Nuklearkatastrophe

Geisterstadt Tschernobyl: So sieht es dort heute aus

Nach der schweren Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 wurde eine Sperrzone von 30 Kilometern rund um das Atomkraftwerk errichtet. Dazu gehört auch die Stadt Prypjat. Das Foto zeigt das Stadtzentrum vor und rund 30 Jahre nach der Katastrophe.

Prypjat ist heute eine Geisterstadt. Das Bild der verlassenen Stadt prägen neben Hochhäusern nun auch hoch gewachsene Bäume.

Zum Zeitpunkt der Katastrophe wohnten in Prypjat etwa knapp 50.000 Menschen. Ein Rummel, der am 1. Mai 1986 eröffnet werden sollte, steht bis heute dort.

Ein trauriges Bild: ein verlassener Kindergarten gefüllt mit leeren Betten in Tschernobyl. Das Foto entstand im November 2020.

Besonders in den verlassenen Schulen herrscht heute eine unheimliche Stimmung: Dieses Foto zeigt ein Pult in einem Klassenzimmer in Prypjat.

In einem ehemaligen Klassenraum in einer Mittelschule in Prypjat stapeln sich bis zum heutigen Tag alte Gasmasken auf dem Boden.

Das Gebiet um die damals verhängte Sperrzone in Prypjat ist seit Ende Juli 2011 wieder für den Tourismus geöffnet. Sogenannte Extremtouristen erkunden dabei Orte wie diesen verlassenen Parkplatz eines Supermarktes.

Anders als in Prypjat gibt es in Tschernobyl viele guterhaltene Orte. In der St. Elijah-Kirche finden mittlerweile sogar wieder ab und an Messen statt.

Besonders seit dem Erfolg der HBO-Serie "Chernobyl" ist der Tourismus in der Region rund um die Katastrophe nochmals um 30 bis 40 Prozent angestiegen.

Während einige Dörfer rund um die Region völlig verlassen und heruntergekommen sind, sind an einigen Orten Menschen illegal in ihre Häuser zurückgekehrt. Rund 700 Personen wohnen heute in der Region des Sperrgebiets.

Die Flora und Fauna rund um Tschernobyl wuchs in den vergangenen Jahren stark an. Darunter ist auch die vom Aussterben bedrohte Wildpferd-Rasse der Przewalski-Pferde.

Aber auch andere seltene Tiere konnten in der Sperrzone gesichtet werden: So leben in den Wäldern dort unter anderem Elche, Waschbären, Braunbären und sogar Bisons.

Auch Füchse konnte in der kontaminierten Zone gesichtet werden. Die verlassenen Orte bieten Raum für ein interessantes Experiment: Wie verhält sich die Natur ohne den Einfluss des Menschen?

Während die Zahl an Säugetieren in den letzten Jahren anstieg, ging die der Insekten stark zurück. Eine Studie sah einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang des Insektenreichs und radioaktiver Strahlung. Spinnennetze wie dieses sind in der Gegend also ein seltener Anblick.

Neben den Wildtieren finden sich auch zahlreiche Streuner in den großteils verlassenen Orten. Diese sehen zwar deutschen Haustieren gleich, unterscheiden sich aber in der DNA.

Allerdings bleibt der genaue Einfluss der Strahlung auf die Tierwelt unter Wissenschaftlern bis heute umstritten. Man vermutet, dass Mutationen hauptsächlich direkt nach dem Austritt der radioaktiven Strahlung aufgetreten sind.

Weiterhin fand man heraus, dass seltene Tierarten weit häufiger von Mutationen betroffen waren als alltägliche Arten.

Die gefährliche Strahlung hatte auch Auswirkungen auf die Natur rund um Tschernobyl. Sie führte zu einer Verfärbung der Nadeln von Koniferen. Die abgestorbenen Nadelbäume erhielten die Bezeichnung "Roter Wald".

Auf der anderen Seite förderte die Strahlung das Wachstum von zahlreichen Pilzen.

So fanden Wissenschaftler in einer Studie heraus, dass Pilze, die durch Melanin schwarz gefärbt sind, von Radioaktivität ähnlich angezogen werden wie etwa Pflanzen von Licht.

Ein besonderer Pilz dieser Art konnte Anfang 2020 in Reaktor Vier des Tschernobyl-Atomkraftwerks gefunden werden: Laut Berichten des Fachmagazins "Stat" wächst dort ein großer, schwarzer Pilz, der sich offenbar nicht nur von Radioaktivität ernährt, sondern diese sogar in Energie umwandeln kann.