Als der neue Peugeot 3008 am 12. September 2023 auf den Markt kam, läutete er ein neues Zeitalter für den Stellantis-Konzern und seine insgesamt 14 Marken ein. Denn der Franzose ist das erste Elektroauto, das auf einer von vier komplett neu entwickelten, sogenannten STLA-Plattformen (Stellantis Architecture) basiert. Für das Mittelklasse-Segment heißt das: bis zu 98 Kilowattstunden (kWh) im Akku für 700 Kilometer Reichweite.

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Der kompakte Peugeot 3008 wird mit diesen beeindruckenden Kennzahlen nicht lang allein bleiben. Schließlich dürfen auch Opel, Jeep, Fiat, DS, Lancia oder Alfa Romeo die "STLA Medium" nutzen. Die mittlere der vier Plattformen (Small, Medium, Large und Frame) ermöglicht Fahrzeuglängen von 4,30 bis 4,90 Meter, bei einem Radstand von 2,70 bis 2,90 Meter und einer – Achtung Jeep-Fahrer! – Bodenfreiheit von mehr als 220 Millimetern. "Die Diskussion, ob man auf einer Plattform Modelle und Marken ausreichend differenzieren kann, gibt es schon seit 30 Jahren. Es ist längst bewiesen, dass das geht", sagt Stellantis-Konzernchef passend zu diesem Thema.

400-Volt-Elektroarchitektur

Bei E-Fahrzeugen dieser Größe – dem sogenannten C- und D-Segment – hat sich Stellantis für eine 400-Volt-Elektro-Architektur entschieden. Zwar wären laut CEO Carlos Tavares auch 800 Volt möglich, doch man wolle die Elektromobilität im Konzern bezahlbar halten. Zudem verspricht der Portugiese für Peugeot 3008 und Co. Ladezeiten unter einer halben Stunde, um den Akku von 20 auf 80 Prozent zu füllen. Innerhalb einer Minute könnten mit der Technik 2,4 Kilowattstunden nachgeladen werden.

Weil die mittlere STLA-Plattform Verbräuche unterhalb von 14 kWh je 100 Kilometer realisieren soll, sind umgerechnet weniger als sechs Minuten am Schnelllader nötig, um den Stromvorrat für 100 Kilometer aufzufüllen. Dabei setzen die Autos entweder auf Vorderrad- oder auf Allradantrieb. Die Leistungsbreite liegt zwischen 160 kW (218 PS; Single Motor) und 285 kW (388 PS; Dual Motor). Die starken Allradmodelle mit zwei Elektromotoren wird es dabei nicht nur von Jeep geben. Auch der Nachfolger des Kompakt-SUV Opel Grandland dürfte so angetrieben ab der zweiten Jahreshälfte 2024 vom Eisenacher Band rollen. Bis dahin werden noch 130 Millionen Euro in die Modernisierung des Standorts fließen.

Überhaupt spielt Deutschland eine wichtige Rolle in der E-Mobilitäts-Offensive von Stellantis. Opel will beispielsweise schon 2028 eine vollelektrische Produktpalette besitzen. Anders als der Modulare Elektrobaukasten (MEB) von Volkswagen ermöglichen die STLA-Plattformen von Stellantis aber auch weiterhin die Nutzung von Verbrennungsmotoren. Entwickelt wurde die Technik allerdings klar mit dem Fokus auf batterieelektrische Antriebe. Die STLA-Medium-Plattform soll in Zukunft mit einem Performance-Paket die größte Reichweite von 700 Kilometern im WLTP-Zyklus erzielen. Das Standard-Paket soll immerhin 500 Kilometer reichen.

STLA-Large-Plattform für D- und E-Segment

Noch beeindruckendere Werte soll die eine Nummer größere STLA-Large-Plattform für Pkw-, Crossover- und SUV-Modelle der D- und E-Segmente liefern. Die Flexibilität in puncto Fahrzeuglänge (4,76 bis 5,13 Meter), -breite (1,90 bis 2,03 Meter), -höhe sowie Radstand (2,87 bis 3,08 Meter) und Bodenfreiheit (14 bis 28,8 Zentimeter) soll besonders groß sein. Um fahrzeugspezifische Leistungsziele wie Fahrverhalten, Handling und Komfort zu erreichen, können verschiedene Aufhängungsmodule und Antriebsstrang-Halterungen installiert werden; als maximalen Reifendurchmesser gibt Stellantis offroad-taugliche 32,6 Zoll an. Die Elektronik-Architektur ist auf Over-the-Air-Software-Updates ausgelegt.

STLA Large erlaubt Batterien mit Kapazitäten zwischen 85 und 118 kWh, wodurch die maximale Reichweite auf 800 Kilometer (für Limousinen) steigt. Um die Ladeeffizienz auf 4,5 kWh pro Minute zu verbessern, soll sie nicht nur mit 400-, sondern auch mit 800-Volt-Architekturen bestückt werden können. In Bezug auf das Antriebs-Layout ermöglicht STLA Large sowohl Vorder- als auch Hinter- und Allradantrieb. In die kompakten sowie skalierbaren Drei-in-eins-E-Antriebsmodule der elektrifizierten STLA-Large-Autos integriert Stellantis neben dem Motor auch den Wechselrichter und das Untersetzungsgetriebe. Je nach Modell können Sperrdifferenziale oder Radendkupplungen den Antriebsstrang ergänzen. Die schnellsten Elektroautos auf STLA-Large-Basis sollen "im Zwei-Sekunden-Bereich" von null auf 100 km/h beschleunigen können.

Den Erstzugriff auf die STLA-Large-Plattform erhalten die US-Marken Jeep und Dodge. Mit der Konsequenz, dass die ersten Modelle mit diesem Unterbau noch in diesem Jahr in Nordamerika auf den Markt kommen. Eins davon wird der neue Dodge Charger sein, das andere der bis zu 441 kW / 600 PS starke Wagoneer S. "Für die USA ist das der Anfang unserer Elektro-Offensive", sagt Tavares. Bis 2026 sollen sechs zusätzliche Baureihen folgen, die sich auf die beiden genannten sowie die weiteren Stellantis-Marken Alfa Romeo, Chrysler und Maserati aufteilen. STLA-Large-Autos werden sowohl in Nordamerika als auch Europa gebaut. Zu ihnen gehören die für 2025 und 2026 angekündigten Nachfolger der Alfa-Romeo-Modelle Giulia und Stelvio ebenso wie ein elektrisches Oberklassemodell sowie ein großer SUV der Marke als Nachzügler.

Auch STLA Small und STLA Frame geplant

Als vierte Plattform für große SUV und Pick-ups auf Leiterrahmen ist ab 2024 der STLA-Frame-Baukasten zuständig – er ist nochmals unterteilt nach Elektro-Plattform und einer Basis für reine Verbrennungs-Aggregate. Die Entwicklungsziele für reine E-Modelle liegen hier ebenfalls bei bis zu 800 Kilometern Reichweite und einer Schnellladefähigkeit von 32 Kilometern Reichweite pro Minute. Elektromodelle des A- und B- sowie teilweise des C-Segments basieren dagegen künftig auf der STLA-Small-Plattform und sollen nach Angaben von Tavares rund 500 Kilometer Reichweite bekommen.

Die standardisierte Akku-Packs sollen sich durch die Austauschbarkeit von Batterie-Zellchemien auszeichnen, was die Plattformen lange aktuell halten soll. Es sollen zwei Batteriearten zum Einsatz kommen, die die Palette vom Stadtauto über Sportwagen bis zu Nutzfahrzeugen abdecken. Letztere erhalten eine Batterie mit hoher Energiedichte, Budget-Autos einen Nickel-Kobalt-freien Akku. Ab 2026 soll die erste Feststoffbatterie eingeführt werden.

Die Akkus für die neuen Plattformen stammen aus dem Stellantis/Saft-Joint Venture ACC (Automotive Cell Co.). 2023 startete die Produktion im nordfranzösischen Douvrin, in Kaiserslautern rollt die Akku-Fertigung ab Ende 2025 an. Beide Standorte sollen pro Jahr eine Kapazität von 50 GWh produzieren. Die Batteriegehäuse und die Akku-Steuerung werden in Eigenregie entwickelt und gebaut. Die Elektromotoren stammen hingegen wieder aus einer Kooperation. Hier hat sich Stellantis mit dem japanischen E-Motor-Bauer Nidec zum Joint Ventrue E-Motors zusammengetan. In einer weiteren Partnerschaft bauen Stellantis und Punch Powertrain Getriebeeinheiten.

Freiheit für jeweilige Marken-DNA

Allerdings ist die Elektrifizierung aller 14 Marken nicht einheitlich geregelt, sie soll sich an der jeweiligen DNA der Marken orientieren. Dazu hat Stellantis die elektrische Zukunft unter die folgenden Überschriften gestellt:

● Abarth – "Heating Up People, But Not the Planet”

● Alfa Romeo – "From 2024, Alfa Becomes Alfa e-Romeo”

● Chrysler – "Clean Technology for a New Generation of Families”

● Citroën – "Citroën Electric: Well-Being for All!”

● Dodge – "Tear Up the Streets… Not the Planet”

● DS Automobiles – "The Art of Travel, Magnified”

● Fiat – "It’s Only Green When It’s Green for All”

● Jeep® – "Zero Emission Freedom”

● Lancia – "The Most Elegant Way to Protect the Planet”

● Maserati – "The Best in Performance Luxury, Electrified”

● Opel/Vauxhall – "Green is the New Cool”

● Peugeot – "Turning Sustainable Mobility into Quality Time”

● Ram – "Built to Serve a Sustainable Planet”

● Commercial Vehicles – "The Global Leader in e-Commercial Vehicles”

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Bis 2030 will Stellantis-CEO Tavares in Europa die Quote der batterieelektrischen Pkw auf 100 Prozent erhöhen; für die USA sieht er die Steigerung inklusive Nutzfahrzeugen auf 50 Prozent vor. Bis dahin dürften dann zwei Millionen E-Autos auf STLA-Medium-Basis entstehen – jährlich. "Wir bieten Produkte an, die ganz und gar auf die Wünsche unserer Kundinnen und Kunden zugeschnitten sind," sagt Carlos Tavares. "So arbeiten wir auf unser Ziel von Netto-Null-CO2-Emissionen bis 2038 hin."  © auto motor und sport

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