Zur mobilen Ansicht wechseln

24.05.2012, 08:34 Uhr

Neues Organ bei Walen entdeckt

London/Washington (dpa) - Ein kleines Organ hilft den riesigen Furchenwalen beim Fressen. Forscher aus Kanada und den USA entdeckten das etwa pampelmusengroße Organ im Unterkiefer der Wale.

Es koordiniere die Nahrungsaufnahme, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature" (Bd. 485, S. 498-501). Vermutlich sei seine Entwicklung im Verlauf der Evolution eine Voraussetzung dafür gewesen, dass die Furchenwale überhaupt so groß werden konnten.

Zur Familie der Furchenwale gehören einige der größten Tiere der Welt, etwa der Blauwal, das mit durchschnittlich 26 Metern Länge und bis zu 200 Tonnen Gewicht größte und schwerste Tier der Erde.

Namensgebend für diese Walfamilie sind die Längsfurchen, die von der Kehle über die Brust bis zum Bauchnabel in der Körpermitte führen. Sie stellen sicher, dass sich der Kehlsack enorm weiten kann, wenn die Wale zum Fressen ihr Maul öffnen. Die Tiere lassen dabei große Mengen Wasser samt der darin enthaltenen Beutetiere - Krill oder Fische - einströmen. Beim Schließen des Mauls filtern die Tiere das Wasser durch die Barten. Die Nahrung bleibt dabei im Maul hängen.

Orcas Quiz

Mehr als nur "Free Willy": Testen Sie Ihr Wissen über die größten Lebewesen unseres Planeten. >

Wie die Autoren um Nicholas Pyenson vom Nationalen Museum für Naturgeschichte in Washington schreiben, nehmen zum Beispiel Finnwale (Balaenoptera physalus) bei einem einzigen Fütterungsvorgang bis zu 80 Kubikmeter Wasser auf - ein Volumen, das größer ist als die Tiere selbst. Bei jedem Schluck bleiben dann etwa zehn Kilogramm Krill im Maul der Wale hängen. Die Experten untersuchten nun Kadaver von Finn- und Zwergwalen (Balaenoptera acutorostrata). Auch Zwergwale gehören zu den Furchenwalen und können bis etwa zehn Meter groß werden.

Die Forscher entdeckten bei ihren Studien das sensorische Organ genau in der Mitte des Unterkiefers. Bei den Furchenwalen sind die beiden unteren Kieferhälften nicht miteinander verwachsen, sondern nur lose miteinander verbunden.

Das Organ ist mit einem y-förmigen Bindegewebsknorpel verbunden, der am Kiefer beginnt und dann in zwei Bahnen entlang der Kiefer über den Kehlsack verläuft. Zudem enthält es Nerven und wird über Blutgefäße versorgt. "Wir glauben, dass das sensorische Organ Informationen an das Gehirn schickt, um den komplexen Vorgang der Nahrungsaufnahme zu koordinieren. Dieser beinhaltet eine Drehung der Kiefer, ein Zurückklappen der Zunge sowie die Ausdehnung der Kehlfalten und des Kehlsacks", sagt Pyenson.

Die Wissenschaftler vermuten, dass bei der Nahrungsaufnahme zunächst Tasthaare am Kinn der Wale registrieren, ob im Wasser eine ausreichend große Nahrungsmenge vorhanden ist. Dann öffnen sich die Kiefer, wodurch es zu Scherbewegungen am sensorischen Organ kommt. Der Kehlsack erreicht schließlich seine volle Größe, wodurch im Inneren des Mauls Zugkräfte entstehen, die über das y-förmige Knorpelgewebe wiederum auf das sensorische Organ übertragen werden.

Die Entdeckung des Organs erkläre zuvor rätselhafte Beobachtungen, die nahegelegt hatten, dass Furchenwale ihr Maul nicht einfach passiv aufblähten wie einen Fallschirm, sondern die Bewegungen genau kontrollierten, sagte Pyenson.

Alle News vom: 24. Mai 2012 Zur Übersicht: Wissen

47 Meinungen zu "Mini-Organ bei Walen entdeckt"

  • MicheloAngelo
    Mittwoch, 15.08.2012, 17:32 Uhr
    Leider nehmen die Wale beim Fressen bzw. beim ausfiltern nicht nur die Nahrung auf sondern auch all den Unrat welcher in den Meeren herumtreibt. (Plastik, Papier Aludosen) Auch bei anderen Fischen kennen wir das Problem. Beim nächsten Fischgericht können wir unseren Abfall wieder verspeisen
  • Lotusknospe
    Dienstag, 17.07.2012, 15:20 Uhr
    @Blubbubb "du benutzt Begriffe für die Tiertötung, die gesellschaftlich einen negativen Tonus besitzen, WEIL sie eben NICHT für Tiertötung, sondern für die Menschentötung stehen(auch wenn du das anders siehts, so bist du dir dessen bestimmt bewusst, dass ein Großteil der Bevölkerung das auch so sieht)." Ja, ebenso wie der Begriff "Mord" erst seit relativ kurzer Zeit auf Handlungen an jedem Menschen zutreffen kann, und nicht - wie es beispielsweise Rassisten noch vor wenigen Jahrhunderten gerne gehabt hätten - nur an Menschen einer bestimmten Hautfarbe oder einer bestimmten ethnischen Herkunft. Dieser gesellschaftliche Wandel vollzog sich zumindest uner Anderem deshalb, weil die Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Herkunft kein sinnvoller Grund ist, jemandes Rechte nicht anzuerkennen - denn wir entscheiden nicht, als welcher Mensch wir geboren werden. Ebenso ist es heute notwendig, darauf hinzuweisen, dass auch bei Misshandlungen an nichtmenschlichen Tieren die Zugehörigkeit zu deren Tierspezies keine Rechtfertigung ist - denn auch sie haben nicht entschieden, nicht zur menschlichen Tierspezies, sondern einer anderen anzugehören. Im Kern sind sich Rassismus und Speziesismus in diesem Punkt sehr ähnlich. "Des Weiteren ist eine bloße Tötung eines lebenden Geschöpfes, keine Misshandlung. Nur wenn diese Tötung mit Qualen Leiden etc. geschieht, ist es eine Misshandlung mit Todesfolge." > Nein, das ist nicht richtig. Wenn ich einen Menschen, bevor ich ihn umbringe, narkotisiere, ist es immer noch eine Tat, die nicht zu rechtfertigen ist. Sie ignoriert völlig, dass derjenige - zu jedem _bewussten_ Zeitpunkt seines Lebens - nicht von mir verletzt oder umgebracht werden will. Mit welchem Recht sehen wir diese Tatsache bei uns selbst als völlig selbstverständlich an, bei nichtmenschlichen Tieren hingegen nicht? Dass nichtmenschliche Tiere oft bei vollem Bewusstsein abgeschlachtet werden, ist für mich nicht Kern der Misshandlung. Es ist eine zusätzlich Grausamkeit, ja - doch die Nichtachtung des Lebensinteresses (oder, wie die äquivalente Bezeichnung für so eine Tat bei einem Menschen lauten würde: "Mord") ist bereits eine schwerwiegende Misshandlung. "Und was das ganze mit dem gefunden Walorgan zu tun hat, ist mir ein Rätsel XD" > Mir auch. :D
  • oOschizoidOo
    Sonntag, 08.07.2012, 14:22 Uhr
    Das haben die JETZT ERST entdeckt oder was? bei sooo viel walfang für die "wissenschaft" und dann haben die sowas pampelmusengroßes noch nicht gesehen?!?
  • Blubbubb
    Donnerstag, 05.07.2012, 10:49 Uhr
    Ich glaub ihr braucht es nicht weiter versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen - hier prallen Prinzipien aufeinander. Aber ich muss tommmer Recht geben: @Lotusknospe: du benutzt Begriffe für die Tiertötung, die gesellschaftlich einen negativen Tonus besitzen, WEIL sie eben NICHT für Tiertötung, sondern für die Menschentötung stehen(auch wenn du das anders siehts, so bist du dir dessen bestimmt bewusst, dass ein Großteil der Bevölkerung das auch so sieht). So ist z.B. eine Leiche ein toter Körper eines Menschen (Tier = Kadaver, Aas etc). Des Weiteren ist eine bloße Tötung eines lebenden Geschöpfes, keine Misshandlung. Nur wenn diese Tötung mit Qualen Leiden etc. geschieht, ist es eine Misshandlung mit Todesfolge. Dass in Dtl. bei der Tiermast ca. 15% der Tieren nicht schmerzfrei getötet werden, ist schlecht, aber deswegen sind es nicht 700 Mio. Tiere die misshandelt werden. Wenn ich also sicher stellen kann, dass ich Tierfleisch esse, welches ohne "Tiermisshandlungen" erzegt wurde, so habe ich mir deswegen nichts vorzuwerfen. Im Kern sagst du ja, dass ich deswegen kein Tier essen darf, weil ich weiß, dass das Tier leben will und nicht für mich sterben. Vor allem deshalb, weil ich Alternativen habe, die z.B. ein Raubtier nicht hat. Dies ist aber ein Knackpunkt, der prinzipieller Natur ist. Die einen möchten Fleisch essen - die anderen können aus genannten Grund drauf verzichten. Die Frage die ich mir noch stelle ist, ob das ein zukunftsfähiges Modell ist. Statt Rinderherden, gibt es Monokulturen. Haustierrassen sterben aus. Große Wirtschaftszweige veröden. Ich glaube, dass für die Erde nur ein gesundes Maß beider Ernährungsweisen möglich ist. Weder zuviel Fleisch, noch zuviel Pflanzen. Und was das ganze mit dem gefunden Walorgan zu tun hat, ist mir ein Rätsel XD
  • Lotusknospe
    Montag, 04.06.2012, 17:59 Uhr
    @tommmer "Meiner Meinung nach lassen sich ethische Werte nun mal nicht auf die Natur anwenden." > Da unsere eigene Tierspezies Teil der Natur ist, tun wir das unentwegt - indem wir untereinander unsere gegenseitigen Interessen wahrnehmen oder nicht wahrnehmen. Wichtig ist, dass hierbei nie ein Wert einem vorher "leeren Objekt" zugesprochen wird - sondern im Gegenteil, durch unsere Interessen bereits einen inhärenten Wert besitzen. Genau wie jedes andere Individuum auf diesem Planeten, das empfindungsfähig ist und Interessen besitzt. "Beim Anwenden dieser Werte auf die Tierwelt oder die Naturvölker ergeben sich Unmengen an Widersprüchen, von denen ich die genug aufgezählt habe" > Welche "Widersprüche" sollen das sein? "Diese damit zu erklären das diese ihr Verhalten nicht reflektieren können, ist doch nur ein schwacher Versuch die Theorie zu retten." > Mir ist nicht klar, was Du als "Widerspruch" betrachtest. Was ich erwähnt hatte, war, dass die Handlungen derjenigen Tiere, die nicht über das Reflektionsvermögen verfügen, die Interessen eines anderen empfindsamen Lebewesens überhaupt wahrzunehmen, auch nicht als "ethisch verwerflich" bezeichnet werden können. Das wird auch deutlich an einigen Mitgliedern unserer eigenen Tierspezies, Kleinkindern beispielsweise, deren Handlungen nicht in diesem Sinne bewertet werden können.
  • tommmer
    Montag, 04.06.2012, 17:15 Uhr
    "Du bist ein Tier, schon durch Deine Interessen besitzt Du ethische Rechte..." "...genausowenig, wie das Interesse jemanden zu vergewaltigen, das Interesse, nicht vergewaltigt zu werden, "aufheben" kann" Der Knackpunkt, wieso wir auf keinen Nenner kommen, ist die Trennung von Natur und Ethik. Beide obigen zitate verdeutlichen das du beides vermischt. Meiner Meinung nach lassen sich ethische Werte nun mal nicht auf die Natur anwenden. Das eine kleine Gruppe der zivilisierten Gesellschaft dies dennoch tut, macht es nicht richtiger. Beim Anwenden dieser Werte auf die Tierwelt oder die Naturvölker ergeben sich Unmengen an Widersprüchen, von denen ich die genug aufgezählt habe (google mal " Vergewaltigung im Tierreich"). Diese damit zu erklären das diese ihr Verhalten nicht reflektieren können, ist doch nur ein schwacher Versuch die Theorie zu retten.
  • Lotusknospe
    Montag, 04.06.2012, 12:13 Uhr
    @tommmer "diese "eignene" werte kämen zu den gesellschaftlichen dazu und dürfen diese nicht verletzen. Das ist sozusagen der "Mindeststandard", die eigenen kommen dann obendrauf." > Dieser "Mindeststandard" schützt in manchen Gesellschaften nur Menschen eines Geschlechts, in anderen nur die einer sexuellen Orientierung, in anderen nur die einer Religion. Oft sind diejenigen, die zufällig die "richtigen" Qualitäten besitzen, solchen "gesellschaftlichen Werten" wohlgesonnen - sie selbst haben schießlich wenig zu befürchten. Ebenso verachtend verfährt der Speziesismus: nicht wenige Menschen unserer Gesellschaft, welche die Misshandlung von nichtmenschlichen Tieren weiter systematisch betreiben wollen, sind wohl Menschenrechten nicht abgeneigt, es sind schließlich Rechte, die vorteilhaft für sie selbst sind. Solange dieser "Mindeststandard", meinetwegen auch ein gesellschaftliche Verfassung, nicht die ethischen Rechte eines jeden Tieres schützt - unabhängig seiner Spezies - ist sie das Papier nicht wert, auf dem sie steht. ""Misshandlung von Tieren" Hier vermischt du schon wieder Natur mit Gesellschaft." > Nein nicht im Geringsten. Du bist ein Tier, schon durch Deine Interessen besitzt Du ethische Rechte. Dass Du darüber hinaus einer menschlichen Gesellschaft angehörst, ist dabei irrelevant - unsere ethischen Rechte besitzen wir nicht aufgrund irgendeines Papierstückes, sondern aufgrund genau dieser Interessen. "Zugegeben die Interessen des Beutetieren werden dabei verletzt (du meinst Selbsterhaltung, oder?) dafür wird aber das (natürliche, nicht gesellschaftliche!) Interesse des Jägers befriedigt. Das hebt sich dann wieder auf." > Nein, genausowenig, wie das Interesse jemanden zu vergewaltigen, das Interesse, nicht vergewaltigt zu werden, "aufheben" kann. Es gibt Interessen, darunter das auf Unversehrtheit, die so elementar für unsere psychische und körperliche Gesundheit sind, dass sie nicht verletzt werden dürfen. "Das töten von tieren zum Zweck der Nahrungsaufnahme ist keine Misshandlung." > Natürlich ist die Missachtung des Lebensinteresses eines menschlichen oder nichtmenschlichen Tieres eine Misshandlung. Das ist zumindest einigermaßen verständlich wenn der so handelnde Mensch das tut, um selbst zu überleben - die ethischen Rechte des Opfers werden dabei dennoch verletzt. Umso schlimmer ist dies, wenn der "Zweck der Nahrungsaufnahme" nicht einmal die Selbsterhaltung ist, sondern weil ein Mensch nur seine eigenen Interessen, nicht aber die eines anderen Tieres als achtenswert betrachtet.
Services
Asteroid 2012DA14

Es liefert in Quasi-Echtzeit Daten über Bewegungen im Sonnensystem. >

Raubsaurier hackte wie Falke

Der Allosaurus war weit mehr als eine kleinere Version von T. Rex. >

Wunder oder Baum?

"Stille spirituelle Revolution": Esoterik laut Umfrage auf dem Vormarsch. >


Internet Made in GermanyWEB.DE 2013 - Marke des JahrhundertsIhr WEB.de-Postfach ist grünWeb.de unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Mini-Organ bei Walen entdeckt. Ein pampelmusengroßer Sensor hilft den Riesen beim Fressen.