Eisberge driften durch Stickstoff, rote Winde wehen ins All: Die Sonde "New Horizons" zeigt erstaunliche Landschaften des Zwergplaneten Pluto.

Der Zwergplanet Pluto in den Außenbezirken unseres Sonnensystems ist alles andere als eine eintönige Eiswüste. Das bestätigen Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Science".

Bilder der Sonde "New Horizons" zeigen eine abwechslungsreiche Landschaft: Weite, nahezu glatte Ebenen, fließende Gletscher, zerklüftetes Terrain, Schluchten, Berge, Mulden, Verwerfungen und vieles mehr.

Dünen auf dem Zwergplanet deuten auf einst dickere Atmosphäre hin.

Rund 30 verschiedene Geländearten weist eine kürzlich von der Nasa veröffentlichte Karte aus. Manche Regionen sind mit einem Alter von maximal zehn Millionen Jahren geologisch gesehen ausgesprochen jung, andere bis zu vier Milliarden Jahre alt. Aktive geologische Prozesse formen offensichtlich Teile der Oberfläche fortwährend neu.

Auf dem Zwergplaneten ist es mit etwa minus 230 Grad Celsius extrem kalt. Verschiedene Eisarten bedecken den Planeten, darunter Stickstoff- (N2), Kohlenmonoxid- (CO), Methan- (CH4), Ammoniak- (NH3) und natürlich Wassereis (H2O), das sich zum Teil zu kilometerhohen Bergen türmt.

Da Wassereis leichter ist als stickstoffhaltiges Eis, driften in manchen Gegenden des Pluto Wassereisberge durch das übrige Stickstoffeis. Die Astronomen haben auf den Bildern der Raumsonde ganze Ketten von dahintreibenden, bis zu 20 Kilometer breiten Hügeln ausgemacht, die durch die Tiefebene Sputnik Planum wandern.

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Pluto-Sonde "New Horizons": Der Weg zum Rand des Sonnensystems

Am 19. Januar 2006 startete "New Horizons" in Richtung Pluto. Mehr als neun Jahre war die Nasa-Sonde im All auf dem Weg zum Zwergplaneten am Rande unseres Sonnensystems unterwegs. Die wissenschaftlichen Instrumente sollten der Menschheit Informationen über die Beschaffenheit des Pluto und seines größten Mondes Charon liefern.

Herzförmige Region

Sputnik Planum ist eine Hälfte der großen, auffällig herzförmigen Region am Plutoäquator. Die Tiefebene Sputnik Planum ist mit rund 870.000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Schweden und Norwegen zusammen.

Sie ist besonders glatt, hat nicht einen einzigen Einschlagkrater und gilt daher als sehr jung. Die Ebene besteht wahrscheinlich aus Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis, wie Jeffrey Moore vom Ames-Forschungszentrum der Nasa und Kollegen in "Science" schreiben.

Fünf kuriose Fakten über die Pluto-Sonde "New Horizons" der Nasa.

Im zentralen und nördlichen Teil der Ebene zeigen sich zellartige Strukturen. Der Mittelpunkt dieser Zellen erhebt sich bis zu 50 Meter über die Ränder. Vermutlich handele es sich um eine Art Konvektionszellen, in denen vulkanartig Eis aus der Tiefe emporsteige, schreiben die Wissenschaftler.

Auf diese Weise kann die Oberfläche der Tiefebene in geologisch kurzen Zeiträumen immer wieder neu geformt werden, sodass auch Einschlagkrater nicht lange erhalten bleiben.

Ins All geweht

Anders als Pluto ist sein größter Mond Charon offensichtlich derzeit nicht geologisch aktiv. Er muss jedoch vor rund vier Milliarden Jahren großräumige tektonische Prozesse und eine Erneuerung seiner Oberfläche erlebt haben, berichten die Forscher.

Charons Oberfläche ist größtenteils mit Wassereis bedeckt und zeigt am Nordpol eine auffällige rötliche Färbung. Die Oberfläche sei unter den Eismonden im äußeren Sonnensystem einzigartig, schreiben Will Grundy vom Lowell-Observatorium und Kollegen in einem weiteren Fachartikel. Vermutlich stammt Charons Färbung am Nordpol von Kohlenwasserstoff-Verbindungen namens Tholinen, die auch Pluto sein rötliches Aussehen geben.

Möglicherweise fange der Mond Tholine ein, die von Pluto ins All geweht werden, spekulieren Wissenschaftler um Randall Gladstone vom Southwest Research Institute, die mithilfe der Sonde "New Horizons" Plutos Atmosphäre untersucht haben.

Die Beobachtungen seien überraschend, schreiben die Wissenschaftler. So sei die obere Atmosphäre des Zwergplaneten mit etwa minus 200 Grad Celsius viel kälter als erwartet. Dabei sei nicht klar, auf welche Weise sie so stark gekühlt werde.

Die Raumsonde "New Horizons" hat sich längst weit vom Zwergplaneten entfernt, funkt aber weiterhin Beobachtungsdaten vom vergangenen Juli zur Erde, als sie Pluto passiert hatte.© SPIEGEL ONLINE

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Pluto-Sonde "New Horizons": So lernen wir den Zwergplaneten kennen

Pluto ist viel kleiner als unser Erdenmond. Am Rand des Sonnensystems erreicht ihn zudem nur so wenig Sonnenlicht, dass er von der Erde aus kaum auszumachen ist. Erst mit dem Weltraumteleskop Hubble waren bessere Aufnahmen möglich, bevor die Sonde "New Horizons" genaue Bilder lieferte.