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06.08.2012, 16:55 Uhr

"Curiosity", unersättliche Neugier des Menschen

in Kooperation mit DIE WELT

"Curiosity" ist weich gelandet. Doch was ist mit allem Hunger auf der Welt, mit Kriegen und dem Wassermangel? Der Mars-Rover löst keines der irdischen Probleme. Und doch ist er wichtig.

Von Norbert Lossau

© Zoomin

Congratulation Nasa! Die geglückte Landung des Marsrovers "Curiosity" ist eine fantastische Leistung – ein technisches Meisterwerk, das den Wissenschaftlern ganz neue Möglichkeiten der Erforschung des Roten Planeten eröffnet. Präsident Barack Obamas Wissenschaftsberater John Holdren, der die Landung von "Curiosity" im Nasa Kontrollzentrum live mitverfolgte, sagte ganz zurecht: "In der Weltraumforschung ist das ein enormer Schritt nach vorne."

Der Name des Forschungsrovers ist Programm. "Curiosity" bedeutet Neugier – und es ist die unersättliche Neugier des Menschen, die mit dieser Mission ein Stück weit gestillt werden kann. Gab es auf dem Mars einst Flüsse und Meere? Gab es auf dem heute unwirtlichen Planeten einmal Lebensformen? Existieren vielleicht in ökologischen Nischen noch heute exotische Bakterien?

Es liegt in der Natur des Menschen zu fragen, und wenn technisch irgend möglich Antworten auf diese Fragen zu finden. Der gesamte wissenschaftlich-technische Fortschritt basiert letztlich auf diesem Prinzip: Wer suchet, der findet.

Relevanz für konkretes Leben

Natürlich werden in diesen Tagen nicht wenige Menschen kritisieren, dass die von "Curiosity" zu erwartenden Erkenntnissen für das konkrete Leben der Menschen keine Relevanz hätten. Löst es irgendeines der irdischen Probleme, wenn man weiß, ob es auf dem Mars Leben gibt oder gab, fragen sie.

Wer mit diesem Totschlagargument argumentiert, verkennt die Mechanismen des wissenschaftlichen Fortschritts. Grundlagenerkenntnisse lassen sich in aller Regel nicht sofort in der Praxis zum Wohle der Menschen nutzen. Doch ohne dieses Basiswissen sind technische Innovationen eben nicht möglich.

Manchmal vergehen viele Jahre oder Jahrzehnte, bis aus einer Erkenntnis eine Hilfe für den Menschen erwächst. Kein Zeitgenosse von Albert Einstein – und auch er selber nicht – hat vorausgesehen, dass die abstrakten Formeln der Relativitätstheorie einmal benötigt werden würden, um Navigationssysteme für Autos bauen zu können.

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Forschungsleistungen unserer Großväter

Auch die wissenschaftlichen Grundlagen für Handys oder Fernseher wurden vor mehr als 100 Jahren erforscht. Bei vielen technischen Innovationen dieser Tagen profitieren wir noch von den Forschungsleistungen der Großvätergeneration. Daran sollte man denken, wenn man über die Fördermittel für heutige Grundlagenforschung diskutiert.

Welche Erkenntnisse uns "Curiosity" bescheren wird, weiß im Moment noch niemand. Doch dieser Rover wird unseren Erkenntnishorizont erweitern.

Und auch ohne unmittelbaren technologischen Nutzen, hat die Nasa-Mission auch einen immensen kulturellen Wert. Das woher, warum und wohin des Universums und des Lebens verstehen zu wollen gehört zum Masterplan des Menschen. Wenn der Mensch diese Neugier verlieren sollte, wäre dies das Ende seiner Evolution.

Die 2,5 Milliarden Dollar, die die "Curiosity"-Mission kostet, sind also am Horizont der Erkenntnis gut angelegtes Geld. Wenn man diesen Betrag mit jenen dreistelligen Milliardenbeträgen in Relation setzt, die regelmäßig bei Börsencrashs verbrannt werden oder sich in irgendwelchen Euro-Rettungsschirmen mit fraglicher Wirkung dematerialisieren, dann erscheint er doch fast schon wie eine Summe aus der Portokasse.

Überraschen lassen

Wichtig ist nun, dass die ganze Menschheit an dieser Mars-Mission der Nasa teilhaben kann und Zugang zu den Bildern, Eindrücken und Erkenntnissen aus einer fernen Welt erhält. Doch es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sowohl die Nasa aber auch die europäische Esa die "Olympischen Spiele der Wissenschaft" auf dem Mars in den kommenden Wochen und Monaten mit großer Kommunikation und Livestreaming begleiten werden.

Bleibt nur, der Mission viel Erfolg und Glück zu wünschen. Denn bekanntlich kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, das die Mission zu einem vorzeitigen Ende bringt. Doch das ist Teil des Abenteuers.

Sie können sich auf dieses Abenteuer einlassen, wenn Sie mögen. Lassen Sie die Gedanken zum Mars schweifen und sich davon überraschen, was "Curiosity" entdecken wird. Die vernetzte Welt ermöglicht in diesem Sinne Forschung für jedermann.

© DIE WELT

Alle News vom: 6. August 2012 Zur Übersicht: Wissen

445 Meinungen zu "Warum "Curiosity" wichtig ist"

  • hoerbell
    Samstag, 11.08.2012, 11:09 Uhr
    So sinnlos die bemannte Raumfahrt außerhalb des Erdorbits ist, umso wichtiger ist die Raumfahrt die auf Robotik beruht. Deshalb ist Curiosity wichtig.
  • fd17
    Samstag, 11.08.2012, 09:41 Uhr
    @Kladieb1 (S.63): "Der Vergleich mit der Relativitätstheorie hinkt" - worauf beziehst Du Dich da?
  • Fine
    Freitag, 10.08.2012, 17:40 Uhr
    @Galois ok, die "curiosity" wird wohl nicht zur erde zurückkehren. aber proben sollen doch entnommen werden. wo sollen die hin? sicher doch zur erde (auf welchem wege auch immer)? da hätten wir sie schon mal da, sofern es denn welche gäbe. wahrscheinlich schön versiegelt. aber wer weiß...
  • jettabong
    Freitag, 10.08.2012, 16:10 Uhr
    Was bringt uns die Marsforschung? Na noch viel mehr als manch einer glauben mag. Curiosity ist mit neuartigen Sensoren ausgestattet - sei es zur Analyse von Gesteinsproben, zur Überwachung des Klimas oder zur Navigation. Alles Technologien, die uns in Zukunft auch auf der Erde weiterhelfen werden. Das Geld wurde auch nicht verbrannt. Der Löwenanteil wurde dafür verwendet, die notwendigen Geräte zu entwickeln und zu bauen. Dabei fließt ein nicht unerheblicher Anteil in die Gehaltstaschen der 3.000 Mitarbeiter der beteiligten Firmen. Und nein, das sind keine überbezahlten Riesenkonzernmitarbeiter - das sind normale Ingenieure, Metallbauer, Mechaniker bis hin zur Putzfrau. Und alle ernähren davon ihre Kinder. Es gibt unzählige Firmen, die mit solchen Projekten ihr und das überleben Ihrer Mitarbeiter sichern. Als Beispiel einer deutschen Firma sei hier Zeiss genannt, die beispielweise die Optiken für solche Missionen liefern. Das Geld wird nicht verbrannt - es wird in die Wirtschaft gesteckt. Und das zum Zwecke des Erkenntnisgewinns. Und wenn ihr alle solche Gutmenschen seid, wieso überweist ihr nicht einfach euer ganzes Gehalt nach Afrika, anstatt euch einen Computer zu kaufen und ständig nur alles schlecht zu machen. Damit wäre der Menschheit mehr geholfen. Letztendlich geht es in der Raumfahrt auch darum, neue Resourcen zu entdecken. Und neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Der Mensch verbraucht mehr als die Erde liefern kann. Also brauchen wir neue Quellen. Sei es der Mond, der Mars, Asteroiden oder irgendwelche Saturn- und Jupiter-Trabanten. Die Forschung jetzt hilft unseren Nachkommen, diese Quellen zu erschließen und langfristig für ein Überleben Aller zu sorgen. Und das eben mit Missionen, wie dieser hier.
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