Im Schaufenster hängt eine übermenschlich große, nackte Frauensilhouette. Daneben lächelt ein makelloses Gesicht. Keine Falten und nicht die Spur schlaffer Haut. Natürlich nicht, denn der Schönheitssalon im Berliner Westen, der so wirbt, bietet eine "Flatrate gegen Falten" für etliche Hundert Euro im Jahr und "Botox to go" für die Eiligen.
"Wussten Sie, dass für Botulinumtoxin jedes Jahr mindestens 600.000 Mäuse sterben", fragt die Reporterin. "Das habe ich noch nie gehört", sagt Doris Gunschel. Sie arbeitet schon etliche Jahre in dem Berliner Schönheitssalon.
Die Tiere ersticken "unter schweren Qualen" nach drei bis vier Tagen des Siechtums, schreibt das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung. Manche Mäuse erblinden zuvor, weil der Augenmuskel versagt. Und das nur, weil Botox das stärkste Gift der Welt ist und Menschen umbringen könnte, wenn es nicht immer wieder aufs Neue zuvor getestet wird.
Zahl der Tierexperimente steigt unaufhörlich
Seit die Verkaufszahlen für Botulinumtoxin explodieren, steigt die Zahl der Tierexperimente unaufhörlich. Immer mehr Ärzte spritzen Zornesfalten und Krähenfüße glatt. Und andere Ärzte wenden die Substanz gegen Schiefhals, Lidzucken, Muskelschmerzen und die Parkinsonsche Krankheit an. Rund die Hälfte der Behandlungen sind kosmetischer Natur. Zwar sind Tierversuche für Kosmetika in der EU verboten. Aber Botox gilt rechtlich als Arzneimittel. Deshalb sterben viele Tiere nur für den Jugendwahn.
Das Dilemma ist Managern, Wissenschaftlern und Fachpolitikern seit einem Jahrzehnt bekannt. Doch erst vergangenen Sommer tauchte so etwas wie eine Lösung des Problems auf. US-Hersteller Allergan gab unerwartet bekannt, die Zulassung für einen tierfreien Test in den USA in der Tasche zu haben. Im Frühjahr 2012 haben auch die europäischen Behörden den Test anerkannt.
Ende der Tierquälerei leider nicht in Sicht
Tierschützer hoffen seither auf ein Ende der Tierquälerei. "Laut Tierschutzgesetz dürfen Tierversuche nicht durchgeführt werden, wenn es eine tierversuchsfreie Methode gibt", so der Verein "Ärzte gegen Tierversuche". Allergan produziere jetzt tierversuchsfreie Chargen für den amerikanischen und europäischen Markt, glaubt der Verein. Das Unternehmen selbst gibt auf mehrfache Anfrage kein Interview. Ist der Botox-Tierversuch nun tatsächlich Geschichte?
Es ist kein Geheimnis, dass Allergan auch nach Asien liefert. Die Zulassungsbehörden dort haben den tierfreien Test bisher jedoch nicht anerkannt. Solange kommt das Unternehmen um den Tierversuch nicht umhin. Jedes Land hat seine eigenen Standards. Das bremst den Ersatz von Tierversuchen seit Jahren stark aus.
In China zählt Tierschutz nichts
Corina Gericke, Tierärztin und Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche, berichtet: "In den Schwellenländern zählt Tierschutz leider gar nichts. In China traut man nicht einmal den Versuchsergebnissen aus US-Labors. Alle Tests müssen in dem Land noch einmal an Tieren gemacht werden."
Allergan trägt jedoch seinen Part dazu bei, dass der Mäusetest nicht sofort allerorten weichen wird. Die tierfreie Methode ist patentiert, und die Details sind nicht einmal ausgewiesenen Experten bekannt. Toxikologe Manfred Liebsch ist am Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung dafür zuständig, dass Tierversuche neuen Ersatzmethoden weichen. Doch nicht einmal er weiß, wie der Test funktioniert, lediglich, dass es an Zellen praktiziert wird, vermutlich Neuroblastomzellen - Tumorzellen des Nervensystems.
Entwicklungskosten für den Test sollen sich auszahlen
65 Millionen US-Dollar hat Allergan die Entwicklung des tierfreien Tests gekostet. "Das soll sich auszahlen, deshalb macht das Unternehmen den nicht frei zugänglich, obwohl das im Sinne des öffentlichen Interesses wäre", erklärt der Tübinger Anästhesiologe Bernd Antkowiak, der selbst an einem Ersatztest forscht. Konkurrenten können den tierfreien Sicherheitscheck nur mit einer Lizenz anwenden. Ob Allergan eine solche Erlaubnis erteilt, ist nicht bekannt. Doch selbst wenn, erwartet Liebsch in den nächsten zwei bis drei Jahren kein Ende der Tierversuche.
Das hat mit der Logik der Zulassungsbehörden zu tun. Für die ist der Test an Mäusen das Maß aller Dinge. Bei diesem LD50-Test spritzen Toxikologen Botulinumtoxin in verschiedenen Dosen in die Bauchhöhle der Nagetiere. Anhand der Zahl der verendeten Mäuse legen sie fest, welche Dosis wirksam, aber nicht gefährlich ist. Das sei notwendig, "weil der Grat zwischen wirksam und giftig bei diesem extrem starken Gift ganz, ganz schmal ist", erklärt Liebsch.
"Im schlimmsten Fall können Patienten Lähmungen bekommen." Botulinumtoxin ist außerdem auch noch ein fragiles Protein, das sich zersetzen kann. Deshalb müssen die Hersteller den LD50-Test alleine im ersten Jahr nach Herstellung sechs Mal wiederholen. Jedes Mal werden mindestens Hundert Tiere benötigt, liest man. Die tatsächlichen Zahlen halten die Hersteller unter Verschluss.
Enorm hohe Anforderungen an Alternativtests
"Jede Ersatzmethode muss sich am Tierversuch messen", formuliert Liebsch das Mantra der Zulassungsbehörden. In einer jahrelangen Prozedur muss der Alternativtest mindestens ebenso gute Ergebnisse bringen wie das Experiment an Mäusen. Aus Vorsicht und Konservatismus stellen die Behörden enorm hohe Anforderungen an jeden Alternativtest, wohingegen der Tierversuch Bestandsschutz genießt. Das macht es den Alternativen schwer.
Denn ein anderer Test bringt naturgemäß andere Erkenntnisse, ist Ausdruck einer anderen Betrachtungsweise. "Das heißt nicht, dass er deshalb zwangsläufig schlechter ist", verteidigt Antkowiak. "Die Anforderung an einen guten Test kann nicht sein, dass er den LD50 eins zu eins ersetzt. Das ist zu einfach gedacht", kritisiert er.
Er ist nicht der Einzige, der es falsch findet, den Tierversuch zum Goldstandard zu erheben. Tierärztin Gericke geht noch weiter: "Immer wieder sind Menschen nach einer Botoxspritze gestorben - trotz LD50-Test. Dieser Test gaukelt eine Sicherheit vor, die er nicht bietet."
Tierfreier Test soll verlässlicher sein
Liebsch räumt Schwächen des Tierexperiments ein. Ein Drittel der Botoxproduktion "müssen die Hersteller wegwerfen, auch, weil dieser Ungenauigkeiten beinhaltet." Sind die Mäuse unterschiedlich alt oder bekommen unterschiedliches Futter, klaffen die Ergebnisse auseinander. Und der tierfreie Test von Allergan soll angeblich sogar verlässlicher sein als der an Mäusen.
Und trotzdem vertreten die Behörden den Standpunkt, dass alle Hersteller, die eine Lizenz für den Allergantest erwerben, diesen nochmals prüfen müssen. Sie müssen in Studien belegen, dass er auch bei ihren Produkten mindestens so gut ist wie der Test an Mäusen.
"Die Herstellungsverfahren sind verschieden und die Botulinumtoxine jeweils unterschiedlich zusammen gesetzt", erklärt Liebsch. Zehn Jahre hat dieser Nachweis bei Allergan gedauert. Selbst wenn Konkurrenten also eine Lizenz kaufen, werden viele Jahre vergehen, bis sie mit dem tierfreien Test arbeiten dürfen.
Kein Geld von der Pharmaindustrie
Bernd Antkowiak ist einer der wenigen Forscher in Deutschland, der an einer frei verfügbaren Ersatzmethode für den Test an Mäusen arbeitet. Von der Pharmaindustrie hat er bisher keinen Cent bekommen. Vielmehr hat ihn die Bundeswehr unterstützt. Da Botulinumtoxin eine biologische Waffe ist, braucht sie einen Test, aus dem sie abzuleiten kann, wie viel Gegengift sie Soldaten im Falle einer Vergiftung geben muss.
Antkowiak entnimmt dafür Zellen aus dem Rückenmark von Mäusen. Im Reagenzglas züchtet er daraus Neuronen, die mit Muskelzellen in Kontakt treten. Da Botox an der Schaltstelle zwischen Neuron und Muskelzelle wirkt und dort die Acetylcholinfreisetzung blockiert, kann Antkowiak der Substanz quasi bei ihrer molekularen Verrichtung zusehen. Allerdings kommt sein Verfahren nicht ohne Tiere aus. Aus einer Maus kann er 50 bis 75 Zellkulturen isolieren.
Verzicht auf Patent
Seine Methode wäre damit lediglich eine tierschonendere Alternative zum LD50-Test. Aber: "Ein Patent kommt für mich nicht in Frage. Ein Alternativtest ist eine Sache von übergeordnetem Interesse", betont Antkowiak. Doch es sieht nicht gut aus für seine ehrenwerte Mission: "Derzeit arbeitet nur ein Mitarbeiter an dem Projekt. Wenn kein weiteres Geld kommt, muss es eingestellt werden."
Es dauert weit über ein Jahrzehnt, bis ein tierloser Test soweit erforscht und überprüft ist, dass ihn die Behörden im besten Fall anerkennen. Seit den neunziger Jahren hat die EU knapp ein Dutzend tierfreier oder tierschonender Alternativmethoden akzeptiert. Es ist ein schleichender, ein mühsamer Verdrängungsprozess.
Bei Doris Gunschel wartet schon ein Kunde. "Diese Tierversuche erschrecken mich nicht", sagt sie mit monotoner Stimme und fragt mit routinierter Höflichkeit: "Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?"
44 Meinungen zu "Todeskampf für Botox-Wahn"
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Spiegelneuron
Freitag, 12.04.2013, 12:19 Uhr Hallo, in dieser Sache geht es nicht nur um den Tierschutz bzw. um den Schutz der Mäuse, sondern vor allem um ethische Dinge, ich bin kein Vegetarier aber ich hasse auch Mäuse nicht so sehr, dass ich Ihnen so einen qualvollen Tod wünsche -es sind schließlich Lebewesen und wenn sie von der Katze gefangen und gefressen werden, dann ist das ein natürlicher Tod -aber wo fängt denn bei Ihnen der Tierschutz an -bei dem Meerschweinchen, der Katze, Schwein, Rind, ...oder erst beim Menschenaffen? -für viele der hier Kritisierten hört doch die Grenze nicht mal beim Menschen auf, wenn es Gewinn und Macht bringt und nicht reglementiert würde!!! und daaas ist das Bedenkliche und es ist nicht notwendig! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man Patente anders organisieren muss -prinziepiell ist Forschung eben wegen dieser Vorgänge nur öffentlich-rechtlich wirklich sinnvoll, damit auch die Nutzung möglichst ethisch sauber funktionieren kann, das Meiste wird ja eh öffentlich finanziert (Grundlagenforschung z.B oftmals) da sollte der Gewinn also auch öffentlich-rechtlich sein -finden Sie nicht? Dann wären die Arzneimittel bestimmt mehr als die Hälfte billiger und auch Entwicklungsländer könnten sich diese leisten -das was z.Z. geschieht ist Irrsinn, weil teilweise nur die gefundenen Pflanzen von Naturvölkern, die diese schon Jahrhunderte benutzen als Heilpflanzen oder als Nahrung verwenden und jetzt müssten sie dafür bezahlen, zum runden Geburtstag von Händel hatte sich ein Geschäftstüchtiger den Namen des Komponisten patentieren lassen und wollte nicht nur von Halle Gebühren für die Verwendung des Namens!!! -->um solches Schindluder geht es hier! Stellen Sie Sich bitte vor, jemand patentiert Ihren Familiennamen -dann müssen Sie für die Verwendung zukünftig bezahlen und die Gebühr legen nicht mal Sie fest! -Viel Spass! Es ist einfach zu sagen, die Maus geht mich nichts an, überlegen Sie bitte, es gibt auch Menschen, die um des Profitts willen sagen Ihr persönliches Leid geht mich nichts an und das kommt öfter vor, als Sie denken -->darum geht es hier eigentlich!!! LG. -
Aara
Donnerstag, 22.11.2012, 13:48 Uhr Tierschutz hin und Tierliebhaber her; muss auch Grenzen damit mal geben. Ich habe nichts dagegen, dass Mäuse als Versuchskaninchen fungieren, diese gibts in Überzahl und als Plage etc. Und wenn ich den einen oder anderen Beitrag so lese, meine Güte, dann frag ich diese Veganer, Vegetarier und Tierfreunde, was gibt ihr Euren Tieren(Hunden z.b.) zu futtern, nur Salatblätter und nur Rohkost? Das wäre für mich Tierquälerei. Sodele, Daumen runter und schönen Tag noch. Jeder hat halt dazu seine eigene Meinung. -
Harry1972
Freitag, 16.11.2012, 07:42 Uhr @ ichhoffeeswirdbesser Da sind wir ja weitgehend einer Meinung. Ich kann diese ganzen Ausreden auch nicht hören. Ob es nun der Verweis auf Schwindel im Biosegment ist oder die eigene umwelttechnische Unvernunft, die damit gerechtfertigt wird, daß es ja andernorts viel schlimmere Dinge gebe, gegen die auch nicht vorgegangen wird. Trotzdem kaufe ich zum Beispiel meine Äpfel am liebsten bei einem Obsthofbetreiber in der Nähe, der seine Äpfel zwar auch spritzt, jedoch locker 20 oder 30 Sorten anbaut, die man in der Vielfalt in keinem Supermarkt antrifft. Was die Eier angeht, so denke ich nicht, daß sich Reste von Antibiotika darin finden, denn ein Familienmitglied reagiert höchst empfindlich auf bestimmte Antibiotika und es bleibt ihm vorallem bei Fleisch der Bissen regelrecht im Halse stecken, wenn da Rückstände drin sind. Bei Eiern oder Eierspeisen ist das noch nie vorgekommen. -
ichhoffeeswirdbesser
Donnerstag, 15.11.2012, 12:50 Uhr @ Harry1972 (S 6) Ich hatte mit dem totschlagargument auch nicht Sie gemeint, aber das allerwichtigste um etwas zu tun (egal was es ist), ist es zu wollen. Und dieses Totschlagargument ist eben nur eine Ausrede um es nicht zu tun. Zum Thema gesundes BIO: Natürlich ist BIO von den Inhaltsstoffen nichts anderes als "konventionelles" Gemüse (es sei denn Monsanto schafft ein "gepimptes" Gemüse das extra viel spurenelemente enthält oder so, dann hat BIO ja sogar weniger. Ob das dann besser ist steht auf einem anderen Blatt). Der Vorteil von BIO ist (wie Sie schon schrieben) eben der geringere Gehalt von Schadstoffen. Auch hier ist es wieder am Verbraucher sich zu Informieren. Nicht jeder BIO muss zwangsläufig gut sein. Es gibt aber zum Beispiel BIO-Verbände wie BIOLand oder besser Demeter. Die beaufsichtigen die erzeugenden Betriebe recht streng und die Betriebe müssen sich auch Vertraglich zu den vom Verband vorgeschrieben Regeln verpflichten. Bei Verstoß drohen empfindliche Strafen und der Ausschluss aus dem Verband. Diese strengere Kontrolle kostet natürlich zusätzlich Geld. Da muss jeder selbst entscheiden wieviel ihm die zusätzliche Sicherheit Wert ist. Diese Verbände sorgen aber auch dafür, dass althergebrachte Gemüse und Obst-Sorten erhalten bleiben und nicht durch Industrie-Varianten die nicht selbst vermehrt werden können verdrängt werden. Die konventionelle Landwirtschaft ist schon sehr abhängig von den Saatproduzenten geworden. In der BIO-Landwirtschaft ist die Überdüngung auch weit weniger ein Problem als im konventionellen Landbau, weil bei BIO-Verbänden keine Jauchedüngung erlaubt ist. Und ich bin voll auf Ihrer Seite, wenn Sie schreiben, dass eine gesunde Ernährung auch ohne Bio möglich ist, aber im konventionellen Landbau gibt es einige Zustände, die ich für mich nicht akzeptiere. Z.B. habe ich bei bekannten konventionellen Parika (roh) gegessen um mir ist dabei mein Zäpfchen so weit angeschwollen, dass es in den Rachenraum hinein hing. Nicht Lebensbedrohlich, aber unangenehm. Bei BIO-Paprika ist mir das noch nicht passiert. Auch würde ich konventionelle Äpfel immer schälen, da sie in ihrem Wachstum bis zu 21 mal gespritzt werden, von den Citrusfrüchten mal ganz zu schweigen. Bei denen steht ja schon drauf, dass die Schale nicht zu geniessen ist. Bei den Eiern weiss ich jetzt nicht, ob die Antibiotika, die den Hühnern da verabreicht werden sich nicht auch in den Eiern anreichern, aber bei hier bin ich schon wegen der Haltungsbedingungen für Bio. Alles in allem stimme ich Ihnen zu, wenn man sich informiert kann man auch ohne Bio gesund leben, aber Bio (im eigentlichen Sinne ohne die Betrüger) ist auch mehr als nur gesund, es ist auch etwas fairer für die Erzeuger (deren Arbeit bleit trotzdem eine plackerei und ich bin denen dankbar das die das für mich tun) und Nachhaltiger. Wenn man die bis in alle Ewigkeit so machen würde, gäbe es nach meiner Meinung nicht irgendwann einen Kollaps der Umwelt. Jeder sollte sich überlegen was ihm das Wert ist. -
Harry1972
Mittwoch, 14.11.2012, 16:07 Uhr @ ichhoffeeswirdbesser Ähmm...ich habe das Argument "Siehste, Bio ist auch nur Dreck" nicht einmal ansatzweise angedeutet sondern gesagt, daß viele Verbraucher verunsichert sind, ob sie bei teurer Bioware nicht doch über's Ohr gehauen werden und dann lieber zu konventionell produzierten Lebensmitteln greifen. Das ist ein ganz anderer Schuh als zu sagen, daß Bio generell sinnlos ist. Nahrung ist unser Treibstoff, da hast Du völlig recht. Doch ist es ein Mythos, daß Biolebensmittel per se gesünder sind oder sogar mehr wertvolle Inhaltsstoffe bieten als konventionell hergestellte Lebensmittel. Zumindest bei pflanzlichen Lebensmitteln liegt der große Vorteil von Bio darin, daß weniger Chemie in die Umwelt gelangt. Die zubereitete Möhren oder Kartoffeln unterscheiden sich später jedoch nicht voneinander, ob nun Bio oder nicht. Gesunde Ernährung hat auch nichts mit Bio zu tun sondern eher mit einer auf das Individuum angepassten Ernährung, was Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate angeht und natürlich die Qualität der Lebensmittel. Klar, wer sich massenhaft Margarine und Zucker reinhaut, lebt weniger gesund als jemand, der hochwertige Fette verbraucht und auf Unmengen von Zucker verzichtet. Ob aber ein Ei vom Biohuhn stammt oder vom KZ-Huhn, ist ernährungsphysiologisch völlig wumpe, da gibt es nur Unterschiede im Geschmack. -
ichhoffeeswirdbesser
Mittwoch, 14.11.2012, 14:47 Uhr @ Harry1972 (S 6) Ist schon richtig, dass bei Lebensmitteln geschummelt wird (wie in so vielen anderen Bereichen auch) Aber die Aussage: "Siehste, Bio ist auch nur Dreck" (jetzt mal überspitzt ausgedrückt) ist häufig nur die Argumentationshilfe um sich nicht um ordentliche Nahrungsmittel kümmern zu müssen. Nahrungsmittel sind unser Treibstoff und das, aus dem wir unsere Gesundheit beziehen. Doch viele sehen gerade diesen Aspekt nicht. Hauptsache der Wams ist voll kann es wohl auch nicht sein oder? Ordentliche Ernährung ist sicher nicht im Handumdrehen getan, da muss man sich auch informieren. Aber das finde zumindest ich wichtiger als Entertainment. Zu den Grünen: Ja das sind jetzt auch Politiker und sind wohl ihren Idealismus losgeworden, aber für meinen Geschmack haben die noch am ehesten die Richtung, die ich akzeptieren kann. Kein Raubtier-Kapitalismus, kein für alle das gleiche Gehalt. Und wenn man sich ansieht, wie mit der Natur umgegangen wird, dann bin ich der Meinung, die braucht dringend eine bessere Lobby. -
AeonsAheadOfYou
Mittwoch, 14.11.2012, 09:24 Uhr Die Bedingung für die Erteilung eines Patents ist es, daß alle Details des Patents veröffentlicht werden. So sind Patente überhaupt erst entstanden. Das Gegenteil davon ist ein Betriebsgeheimnis, also Vertraulichkeit des Verfahrens ohne rechtlichen Schutz gegen Nachahmer. Ein Patent ist Öffentlichkeit des Verfahrens mit rechtlichen Schutz gegen Nachahmer. In sofern kann der Text eigentlich nicht korrekt sein. Natürlich ist das faschistische Imperium dafür bekannt, das mehr oder weniger perverse Patentrecht noch weiter zu pervertieren (Patente auf Leben, Biopiraterie, Softwarepatente, Wirtschaftsspionage mit Echelon, geheime Patente unter dem Vorwand der "nationalen Sicherheit", patent trolling, Patentierung bereits bekannter Verfahren wie zB bei Apple, etc.).
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