Für sein Projekt "Soldiers’ Inventories" fotografierte Thom Atkinson die Originalgegenstände, die Soldaten im Wandel der Zeit mit sich herumtrugen und führt uns dafür 1000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Auch wenn uns vor allem die Entwicklung fasziniert, ist vielleicht die interessanteste Frage: Was blieb seit einem Millennium gleich?

178 Jahre später erobern die "Mounted Knights" Jerusalem unter Friedrich II. Diese Ritter zu Pferde waren schon etwas besser geschützt als ihre Vorgänger, auch wenn die Waffen sich kaum verändert haben. Unter den persönlichen Gegenständen sind nur Besteck und ein Glücksbringer in Form eines Armbands zu finden.
Die Ausrüstung dieses Bogenschützen der 1415 in der Schlacht von Azincourt kämpfte, erinnert ein bisschen an Robin Hood. Bis auf den Kettenhelm bot die Kleidung kaum Schutz und war recht leicht, da der Schütze beweglich sein musste. Auch hier findet sich wieder neben Löffel, Becher und Schale ein Würfelspiel.
Jetzt wird´s eisern: Während bisher nur Kettenhemd und Schild die Schläge der Gegner abwehren konnten, wurden die Ritter im Jahr 1485 in der Schlacht von Bosworth nun mit Ganzkörperrüstungen ausgestattet. Zu jener Zeit kämpften die Geschlechter York und Lancaster in den Rosenkriegen gegeneinander. Zur Ausrüstung dieses Yorkisten gehörten ebenfalls wieder Löffel und Becher, die nun passend zur Rüstung in Silber erstrahlten.
Diese Ausstattung gehörte einem englischen Caliverman in Tilbury, der mit seinen Kameraden 1588 die Invasion der spanischen Armada abwehren sollte. Zum ersten Mal gehörten auch Schusswaffen zum Equipment. Unter anderem die lange Flinte, die sich Caliver nannte und welcher die Soldaten ihre Bezeichnung verdankten.
Einer für alle - alle für einen: Diese Habseligkeiten gehörten einem Musketier der New Model Army, der Parlamentsarmee, die 1645 gegen die Royalisten kämpfte. Zwar gab es noch die Metallklinge, doch ging die Tendenz immer mehr zu Schusswaffen. Auch Spielwürfel, Karten und Flöte nannte der Soldat sein eigen.
Achtung Feuermelder: Diese leuchtend rote Uniform gehörte zu einem Wachposten während der Schlacht bei Malplaquet 1709. Zum ersten Mal findet man unter den persönlichen Gegenständen auch ein Buch.
Dieser Soldat kämpfte 1815 in der legendären Schlacht von Waterloo, die Napoleons Herrschaft beendete. Auffallend ist hier der große Umfang an persönlichen Gegenständen: ein Brettspiel, eine Taschenuhr, Bücher, Kamm und Spiegel.
Dies ist die relativ schlicht gehaltene Uniform eines Soldaten in der Schlacht an der Alma 1854. Schwerter und andere Klingen sind nun gänzlich verschwunden. Dafür war diese grün-schwarze Uniform der Vorreiter für die heutigen Tarnfarben der Armeen. Und auch hier findet man wieder persönliche Gegenstände, die dem Soldaten ein individuelles Gesicht geben, wie Bilder der Familie.
Die Schlacht an der Somme 1916: Zum ersten Mal ist auch eine Gasmaske unter den Gegenständen zu finden, die einem britischen Sergeant gehört hatte. In Kriegen wurde nun erstmals auch Giftgas eingesetzt, was die Kriegsführung grundlegend veränderte.
Langsam lassen sich Ähnlichkeiten zu heutiger Ausrüstung erkennen: Schwere Rüstungen und Gewehre sind einem Sammelsurium von kleineren, zerstörerischen Waffen wie Handgranaten gewichen. Daraus entwickelte sich auch immer mehr die Kunst des Verbergens. Schutz konnte nicht mehr durch ein Schild erlangt werden, sondern nur noch durch geschickte Tarnung. Dieser Fallschirmjäger der britischen Armee kämpfte 1944 in der Schlacht von Arnheim.
1982 war die Ausrüstung schon auffallend modern und umfangreich. Während Soldaten durch die Verwendung leichterer Materialien nun mehr Utensilien mit sich herumtragen konnten, sind eher wenige persönliche Gegenstände zu finden. Während des Falkenlandkrieges 1982 hatte dieser Soldat des Royal Marine Commandos wohl keine Zeit mehr für Würfelspiele.
Zurück in der Gegenwart angelangt: Dieser Soldat der Royal Engineers kämpfte 2014 im Krieg in Afghanistan mit hochmoderner Technologie: Nachtsichtgerät, Funk- und Mienensuchgerät. Zwischen den ganzen High-Tech-Geräten findet man jedoch trotzdem einen altbekannten Gegenstand wieder: Den Löffel. Auch wenn es noch so banal scheint, ist dieses kleine Utensil seit tausend Jahren ein treu gebliebener Begleiter der Soldaten.