Astronomen haben Hinweise für einen bislang unbekannten Planeten im Sonnensystem gefunden. Sollten sie sich bestätigen, müssten nicht nur Lehrbücher umgeschrieben werden. Nötig wäre dann auch ein neuer Name.

Wenn sich die Vermutungen bestätigen, wären sie eine Sensation. Konstantin Batygin und Michael Brown vom California Institute of Technology in Pasadena berichten im "Astronomical Journal", dass es weit draußen am Rand des Sonnensystems einen bislang unbekannten Planeten geben könnte.

Nach den Berechnungen der Forscher wäre der mächtige Gasplanet mehr als zehnmal so massereich wie die Erde. Alle 10.000 bis 20.000 Jahre soll er die Sonne einmal umrunden - im Schnitt etwa 20-mal so weit von unserem Zentralgestirn entfernt wie Neptun, der aktuell äußerste Planet. Direkt beobachtet wurde "Planet Neun" allerdings bislang nicht - die Forscher schließen aus den Bahndaten anderer Objekte auf seine Existenz.

Wann spricht man von einem Planeten

Nach der Definition der International Astronomical Union (IAU) gibt es im Sonnensystem acht Planeten: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. Zuletzt entdeckt worden war Neptun - und zwar im Jahr 1846. Der 1930 aufgespürte Pluto galt lange als neunter Planet, wurde aber 2006 von der IAU zum Zwergplaneten degradiert, weil er den damals neu festgelegten Kriterien für einen Planeten nicht genügt. Dazu gehört unter anderem, dass ein Planet seine Umlaufbahn freigeräumt hat, dort also keine kleineren Objekte mehr zu finden sind.

Dünen auf dem Zwergplanet deuten auf einst dickere Atmosphäre hin.

Sollten sich die Hinweise auf "Planet Neun" bestätigen, läge die Entscheidung über einen Namen wahrscheinlich bei der IAU. Seit ihrer Gründung fungiert die Astronomenvereinigung nämlich auch als eine Art Himmelskörperverwaltung. Sie hat Regeln festgelegt, nach denen Monde und Kometen benannt werden. Selbst für die Bezeichnung von Kratern, Bergen und Hochebenen auf Planeten gibt es genaue Vorschriften. Und auch bei neu entdeckten Exoplaneten und fernen Sternen hat die IAU das letzte Wort.

"Sicherlich würde sich die IAU für zuständig erklären und eine Kommission für die Namensfindung gründen", sagt Ulrich Christensen vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Regeln für die Benennung neuer Planeten im Sonnensystem gebe es allerdings keine. Das liege nicht zuletzt daran, dass die letzte Entdeckung schon mehr als 150 Jahre zurückliegt.

Jetzt fehlt nur noch ein Bild

Rita Schulz vom Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum (Estec) im niederländischen Noordwijk sitzt wie Christensen in einem der entscheidenden Namensfindungskomitees der IAU. Vor einer möglichen Benennung des Planeten, sagt sie, sei aber noch etwas ganz Entscheidendes nötig: "Wir brauchen ein Bild des Körpers. Es muss nicht besonders aufgelöst sein, aber wir müssen eindeutig etwas sehen. Was wir nicht sehen, kann auch keinen Namen bekommen."

Victoria oder Amor?

Schulz, die übrigens Namenspatronin für einen Asteroiden ("8640 Ritaschulz") ist, sagt: "Wenn so etwas Wesentliches wie ein Planet benannt wird, muss man das so machen, dass die Welt damit zufrieden ist." Sie kann sich vorstellen, dass die Entdecker des Planeten einen Vorschlag zur Benennung machen und die IAU diesen, zusammen mit anderen Ideen, prüft. Eine Liste von Namenskandidaten könne man dann im Netz zur Abstimmung stellen. Allein werde die IAU die Frage wohl eher nicht entscheiden.

Ihr Kollege Christensen hält es für wahrscheinlich, dass man sich bei der Namensfindung an den bisherigen Planeten orientiert. Bis auf die Erde tragen sie sämtlich Namen römischer Götter. "Es wäre zumindest konsistent, daran festzuhalten", meint der Göttinger Astronom.

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Die guten Namen sind schon weg

Die Liste römischer Gottheiten ist freilich ziemlich lang. Manche, vor allem die bekannteren, sind allerdings schon für Asteroiden oder Zwergplaneten in Verwendung wie etwa Ceres, Diana, Minerva, Victoria oder Fortuna. "Viele gute Namen sind schon weg", sagt Schulz. Und allzu viel Popkultur sei auch nicht gut - schließlich müsse die Bezeichnung über Jahrhunderte Bestand haben.

"Spiegel Online" hat zehn Namen aus der Antike ausgewählt, die laut einer Nasa-Datenbank bislang nicht für Objekte im Sonnensystem genutzt werden und deshalb vielleicht am ehesten in Frage kämen.

Jetzt sind Sie dran: Wie soll der rätselhafte Gigant am dunklen Rand des Sonnensystems heißen, sofern es ihn tatsächlich gibt?

Man darf die Fantasie spielen lassen

Auch in den sozialen Medien wird bereits intensiv über den Namen des mutmaßlich neunten Planeten debattiert. Im englischsprachigen Raum hat sich schon so mancher mit Nine angefreundet, was nichts anderes als Neun bedeutet. Spaßvögel schlagen auch "Planet Ten" für Planet Nine vor oder Snoopy. Zudem sind irdische statt göttlicher Namen wie Rick oder Jeff im Gespräch - und natürlich auch Bowie.

Im Facebook-Forum von "Spiegel Online" wurden Ortsnamen wie Meppen oder Bielefeld vorgeschlagen und außerdem Olaf, Spock und Spongebob. Christian Stöcker, ein Kollege aus dem Netzwelt-Ressort, outete sich via Twitter als Disney-Fan:

Bei der Namensfindung neu entdeckter Himmelskörper setzt die IAU übrigens seit Neuestem auch auf Online-Votes. Zuletzt hatten fast 600.000 Internetnutzer über die Bezeichnung von 14 Sternen und 31 Exoplaneten abgestimmt. Sie entschieden sich für Bezeichnungen wie Fafnir, Brahe und Poltergeist - ein Querschnitt aus historischen wie fiktiven Personen und natürlich berühmten Wissenschaftlern.© SPIEGEL ONLINE

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