Der letzte Weltuntergang war am 21. Mai 2011. Daran erinnern sich nur die wenigsten. Klar, er ist ja auch nicht eingetreten. Genauso wenig wie all die anderen Vorhersagen der Apokalypse in den letzten 2000 Jahren. Seit Christi Geburt hätte die Welt schon Hunderte Male untergehen sollen. Am 21. Dezember ist es wieder soweit. Falls erneut alles gut geht - weitere Termine stehen bereits.

Weltuntergänge haben Tradition

Ein Blick zurück in der Geschichte erweist sich als Fundgrube für Apokalyptiker. Einer der ersten überlieferten Weltuntergänge wurde von den Urchristen etwa im Jahr 30 n. Chr. erwartet. Johannes der Täufer und Jesus hatten das Reich Gottes als "nah" angekündigt. Nachdem Jesus am Kreuz gestorben und auferstanden war, rechneten die Gläubigen mit dem baldigen Ende der Welt und dem Jüngsten Gericht.

Als im Jahr 70 n. Chr. die Römer im Jüdischen Krieg Jerusalem eroberten und den Tempel zerstörten, galt das vielen jüdischen und christlichen Zeitgenossen als Anfang vom Ende der Welt. Doch wie so oft in den kommenden Jahrhunderten blieb die Welt bestehen.

Um 157 n. Chr. prophezeite Montanus in Kleinasien den bevorstehenden Weltuntergang. Er stützte sich dabei auf Offenbarungen des Heiligen Geists und das Johannes-Evangelium. Montanus und seine Mitstreiter fanden großen Zuspruch bei den Gläubigen. Die Bewegung des Montanismus erlebte einen Rückschlag als das Weltende ausblieb.

Der Kirchenlehrer und Gegenpapst Hippolyt (um 170-235) war überzeugt davon, dass die Erde exakt 6.000 Jahre alt werde. Da sie nach seinen Berechnungen im Jahr 5500 v. Chr. erschaffen wurde, prophezeite er für das Jahr 500 das Weltende. Solche Berechnungen sorgten in den folgenden Jahrhunderten immer wieder für neue Sintflutankündigungen, die die Gläubigen in Atem hielten.

Gefährliche Zahlenspiele

Die Zahl 666 wird in der Offenbarung des Johannes erwähnt und kann als die Zahl des Antichristen gedeutet werden. So lag es wohl nahe, das Jahr 666 mit dem Weltuntergang zu verbinden.

Voll banger Erwartung harrten die Gläubigen 333 Jahre später der Zeitenwende. Denn mit dem Jahr 1000 sollte das Tausendjährige Reich zu Ende gehen, das für viele Gelehrte mit Christi Geburt begonnen hatte. Auch diese Vorhersage stützte sich auf das Johannes-Evangelium. Schon Jahrzehnte vorher begannen sich die Menschen auf dieses Ereignis vorzubereiten, die Frömmigkeit nahm zu, Klöster wuchsen und Kirchen wurden vermehrt gebaut. Sogar Kaiser Otto III. war vom Ende der Welt am 31. Dezember 999 überzeugt, hatte doch sein enger Vertrauter Papst Silvester II. dies bestätigt. Als das neue Jahr dennoch mit Sonnenaufgang begann, wurde dies der Gnade Gottes zugeschrieben, der die Gebete der Gläubigen erhört hatte.

Der Mönch Radolf Glaber aus Burgund gab sich jedoch nicht damit zufrieden, dass Gott es sich anders überlegt hatte. Er errechnete als neuen Termin für den Weltuntergang das Jahr 1033. Denn schließlich habe das Tausendjährige Reich erst mit der Kreuzigung Christi im Jahr 33 n. Chr. begonnen.

Falsche Vorhersagen, banges Warten

Der Gelehrte Johannes Hispalensis sagte in seinem berühmten Toledobrief für 1186 das Ende der Welt vorher. Aus den Sternen las der Astronom schreckliche Erdbeben, Unwetter und Stürme, die der Menschheit das Ende bereiten sollten. Ängstliche Menschen legten Schutzräume an, in Byzanz ließ der Kaiser die Fenster seines Palasts zumauern und in England wurde ein dreitägiges Fasten angeordnet. Obwohl sich die Prophezeiung des Gelehrten als falsch erwies, kursierten noch Jahrhunderte lang Varianten seiner Berechnungen. Die letzte Sintflut auf Grund dieser astronomischen Erkenntnisse wurde vom Astronomen Johannes Stöffler für das Jahr 1524 prophezeit - auch sie blieb ohne Folgen.

Sogar Martin Luther konnte sich nicht zurückhalten und wagte sich an die Vorhersage von Weltuntergängen. Er begann mit dem Jahr 1532. Als sich dies als falsch erwies, schwenkte er auf 1538 um und legte sich anschließend auf 1541 fest. Eine Taktik, die sich bis heute bei Weltuntergangspropheten bewährt hat.

Das Jahr 1666 war wieder hochinteressant für Zahlenmystiker: 1000 und 666, zwei Jahreszahlen, die schon den Weltuntergang hätten bringen sollen, brauchte man nur zu addieren.

Auf Grundlage von Zahlen und Wörtern der Bibel errechnete der Adventisten-Gründer William Miller (1782-1849) das Jahr 1844. Doch auch diesmal ging die Welt nicht unter. Miller geriet in die Kritik, gab aber dann zu, sich verrechnet zu haben.

Ein Komet kündet vom nahen Ende

Kometen waren schon immer Anzeichen für bedeutende Ereignisse. 1910 wurde die Ankunft des Halleyschen Kometen als Hinweis auf das Ende der Welt gewertet. Weltweit gerieten die Menschen angesichts dieses hellen Beweises am Himmel in Panik.

Auch die Große Pyramide von Gizeh lieferte Material, um Aussagen über die Zukunft zu treffen. So glaubte der Astronom Charles Piazzi Smyth (1819-1900), das Weltende aus den Maßen der Pyramide für 1960 herauslesen zu können. Ähnliches fand der Autor Max Toth für das Jahr 2025. Der Pyramidologe Adam Rutherford errechnete das Jahr 2979.

Ein beliebter Untergangsprophet ist nach wie vor Nostradamus (1503-1566), der das Ende der Welt 1999 kommen sah. Auch er hatte Unrecht. Alternativ bot er noch das Jahr 3797 an.

Bis ans Ende der Welt

Der anfangs erwähnte, bislang letzte verstrichene Weltuntergangstermin war der 21. Mai 2011. Damals hatte ein christlicher Fundamentalist aus den USA bekannt gegeben, dass er die Bibel analysiert habe und die "Entrückung" an diesem Datum stattfinde. Für den 21. Oktober 2011 hatte er übrigens den Untergang des ganzen Universums berechnet.

Falls nun also der 21. Dezember ohne Folgen bleiben sollte, dann gibt es bereits neue Termine. Am vielversprechendsten ist das Jahr 2076. Dieses Jahr hat der Heilige Beda Venerabilis (673-735) errechnet. Fatalerweise ist dieses Jahr auch das Jahr 1500 nach islamischer Zeitrechnung. Das genügt einigen Islamgelehrten, um den Weltuntergang vorherzusagen. Warten wir es mal ab.