa

44 Prozent, knapp die Hälfte aller Menschen auf der Welt, ist aber inzwischen nicht alt, sondern jünger als 25 Jahre. Sieht man sich die Bevölkerungsentwicklung nach Kontinenten aufgeteilt an, gibt es einen, der hervorsticht. Während die Bevölkerungszahlen überall sonst deutlich in die Höhe klettern, sinkt sie in Europa – und nur dort.

Die Wirtschaftskrise im vergangenen Jahrzehnt hat messbar die Geburtenraten gedrückt, wie eine aktuelle Untersuchung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock zeigt. Im Durchschnitt von 28 europäischen Ländern blieb Geburtenrate umso stärker hinter dem – ohne Krise – zu erwartenden Trend zurück, je höher die Arbeitslosenquote stieg.

Die im Journal "Demographic Research" veröffentlichte Studie vom Team um Michaela Kreyenfeld zeigt, dass eine hohe Arbeitslosigkeit im Land sich direkt auf die Geburtenrate auswirkt. Insbesondere junge Europäer unter 25 Jahren verschieben dann ihren Kinderwunsch. Je nach Land ist der Zusammenhang aber aufgrund der Familienpolitik oder Sicherheit der Arbeitsplätze unterschiedlich stark.

So senkt Arbeitslosigkeit die Geburtenraten am stärksten in Südeuropa. Darin spiegele sich wider, so die Demografin Kreyenfeld, dass die Jobsituation zu Beginn des Arbeitslebens in den südlichen Ländern besonders unsicher ist.

© DIE WELT

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