In Vollmondnächten verwandeln sich manche Menschen in Werwölfe und gehen auf Jagd, nicht selten sind Menschen ihre Opfer - so lautet der schaurige Mythos. Rund um die Welt gibt es zu Werwölfen unzählige Horrorgeschichten. Auch die Filmindustrie hat Werwölfe längst für das Horror-Genre entdeckt. Viele Erzählungen wollen gar nicht mehr sein, als gruslige Erzählungen fürs Lagerfeuer - aber in manchen soll auch Wahrheit stecken. Was also ist dran am Mythos Werwolf?

"Wolfskinder" tauchen verwahrlost auf und mit ihnen schaurige Geschichten.

Wenn der Vollmond am Himmel steht, geschehen manchmal merkwürdige Dinge: Unter großen Schmerzen mutieren Menschen zu Monstern, bekommen Klauen und Fangzähne, es wächst ihnen in kürzester Zeit ein Fell und sie bewegen sich auf allen Vieren fort.

Sie werden zu blutrünstigen Bestien und gehen auf die Jagd. Nicht einmal Familienangehörige und Freunde sind sicher von ihnen: Sie zerfleischen ihre Opfer und fressen sie zum Teil auch auf. Erst mit Beginn des nächsten Tages verwandeln sie sich wieder zurück.

Sie erwachen irgendwo allein im Wald, nackt, manchmal blutverschmiert, und wissen nicht, was in der Nacht geschehen ist – oder was sie getan haben.

Die Rede ist von Werwölfen, um die sich viele Legenden und Sagen ranken. Werwölfe sind angeblich riesige Wesen, die nur mit Silber bekämpft werden können. Von normalen Verletzungen erholen sie sich erstaunlich schnell – und greifen sofort wieder an.

Der Pakt mit dem Teufel, ein Biss oder Vererbung

Die meiste Zeit ihres Lebens verhalten sich Werwölfe unauffällig, im Alltag bemerkt niemand etwas Merkwürdiges. Nur in Vollmondnächten gewinnt das Raubtier im Inneren die Überhand, der Mensch wird zum grausamen Wolfswesen. In manchen Sagen wird das Werwolf-Schicksal auch vererbt, meist an die Männer der Familie.

Ein Dorf rottet sich selbst aus: Was löste den Massenwahn aus?

Geschichten rund um die Kreuzungen zwischen Mensch und Tier gibt es seit Hunderten von Jahren in allen Teilen der Welt. Der Name Werwolf setzt sich zusammen aus dem germanischen Wort für Mann, "Wer", und dem Wolf.

Neben den Vampiren gehören sie zu den bekanntesten Fabelwesen, die sich aber gegenseitig als Erzfeinde bekriegen. In volkskundlichen Sagen gingen Werwölfe einen Pakt mit dem Teufel ein und erhielten von ihm einen Gürtel aus Wolfsfell.

Erst wenn sie ihn anzogen, begann ihre Verwandlung. Unsere moderne Vorstellung von Werwölfen ist vor allem durch die Filmindustrie geprägt. Der US-Horrorfilm "The Wolf Man" von 1941 zeigte als erster Streifen des Genres, wie sich Menschen in Werwölfe verwandeln, nachdem sie zuvor von einem gebissen worden waren.

Uralte Geschichten über Werwölfe

Werwölfe werden schon in den ältesten Schriftstücken der Menschheit erwähnt. Zum Beispiel im Gilgamesch-Mythos, entstanden mindestens 2.600 Jahre vor unserer Zeitrechnung: Die Göttin Istar verwandelt darin einen Schäfer in einen Wolf. In griechischen Sagen ist vom König Lykan die Rede, dem Zeus die Gestalt eines Wolfs gab.

Der Mythos lebte Jahrhunderte später wieder auf: Der schwedische Gelehrte und Bischof Olaus Magnus schrieb im 16. Jahrhundert in seiner "Geschichte der nördlichen Völker" von Werwölfen, die er für echt hielt.

Sie würden in Vollmondnächten in die Häuser einbrechen und die Vorräte der Bewohner fressen. Nach ein paar Tagen bekämen sie aber ihre Menschengestalt zurück.

Auch hierzulande erzählten sich die Menschen Gruselgeschichten über Werwölfe. Die Stadt Greifswald wurde 1640 angeblich von Werwölfen attackiert. Es waren so viele, dass die Menschen sich nicht mehr trauten, nachts das Haus zu verlassen.

Einige Studenten sammelten alle silbernen Gegenstände und schmolzen sie ein. Dann stellten sie daraus Kugeln her und besiegten die Werwölfe.

1685 wandelte Legenden zufolge ein Werwolf durch das bayerische Ansbach. Angeblich handelte es sich um den verstorbenen Bürgermeister. Schließlich konnte der Wolf getötet werden. Die Bewohner zogen ihm angeblich die Kleider des Bürgermeisters an und befanden, dass er ihm durchaus ähnlich sah.

In der Unterwelt von Palermo, der Kapuzinergruft, befindet sich die größte Mumiensammlung Europas.

Zwischen 1764 bis 1767 suchte die "Bestie von Gévaudan" eine einsame Gegend in der französischen Auvergne heim. 100 Menschen wurden getötet, vor allem Frauen und Kinder. Jäger erlegten mehrere Tiere, darunter angeblich riesige wolfsartige Geschöpfe – waren es Werwölfe? Aufgeklärt wurden die Geschehnisse nie, dafür aber im Mystery-Horrorfilm "Der Pakt der Wölfe" 2001 verfilmt.

Werwolf-Prozesse im Mittelalter

Im Mittelalter war es mitunter lebensgefährlich, als Werwolf beschuldigt zu werden. Während der Zeit der Hexenprozesse wurden Männer angeklagt und hingerichtet, die angeblich Werwölfe waren.

Der Bauer Peter Stump wurde 1589 in Bedburg in der Nähe von Köln enthauptet und gerädert, weil er angeblich in Gestalt eines Werwolfs 13 Kinder umgebracht hatte.

Die angeblichen Gräueltaten des Mannes wurden weit über die Grenzen Kölns hinaus bekannt, sogar in England und Dänemark wurden sie beschrieben. Zwischen 1420 und 1720 fanden europaweit mindestens 25 Werwolf-Prozesse statt.

Kryptozoologen suchen Beweise für Existenz von mythischen Tieren.

Aber woher kommt der Mythos? Die meisten Legenden entstanden in Gegenden, die von Wölfen heimgesucht wurden. Die gefürchteten Tiere rissen Nutztiere und griffen mitunter auch die Bewohner an.

Womöglich wurden aber auch damals unerklärliche Krankheitssymptome den Fabelwesen zugeschrieben. So wird Tollwut durch den Biss eines Tieres übertragen. Die Betroffenen bekommen Anfälle und beißen um sich.

Aber stammen die Werwölfe nun aus dem Reich der Legenden und Sagen, oder gibt es sie wirklich? Einen Beweis für ihre Existenz hat bis heute noch niemand erbracht.

Und dennoch lebt der Mythos weiter – nicht nur in Büchern, Filmen und Serien, zum Beispiel bei Harry Potter oder in der "Twilight"-Reihe. Denn auch in vielen anderen Teilen der Welt treiben Werwölfe angeblich weiter ihr Unwesen.

In Argentinien erzählt man sich vom Lobison. Der jeweils siebte Sohn einer Familie verwandelt sich in eine haarige Kreatur, eine Mischung aus Wolf und Mann.

Solche Kreuzungen zwischen Tier und Menschen tauchen noch immer weltweit in Erzählungen auf: In afrikanischen Sagen ist von Gestaltwandlern die Rede, die sich in Schlangen verwandeln.

In den USA und Kanada gibt es immer wieder angebliche Sichtungen eines riesigen haarigen Wesens, dem Sasquatch, eine Kreuzung zwischen Mensch und Tier. Es ähnelt Bigfoot oder dem Yeti – gigantische, zottelige Mischwesen aus Mensch und Tier. Vielleicht Werwölfe?