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10.09.2007, 09:57 Uhr

Was unser Urahn im Kopf hatte in Kooperation mit

Der Mensch weist gegenüber allen anderen Primaten eine Besonderheit auf: Sein Nachwuchs durchlebt eine ausgeprägte Kindheit und Jugend. Dieses Phänomen ist in der Menschheitsgeschichte noch jung wie die Forscher um Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, herausgefunden haben.

Die Wissenschaftler haben den einzigen bekannten, etwa 1,8 Millionen Jahre alten Kinderschädel unseres direkten Vorfahren Homo erectus unter die Lupe genommen.

Der Schädel des so genannten Mojokerto-Kindes wurde im Jahr 1936 von einem Ausgrabungsteam um den deutschen Anthropologen Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald in der Mojokerto-Region auf Java in Indonesien entdeckt. Koenigswald war Angestellter beim Niederländischen Geologischen Dienst und hatte den Auftrag, fossile Säugetiere zu identifizieren, zu beschreiben und auf dieser Grundlage eine stratigraphische Einteilung des Pleistozäns zu erarbeiten.

Wie sich der Reifezyklus des Hirns in der Evolution der Menschheit gewandelt hat, belegen Analysen von Zahnmaterial: Das für den modernen Homo sapienstypische Wachstumsmuster mit einer langen Jugendphase hat sich erst relativ spät in der menschlichen Entwicklungsgeschichte herausgebildet. Aus dem Wachstumsmuster der Zähne von Homo erectus lässt sich schließen, dass der Reifeprozess damals schneller ablief als beim heutigen Menschen. Offen blieb jedoch die Frage, wie es sich mit dem Gehirnwachstum des Homo erectusverhielt. Reifte dessen Gehirn nach der Geburt noch ebenso lang wie bei Homo sapiens?

Die Rekonstruktion der menschlichen Stammesgeschichte gleicht einem weltweiten Puzzlespiel. Oft sind die fossilen Überreste von Skeletten unvollständig oder einzigartig, wie im Fall des indonesischen Mojokerto-Kinderschädels. Mit jedem neuen Fund und besseren wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden gewinnen die Paläoanthropologen ein klareres Bild von der Entwicklung des Menschen.

Kein Zweifel besteht an der engen Verwandtschaft von Mensch und rezenten Primaten wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans. Darauf deuten vor allem Ergebnisse von DNA-Analysen: Danach unterscheidet sich das Erbgut von Mensch und Schimpanse lediglich um 1,6 Prozent (Gorilla: 2,3 Prozent, Orang-Utan: 3,6 Prozent). Als der früheste Vorfahr des Menschen gilt heute der rund sechs Millionen Jahre alte "Millennium Mann" (Orrorin tugenensis) aus dem kenianischen Rift Valley. Die innere Beschaffenheit seines Oberschenkelhalsknochens weist ihn als Zweibeiner aus; das Knochenfossil war im Jahr 2000 im ostafrikanischen Grabenbruch gefunden worden, der seit langem als die Wiege der Menschheit gilt.

© Max-Planck-Gesellschaft

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