Keulen der Fangschreckenkrebse im Crashtest
Wie die Keulen selbst die gewaltigen Schläge unbeschadet überstehen, haben Forscher aus Singapur und den USA nun herausgefunden: Demnach bestehen sie aus mehreren Schichten, deren Aufbau so optimiert ist, dass die Energie des Aufschlages gedämpft und entstehende Risse gebremst werden. Dies berichten die Forscher im Fachblatt "Science".
Die Clown-Fangschreckenkrebse (Odontodactylus scyllarus) leben im tropischen Indopazifik. Die meiste Zeit verstecken sich die bunt schillernden Tiere mit den großen Stielaugen in Felsspalten oder in ihren Höhlen im Sand. Sie sind Einzelgänger und gelten als sehr aggressiv. Bei Bedarf können die Tiere ihre unter dem Körper zusammengefalteten Fangarme blitzschnell hervorschleudern, um mit den keulenartig verdickten Ende auf ihre Opfer einzuhämmern. Sie beschleunigen die Keulen dabei quasi aus dem Stand auf 23 Meter pro Sekunde - das sind 83 Kilometer pro Stunde. Die Keulen selber überstehen auch wiederholte Schläge weitgehend unbeschadet. Sie werden nur bei der regelmäßigen Häutung der Krebse erneuert.
James Weaver von der Harvard University (Cambridge/US-Staat Massachusetts) und seine Mitarbeiter untersuchten die Keulen nun unter anderem unter dem Elektronenmikroskop, um herauszufinden, worauf ihre extreme Widerstandsfähigkeit beruht. Es zeigte sich, dass die Keulen aus drei unterschiedlichen Schichten aufgebaut sind: Die Aufschlagfläche ist stark mineralisiert und besteht zum größten Teil aus kristallisiertem Hydroxyapatit. Dies erhöht zwar die Härte der Aufschlagfläche, würde sie aber normalerweise auch sehr brüchig machen. Aus diesem Grund sind die regelmäßig angeordneten Hydroxyapatit-Kristalle von dünnen Schichten der Zuckerverbindung Chitosan getrennt. Entsteht beim Aufschlag ein Riss, wird er an diesen Schichten gestoppt.
Unter der harten Aufschlagfläche befindet sich eine zweite Schicht aus einem stapelartig angeordnetem, organischem Material namens Chitosan. Die Chitosan-Fasern sind in verschiedenen Richtungen angeordnet, was dazu führt, dass ein entstehender Risse immer wieder umgelenkt wird und seine Ausbreitung so verhindert wird. An den Seiten der Keulen befindet sich schließlich einen dritte Schicht, die ebenfalls etwas weicher ist als die Aufschlagfläche und die Energie eines Aufschlages dämpft.
7 Meinungen zu "Krebs-Keulen im Crashtest"
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hutzla
Dienstag, 07.08.2012, 13:47 Uhr ...für unsere Rechtschreibungsschützer: " nicht`s " entschuldigung... -
hutzla
Dienstag, 07.08.2012, 13:44 Uhr @ FaceplamX ...ich bin ja auch Deiner Meinung und begeistert von dem Thema, aber WER will überhaupt etwas langlebiges herstellen... ich bin mir sicher das man schon heute vieles haltbarer-umweltfreundlicher-billiger-...und... und ...und...herstellen könnte. Versucht das einer...wird er sofort von einer riesigen Lobby erdrückt! Es nützt das beste Forschungsergebnis nicht, wenn es dann in einer Schublade verschwindet! -
Puma1949
Freitag, 08.06.2012, 15:24 Uhr Guter Artikel! Die Chitosan-Fasern waren mir bekannt, nicht jedoch, dass sie verschieden ausgerichtet sind. Der Hydroxyapatit dazwischen auch nicht, war aber klar, dass da irgendwas Kalkhaltiges für die Härte sorgen muss. Oder es auch wieder nicht tut, wenn den Tieren der Kalk herausgelöst wird, vielleicht durch zu saures Wasser. Stutzig gemacht hat mich der Apatit an sich. Als isolierter Kristall ist es ein Stein in vielen schönen Farbvarianten. Sorgt der womöglich teilweise für die herrlichen Farben dieser Tiere? Fortsetzung bitte! Danke! -
Solifuga
Freitag, 08.06.2012, 15:00 Uhr "Und für alle die gleich wieder ankommen und fragen wieso man für sowas Geld ausgibt und nicht für die Krebsforschung oderso" Wieso; es ist doch Krebs-Forschung...? ;)) *duck und weg* -
Dagstab
Freitag, 08.06.2012, 14:28 Uhr Ich hätte es jetzt auch eher den Illuminaten zugeschrieben ... -
Hammelbams
Freitag, 08.06.2012, 12:59 Uhr klar, erstmal alles der evolution zuschreiben..... -
FaceplamX
Freitag, 08.06.2012, 12:35 Uhr Da sieht man mal wieder dass die Natur mit millionen von Jahre Evolution Gebilde hervorbringen kann, die selbst modernster Technik überlegen sind. Wenn wir jetzt noch lernen das ganze für unsere Zwecke zu nutzten, werden wir Menschen hoffendlich mal etwas rücksichtsvoller mit unserem Wunderwerk namens Erde umgehen. Und für alle die gleich wieder ankommen und fragen wieso man für sowas Geld ausgibt und nicht für die Krebsforschung oderso: Mit diesem Wissen wäre es in einigen Jahren durchaus möglich verschleißfrei und hochbeständige Alltagsgegenstände herzustellen. Bionik ist schon was feines.
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