Die Bundesbank hat Milliarden einer deutschen Notstandswährung einst im Moseltal versteckt. Nun wird das Geheimnis des unterirdischen Bunkers gelüftet.

Ein durchschnittliches Wohnviertel, eine Straße, zwei unauffällige Häuser: Das deutsche Fort Knox ist im Kalten Krieg perfekt getarnt gewesen. Bis unter die Decke stapelten sich hier 15 Milliarden D-Mark einer geheimen Ersatzwährung für den Krisenfall. Jahrzehnte später öffnet der ehemalige Geheimbunker der Deutschen Bundesbank in Cochem an der Mosel seine Tore für Besucher. Der Museumsbetrieb startet am Freitag (18. März) mit einem Fest.

Durch den einst als eine Art Doppelgarage getarnten Eingang geht es 30 Meter in die Tiefe der Zeitgeschichte. Meterdicke Betonwände, gepanzerte Zwischentüren, Gitterboxen mit Schlössern: Hier hat die Bundesbank unter dem Eindruck von sowjetischer Bedrohung, Mauerbau und Kubakrise die deutsche Notstandwährung in Kartons und Säcken versteckt.

Auch heutzutage werden immer wieder Sensationen entdeckt.

Die Vorderseite der Scheine wirkt vertraut, nicht aber die Rückseite mit geometrischen Figuren und anderen Farben. Im Falle eines Krieges, einer Hyperinflation oder einer Falschgeldflut aus dem Ostblock wollte die Bundesregierung zahlungsfähig bleiben.

Die Geschichte des Geheimschatzes gleicht einem Agentenroman. Die Bundesbank entscheidet sich einst für das tiefe Moseltal in der Hoffnung, so vor einer atomaren Druckwelle etwas geschützt zu sein. Sie erwirbt im rheinland-pfälzischen Cochem gegenüber der Reichsburg eine ehemalige Arztpraxis plus umliegende Grundstücke am Moselhang, eine Fläche von 9.000 Quadratmetern.

Von 1962 bis 1964 entstehen der unterirdische Geheimbunker und ein Schulungsheim in den beiden Tarnhäusern. Die mit 2,3 Millionen Mark veranschlagten Baukosten klettern nach Schätzung des Bunkerexperten und Buchautors Jörg Diester auf zehn Millionen Mark.

Anwohner beschweren sich über den Baulärm. Museumschefin Petra Reuter berichtet: "Sie wurden damit beschwichtigt, dass sie hier bei einem Krieg in einem normalen Zivilschutzbunker unterkämen." Tatsächlich hätten hier im Notfall bis zu 175 Menschen zwei Wochen in der Tiefe überleben sollen, autark mit Trinkwasserbrunnen, Dieselgeneratoren-Strom, Sandfilter für die Luftversorgung und Dekontaminationsräumen für atomare Verstrahlung.

Niemand ahnt vom Milliarden-Schatz

Die Banker in den Seminaren im Schulungsheim feiern laut Reuter am Swimmingpool des Vorbesitzers nächtliche Feste, ohne etwas vom Milliardenvermögen unter ihnen zu ahnen. Nur wenige eingeweihte Prüfer und der Schulungsleiter zählen alle paar Monate das Geld. Die einzigen Schlüssel für die tonnenschwere Tresortür liegen in der Bundesbank in Frankfurt.

1988, noch vor dem Mauerfall, wird der Milliardenschatz mit Lastwagen abtransportiert und durch den Reißwolf gejagt. Warum? Die Geheimakten hierzu können laut Reuter erst nach 30 Jahren, also 2018, freigegeben werden.

Bunkerexperte Diester vermutet, dass die gültigen deutschen Geldbestände zu groß geworden waren, um sie noch mit 15 Milliarden Mark der sogenannten Serie BBk II austauschen zu können. Zudem seien die Anforderungen an Fälschungssicherheit gestiegen und inzwischen elektronischer Krisen-Zahlungsverkehr möglich geworden.

Die Vereinigte Volksbank Cochem kauft das Geldversteck und baut in den Bunkervorraum Schließfächer ein. "Beim Moselhochwasser 1993 waren ihre früheren Schließfächer abgesoffen", erklärt Museumschefin Reuter.

Nach jahrelangem Leerstand erwerben Petra und Manfred Reuter 2014 die ungewöhnliche Immobilie, in der es schon wenige Führungen gegeben hat. Das Busunternehmer-Ehepaar verwandelt den denkmalgeschützten Bunker in ein Museum und baut die Tarnhäuser zu einem Hotel mit 34 Betten um, das bis zum 1. Mai eröffnen soll.

Der Präsident der Bundesbank-Hauptverwaltung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland, Bernd Kaltenhäuser, sagt: "Ich freue mich, dass diese historische Stätte durch eine Privatinitiative der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird." Cochem sei ein Teil der deutschen Währungsgeschichte.

Und einer der Gästeführer, der ehemalige Bunkerhausmeister Peter Peifer, erzählt: "Sensoren an den Wänden haben jede Erschütterung registriert und automatisch die Polizei alarmiert. Die Uniform von einem Polizisten, der damals angerückt ist, ohne von dem geheimen Geld zu wissen, ziehe ich jetzt für Kinderführungen an."© dpa