Bundestagswahl 2021

Das Überhangmandat einfach erklärt

Der deutsche Bundestag hat 598 Sitze - eigentlich. Denn nach der Wahl kommen meist einige Sitze hinzu, die sogenannten Überhangmandate. So saßen im 19. Bundestag, der 2017 gewählt wurde, 709 Abgeordnete.

Der Grund dafür ist das deutsche Wahlrecht, das eine Mischung aus Verhältniswahl und Mehrheitswahl ist. Deshalb hat jeder Wähler auch zwei Stimmen - eine Erststimme und eine Zweitstimme.

Mit der Erststimme wird ein Wahlkreisabgeordneter gewählt. Da es in Deutschland 299 Wahlkreise gibt, wird auf diese Art die Hälfte der theoretisch 598 Abgeordneten bestimmt.

Mit der Zweitstimme wird eine Partei gewählt. Der Anteil der Zweitstimmen, den eine Partei erhält, entscheidet darüber, wie viele Sitze ihr im Parlament zustehen.

Dabei kommt es oft vor, dass eine Partei über die Erststimmen mehr Direktmandate gewinnt, als ihr über den Zweitstimmenanteil zustünden.

Diese gewonnenen Direktmandate verfallen in diesem Fall aber nicht - sondern werden der Partei als sogenannte Überhangmandate zugeteilt. Im Bundestag werden also zusätzliche Stühle aufgestellt.

Bei der Bundestagswahl 2017 kamen auf diese Weise 46 Überhangmandate zustande, davon 36 für die CDU, sieben für die CSU und drei für die SPD.

Damit die anderen Parteien nicht benachteiligt werden, erhalten sie sogenannten Ausgleichsmandate. 2017 gingen an die SPD 19 zusätzliche Sitze, die FDP erhielt 15, die AfD 11, Grüne und Linke jeweils 10.

Damit das Parlament nicht zu groß wird, beschlossen die Parteien 2020 eine Wahlrechtsreform. Demnach wird mit dem Ausgleich erst nach dem dritten Überhangmandat begonnen.