Zum Concorso d’Eleganza kommen jährlich Dutzende wertvolle Oldtimer und andere automobile Preziosen wie Concept Cars, selbst wenn sie noch jung sind. 2023 fanden mehr als 50 Exponate den Weg an den Comer See. Eingeteilt in 8 Klassen buhlen die historischen Autos sowie die Concept Cars um die Gunst des Publikums aus geladenen Gästen und Medienvertretern sowie um die der Jury aus Experten.

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Die Klasseneinteilung folgt eher phantasievollen Sammelbegriffen als formellen Kategorien: Klasse A und B heißen etwa Vorkriegs-Hochgeschwindigkeits-Luxus und Vorkriegs-Wochenend-Renner, Klasse C beschäftigt sich unter der Überschrift "Unglaubliches Indien" mit dem "Autofahr-Genuss mächtiger Maharadschas". BMW ist seit 1999 Schirmherr und seit 2005 Mitveranstalter der Veranstaltung, hält sie aber im Kern neutral. 2023 sind beispielsweise in der Klasse D zum 75. von Porsche besondere Modelle der Marke zusammengefasst. Klasse E zeigt Granturismos, Klasse F feiert den "Made in Italy"-Look. Die Klasse H schließlich sammelt offene Autos, obwohl solche, vor allem aus der Vorkriegs-Ära, in anderen Klassen ebenfalls vorkommen.

Noch mal ein Le-Mans-Duell zwischen Ford und Ferrari

Klasse G zeigt zum 100. Geburtstag des 24-Stunden-Klassikers Le-Mans-Rennwagen. Hier ist dann auch der eingangs erwähnte Ferrari 250 GTO eingruppiert, obwohl das Auto unter anderem deshalb so legendär wurde, weil es trotz seiner überragenden Rennstrecken-Qualitäten genauso gut auf der Straße einsetzbar war. Das am Comer See gezeigte Exemplar soll 2018 für 70 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt haben und gilt damit als teuerster, frei gehandelter Oldtimer, wenn man das Mercedes Uhlenhaut-Coupé nicht in diese Kategorie zählt. Aber selbst bei einer Veranstaltung, wo superreiche Sammler auf Millionenwerte aus Blech treffen, wie vermutlich nirgends sonst, vermag Geld allein den Sieg nicht zu garantieren, Gesamtpreise gewonnen haben andere. Welche Teilnehmer das waren, lesen Sie am Ende des Artikels.

Den 250 GTO bestimmte die Jury immerhin zum Sieger seiner Klasse, wo er sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen konnte – unter anderem ausgerechnet gegen einen Ford GT 40. Ein Modell, mit dem Henry Ford II einen Sieg in Le Mans vor allem gegen Ferrari erzwingen wollte, was ihm 1966 gelang (sehenswert verfilmt in "Le Mans 66"), nachdem ein Kauf von Ferrari durch Ford zuvor gescheitert war. Der GT 40 beim Concorso ist der einzige Rennwagen überhaupt, der zwei Gesamtsiege beim 24-Stunden-Klassiker eingefahren hat (1968 und 1969). Die Gulf-Farben trug der nur 101,6 Zentimeter (40 Zoll, daher die Typbezeichnung) hohe Rennwagen erst beim zweiten Mal, pilotiert von Jackie Ickx und Jackie Oliver. Höhe und Farbgebung verfehlen auch auf heutige Betrachter ihre Wirkung nicht und angesichts seiner speziellen Geschichte hätte ein Sieg beim Concorso gegen den silbernen Ferrari 250 GTO, der in Le Mans nur einmal den vierten Gesamtrang (1963) erreichte, nicht verwundert.

Phantasievolle Klassen voll exklusiver Modelle

Die Klassen sind erkennbar danach ausgerichtet, welche Autos im jeweiligen Jahr zur Ausstellung kommen. Angesichts des illustren 2023er-Teilnehmerfelds wirkt das wie eine durchaus zielführende Vorgehensweise. Für Laien scheinen einige Autos in mehrere Klassen zu passen, aber das tut der Unterhaltung keinen Abbruch. Viele Exponate eint eine enorme Seltenheit bzw. Stückzahlen im zweistelligen Bereich. Der Ferrari 250 GTO ist beispielsweise Nummer 24 von 36 Gebauten. Selten sind freilich auch die modernen Concept Cars oder Protoypen, die außerhalb der Oldtimer-Konkurrenz prämiert werden.

Ganz außer Konkurrenz stellt BMW seit geraumer Zeit im Rahmen des Concorso eine neue Studie vor – 2023 das Touring Coupé, eine Art Z4 Shooting Break. Ob der in Serie geht, ist äußerst ungewiss. Markus Flasch, bei BMW entwicklungstechnisch für die mittleren und die Luxus-Baureihen einschließlich Rolls-Royce zuständig, fuhr das Concept Car mit BMW-Chef-Designer Adrian van Hoydonk am Steuer zum Defilee und antwortete auf die Frage nach den Serienchancen: "Wir denken drüber nach".

Alle Sieger des Concorso d’Eleganza 2023

Wie der Wettbewerb um die Gunst von Publikum und Jury ausgegangen ist, vermeldete BMW am späten Sonntagabend. Das Publikum entschied sich für einen Ferrari 250, aber nicht den GTO, sondern einen GT Spyder California mit von Pininfarina gestalteter Scaglietti-Karosse und bei den Concept Cars für den Pagani Huayra Codalunga von 2022. Die Jury erklärte einen offenen Vorkriegs-Duesenberg zum "Best of Show". Die Bildergalerie zeigt eine subjektive Auswahl vom Rundgang an der Villa d’Este.

Nachfolgend die Auflistung des "Best of Show" sowie aller Klassensieger und der mit einer "Mention of Honour" ausgezeichneten Fahrzeuge in den acht Wertungsklassen für historische Automobile, jeweils einschließlich Bauart, Karosseriedesigner, Produktionsjahr und Besitzer:


Trofeo BMW Group
Best of Show by the Jury
Winner: Duesenberg SJ, Speedster, Gurney Nutting, 1935, William Lyon, United States.

Coppa d’Oro Villa d’Este
Best of Show by Public Referendum
Winner: Ferrari, 250 GT Spyder California, Spyder, Pininfarina/Scaglietti, 1961, Keybridge Collection, Hong Kong.


Concorso d’Eleganza Design Award
For Concept Cars & Prototypes by Public Referendum
Winner: Pagani Huayra Codalunga, Coupé Longtail, 2022.


Class Winners and Mentions of Honour


CLASS A
The Fast and the Formal: Pre-war high speed Luxury
Class Winner
Chrysler Custom Imperial CL, Convertible Sedan, LeBaron Carossiers Inc., 1933, Jack Boy Smith Jr., United States.
Mention of Honour
Lagonda V12 Rapide, Drophead Coupé, James Young, 1938, Adrian Burr, Great Britain.

CLASS B
Grande Vitesse: Pre-war Weekend Racers
Class Winner
Delahaye 145 Coupé Chapron, Coupé, Henri Chapron, 1938, Peter & Merle Mullin, United States.
Mention of Honour
BMW 328, Roadster, BMW, 1937, The May Collection, Germany.

CLASS C
Incredible India: The dazzling Motoring Indulgences of the mighty Maharajas
Class Winner
Duesenberg SJ, Speedster, Gurney Nutting, 1935, William Lyon, United States.
Mention of Honour
Rolls-Royce Sports Phantom Prototype, Experimental, Jarvis of Wimbledon, 1928, Alexander Schaufler, Austria.

CLASS D
Porsche at 75: Delving into the Stuttgart Legend’s iconic and eccentric Back Catalogue
Class Winner
Porsche 901 Prototyp "Quickblau”, Coupé, Karmann, 1963, Alois Ruf, Germany.
Mention of Honour
Porsche 356 Pre-A, Cabriolet, Reutter, 1954, Al Barbour, United States.

CLASS E
Granturismo: Experimenting with the post-war European GT
Class Winner
Ferrari 330 GTC Speciale, Coupé, Pininfarina, 1967, William E. Heinecke, Thailand.
Mention of Honour
Alfa Romeo 6C 2500 SS Berlinetta Riva "La Serenissima”, Berlinetta, Carrozzeria Riva, 1950, Stephen Bruno, United States.

CLASS F
That ‘made in Italy’ Look: Styles which conquered new Worlds
Class Winner
Maserati A6G/54, Berlinetta, Zagato, 1956, Jonathan & Wendy Segal, United States.
Mention of Honour
Ferrari 212 Export, Berlinetta, Vignale, 1951, Brian Ross, United States.

CLASS G
A Century of the 24 Hours of Le Mans: Heroes of the most famous Race in the World
Class Winner
Ferrari 250 GTO, Berlinetta, Scaglietti, 1962, David MacNeil, United States.
Mention of Honour
Ferrari 250 Testa Rossa, Spider, Fantuzzi, 1959, Peter Goodwin, United States.

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CLASS H
Here comes the Sun: ‘Topless’ done differently!
Class Winner
Ferrari 250 GT Spyder California, Spyder, Pininfarina/Scaglietti, 1961, Keybridge Collection, Hong Kong.
Mention of Honour
Citroën SM Espace Heuliez, Targa Coupé, Henri Heuliez, 1971, Thierry Dehaeck, Belgium.

Special Prizes
Trofeo BMW Group Ragazzi
By Young People’s Referendum
Winner: Ferrari 288 GTO, Berlinetta, Scaglietti, 1985, Horst Koester, Germany.
Trofeo dei Presidenti
By President of Concorso d’Eleganza Villa d’Este /
Chairman of Pebble Beach Concours d’Elegance / Chairman of Amelia Island Concours d’Elegance
Winner: Ford GT40, Coupé, J.W. Automotive Engineering, 1968, Rob Walton, United States.
Trofeo BMW Group Classic
For the most sensitive restoration by the Jury
Winner: Rolls-Royce, Silver Wraith Drophead Coupé, James Young, 1949,
Yohan Poonawalla, India.
Trofeo Rolls-Royce
For the most elegant Rolls-Royce by the Jury
Winner: Rolls-Royce, Sports Phantom Prototype, Experimental,
Jarvis of Wimbledon, 1928,
Alexander Schaufler, Austria.
Trofeo Vranken-Pommery
For the best iconic car by the Jury
Winner: Porsche 901 Prototyp "Quickblau”  © auto motor und sport

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