Hygge, Kos und Lagom

Das steckt hinter nordischen Lebensphilosophien

Vor Corona beherrschten regelmäßig neue Begriffe die Titel der Lifestyle-Medien: Mit Worten wie "Hygge", "Lagom" oder "Kos" wurde skandinavisches Es-sich-daheim-gemütlich-Machen gefeiert.

Nun, da es draußen wieder richtig ungemütlich ist - aufgrund von Jahreszeit und hohen Inzidenzen - sollte man sich das mit dem skandinavischen Lifestyle noch einmal vergegenwärtigen ...

"Hygge", das ist "dänische Gemütlichkeit". Das bedeutet nicht nur dicke Socken, Kerzen und heiße Schokolade, der Lebensstil lässt sich in alle Kontexte integrieren, um das Leben schöner zu machen.

"Hygge" bedeutet, das Schöne am Leben zu genießen: Quality Time mit sich selbst ebenso wie mit Freunden und Familie, Spazierengehen, gutes Essen. Alles, was Wohlbefinden erzeugt, gehört dazu.

In Ländern, wo es im Herbst und Winter besonders ungemütlich wird, halten die Menschen mit Behaglichkeitskonzepten dagegen. Dazu gehört auch eine innere Haltung, die gegen Widrigkeiten von außen wappnet.

Auch die Norweger haben ihr eigenes Wort für den ersehnten Zustand des sich sicher, warm und gut Fühlens: "Kos". Es bezeichnet ebenfalls die scheinbar kleinen und einfachen Glücksmomente im Leben.

Dazu zählt nicht nur kuscheliges Ambiente, sondern auch warmes Miteinander. Kos-Momente gibt es Indoor (mit Kerze und Gebäck), aber auch draußen in der wilden Natur oder bei einem Sommerfest.

Etwas tiefer geht die Idee von "Lagom" im Nachbarland Schweden. Diese Art von Mentalität reicht angeblich sehr weit zurück in der Geschichte ...

Man erzählt es sich so: Bereits die Wikinger-Ahnen achteten, wenn sie das Trinkhorn untereinander kreisen ließen, darauf, nur einen gemäßigten Schluck zu nehmen, damit es für alle reichte.

"Lagom" steht für "Maß halten": "nicht zu viel und nicht zu wenig". Auf die "richtige Balance im Leben" kommt es an. Das lässt sich ideal anwenden auf den Bereich des persönlichen inneren Gleichgewichts ...

... als auch auf eine Verantwortung für die Gemeinschaft und auf global relevante Themen wie Nachhaltigkeit. Auch ein maßvoller Umgang mit Ressourcen ist "Lagom".

Für die innere Ausgeglichenheit hilft bewusstes Zelebrieren von "Me-Time", Zeit für sich haben, sei es beim Spazierengehen, beim Yoga, Lesen oder bei der Handarbeit. Erlaubt ist, was gefällt und guttut.

Vielleicht bekommen die Schweden das mit der Work-Life-Balance wegen Lagom so gut hin. Arbeit wird gewissenhaft verrichtet, aber man macht auch zweimal täglich Kaffeepause, die "Fika".

Arbeitszeit wird nicht höher bewertet als Familienzeit. Niemand guckt komisch, wenn man früher Feierabend macht, um etwas mit den Lieben zu unternehmen. "Lagom" ist eine Lebenseinstellung.

In Finnland heißt eine weit verbreitete Haltung "Sisu". Dabei handelt es sich um eine über 500 Jahre alte handlungsorientierte Denkweise ...

Mit gemütlich hat "Sisu" erst einmal weniger zu tun. Es bezeichnet eher mentale Stärke, Beharrlichkeit, Kampfgeist oder Willensstärke, die einen immer wieder dazu bringt, sich in Grenzbereiche vorzuwagen.

Wie Hygge und Lagom lässt sich Sisu auf verschiedene Lebensbereiche anwenden. Rückzug, um Kraft zu tanken, spielt auch bei Sisu eine Rolle.

Um sich Gutes zu tun, wird in Finnland das "Kalsarikännit" gepflegt, was bedeutet: "Sich in Unterhosen alleine daheim betrinken." Bitte nicht mit Frust-Saufen verwechseln! Es geht um Genuss mit Maß.

Ziel ist nicht, schnell betrunken zu werden. Ein guter, bewusst genossener Tropfen unterstreicht das Zelebrieren von Zeit für sich selbst. "Kalsarit" sind übrigens lange Unterhosen.