Das US-amerikanische Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz galt als sicherstes Gefängnis der Welt, eine Flucht von hier war eigentlich unmöglich. Viele Insassen versuchten einen Ausbruch, aber niemandem soll es je gelungen sein. Niemandem - außer zwei Brüdern. Vielleicht. Ihre Geschichte wurde ebenso zur Legende, wie Alcatraz selbst.

Der Name Alcatraz steht für eines der gefürchtetsten Hochsicherheitsgefängnisse der Welt: Fast 30 Jahre lang wurden dort Schwerverbrecher eingesperrt – vor allem solche, die als nicht resozialisierbar galten.

Was die Anstalt so berüchtigt machte: Sie galt als absolut ausbruchsicher. Denn Alcatraz liegt auf einer Insel zwei Kilometer vor San Francisco, umgeben von eisigem Wasser und tückischen Strömungen.

Trotzdem versuchten immer wieder Insassen, von dort zu fliehen. Doch die Ausbrecher wurden entweder tot geborgen oder wieder gefangen genommen.

Bis heute heißt es offiziell: Niemand hat es je geschafft, lebend aus Alcatraz zu entkommen. Ein Fall ist allerdings immer noch ungeklärt – und wurde zur Legende. Zwei Brüdern könnte die Flucht tatsächlich gelungen sein, unter spektakulären Umständen.

1.576 Häftlinge in fast 30 Jahren

Strafanstalten ohne Wächter und Zellen - gibt's nicht? Gibt's doch!

Alcatraz ist eine 8,5 Hektar große und 500 Meter lange Insel in der Bucht von San Francisco. Seit dem 19. Jahrhundert standen dort ein Leuchtturm und später auch ein Fort mit einem Militärgefängnis.

Erst 1934 eröffnete die bekannte Hochsicherheitsanstalt. Im Schnitt waren 250 Häftlinge gleichzeitig hinter Gittern, sie blieben durchschnittlich zehn Jahre.

Bis 1963 saßen insgesamt 1.576 Häftlinge ein, darunter so berüchtigte Verbrecher wie Al Capone, George "Machine Gun" Kelly oder der deutsche Spion Erich Gimpel.

Dann wurde das Gefängnis stillgelegt, weil die Betriebskosten viel zu hoch waren: Alle Lebensmittel mussten mit Schiffen auf die Insel gebracht werden, sogar das Trinkwasser. Zudem hatte das Salzwasser die Bausubstanz stark angegriffen. Heute dient Alcatraz als Museum und Touristenattraktion.

Harte Haftbedingungen, aber warmes Wasser zum Duschen

Die Haftbedingungen waren hart: Die rund vier Quadratmeter großen Zellen enthielten nur ein Bett, ein Waschbecken und eine Toilette. 18 bis 23 Stunden mussten die Gefangenen darin verbringen.

Arbeit galt als Vergünstigung, die man sich nur mit guter Führung "verdienen" konnte. Die Häftlinge durften nur einmal im Monat für eine Stunde Besucher empfangen.

Allerdings hatte Alcatraz als einzige Haftanstalt der USA Duschen mit warmem Wasser. Das hatte aber nichts mit mehr Bequemlichkeit für die Insassen zu tun, sondern einen ganz praktischen Grund: Sie sollten ihren Körper zur Vorbereitung einer möglichen Flucht nicht an kaltes Wasser gewöhnen können.

Zur Abschreckung streute die Obrigkeit auch noch das Gerücht, rund um die Insel seien menschenfressende Haie unterwegs.

34 Gefangene versuchten zu fliehen

Trotzdem gab es immer wieder Fluchtversuche: insgesamt 14, an denen 34 Gefangene beteiligt waren. Zwei Männer probierten ihr Glück sogar zweimal, beide Male vergeblich: Joseph Paul Cretzer wurde erschossen, Sam Shockley starb später in der Gaskammer.

Einst hagelte es Proteste, nun brüstet sich Miami Beach mit Al Capone.

Blutig endete die "Schlacht von Alcatraz" 1946. Sechs Gefangene nahmen mehrere Wärter als Geiseln und wollten mit einem Transportschiff fliehen.

Es folgten mehrere Tage mit Verhandlungen, bevor Soldaten die Häftlinge unter Schusswaffeneinsatz überwältigten. Drei der Aufständischen sowie zwei Wärter kamen dabei ums Leben.

25 der Geflohenen von Alcatraz wurden von der Polizei lebend gefangen, sechs auf der Flucht erschossen. Fünf Männer sind bis heute verschollen, die Behörden gehen davon aus, dass sie ertrunken sind und aufs Meer hinausgezogen wurden - oder überlebt haben, wie manche munkeln.

Aufgeblasene Gummihandschuhe als Schwimmhilfe

Um von der Insel zu fliehen, mussten die Häftlinge kreativ sein. Der Bankräuber John Paul Scott benutzte im Dezember 1962 aufgeblasene Gummihandschuhe zum Schwimmen. Er gelangte zwar zum Festland, war aber halb erfroren und musste wiederbelebt werden. Der Mann kam zurück nach Alcatraz.

Legendär ist die Flucht von drei Männern am 11. Juni 1962. Die Geschichte bleibt bis heute mysteriös: Es ranken sich viele Legenden darum, ob die Ausbrecher überlebt haben oder nicht. Die Geschehnisse wurden 1979 sogar im Hollywood-Film "Die Flucht von Alcatraz" mit Clint Eastwood aufgegriffen.

Frank Morris und die Brüder John und Clarence Anglin bereiteten ihre Flucht mindestens drei Monate lang vor: Mit Hilfe von Löffeln aus massivem Stahl gruben sie den Mörtel an den Belüftungsgittern weg.

Der war vom Meersalz angegriffen und brüchig geworden. Das Besteck hatten die drei in die Zellen geschmuggelt. Durch die Öffnungen gelangten sie in den Lüftungsschacht und von dort auf das Dach und in den Hof.

Aus Regenmänteln und Kleber hatten sie ein Schlauchboot gebastelt, mit dem sie übers Wasser flohen. Ihr Verschwinden blieb neun Stunden unbemerkt, denn Morris und die Anglin-Brüder hatten vorgesorgt: Sie hatten Köpfe aus Pappmaschee hergestellt und in ihre Betten gelegt.

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"Haftantritt" für Urlauber

Es ist möglich, weltweit Gefängnisse zu besichtigen, in denen Berühmtheiten inhaftiert waren.

Weihnachtskarten der Anglin-Brüder

Teile des improvisierten Schlauchbootes wurden später von Fischern gefunden und an Land gespült. Von den Männern aber fehlte jede Spur, auch ihre Leichen wurden nie gefunden.

Das FBI erklärte 1979 in einem Bericht, sie seien mit großer Wahrscheinlichkeit ertrunken. Was aus Morris, dem dritten Ausbrecher, geworden ist, ist immer noch völlig offen.

Aber die Anglins könnten überlebt haben. Jahre später erklärten zwei Neffen der Brüder, ihre Onkel seien entkommen und hätten ein neues Leben in Südamerika begonnen. Sie legten sogar Beweise vor.

Die Mutter von John und Clarence Anglin habe auch nach der Flucht Weihnachtskarten erhalten. Die Handschrift stimmte eindeutig mit denen der Brüder überein. Allerdings waren die Karten weder frankiert noch datiert.

Die Familie legte aber auch ein Foto vor, das die Brüder in den 1970er-Jahren in Brasilien zeigen soll. Die Männer darauf sehen den Anglins tatsächlich ähnlich.

Aufgenommen hat das Bild ein Freund der beiden, der sie angeblich in einer Bar getroffen hatte. Er brachte der Familie das Foto erst in den 1990er-Jahren, weil er wegen Drogenschmuggels zwischenzeitlich im Gefängnis gelandet war.

Wenn die Anglin-Brüder tatsächlich überlebt haben, ist ihre Flucht aus Alcatraz tatsächlich die einzige, die jemals gelungen ist. Dass es möglich ist, von der Insel zu entkommen, versuchten später auch mehrere Fernsehsendungen zu beweisen.

Reporter schwammen zum Test von der Insel ans Festland, andere bauten ein Schlauchboot aus Regenmänteln – wie die Anglins.

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