Spektakuläre und Krimi-taugliche Personal-Geschichten gab es in der langen Historie der Automobilwirtschaft unzählige. Doch keine dürfte so filmreif sein, wie die von Carlos Ghosn. Einst in Frankreich und Japan als strahlkräftiger Topmanager gefeiert, endete seine Auto-Karriere zusammengekauert in einer kleinen Kiste.

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In der floh Ghosn nämlich Ende 2019 aus seiner streng bewachten Wohnung in Tokyo bis nach Beirut im Libanon. Zuvor hatte er 100 Tage in Haft gesessen und war nur gegen eine Kaution von zwölf Millionen Euro und unter strengen Auflagen freigekommen. In einer Kiste versteckt schaffte es Ghosn dann mit Unterstützung in einen Privatflieger und bis nach Beirut, wo er heute noch wohnt. Zwischen dem Libanon und Japan gibt es kein Auslieferungsabkommen.

Ruf und Finanzen geschädigt

Tatsächlich schafft es Carlos Ghosn nun wieder auf die internationale Automobilbühne – diesmal mit einer Milliardenklage gegen seinen Ex-Arbeitgeber Nissan. Der 69-Jährige Brasilianer, der auch die libanesische Staatsbürgerschaft und einen französischen Pass besitzt, wirft den Japanern vor, seinen Ruf und seine Finanzen ruiniert zu haben. Er fordert jetzt 588 Millionen US-Dollar Entschädigungen für entgangene Vergütungen, sowie einen Ausgleich der Strafmaßnahmen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar.

Damals, im November 2018, wurde Ghosn wegen Verstößen gegen Finanzmarktgesetze und Veruntreuung von Firmengeldern angeklagt und sofort in Untersuchungshaft genommen. Frankreich hatte erst im April 2022 Haftbefehl erlassen – mit Vorwürfen der Unterschlagung von Vermögenswerten sowie der Geldwäsche. Sowohl die Vorwürfe aus Japan als auch die der französischen Justiz hatte Carlos Ghosn stets zurückgewiesen und als Justizhetze bezeichnet.

Ansprüche gegen ein Dutzend Personen

Ghosn wird bei seiner Klage sogar sehr konkret und bezichtigt einige seiner Ex-Kollegen der Mitwirkung an einem Komplott gegen ihn. Insgesamt benennt er gut ein Dutzend hauptsächlich japanische Namen, die damals in führenden Positionen arbeiteten. Darunter sind zwei leitende Nissan-Manager, ein Manager im Büro des CEO sowie zwei Vorstandsmitglieder von Nissan.

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Um einer Strafverfolgung zu entgehen, hatten jene Kollegen schon früh mit der Justiz in Japan zusammengearbeitet. Laut Ghosns Rechtsvertreter umfasst die Klage auch andere natürliche und juristische Personen, die noch nicht zugestellt wurden. Die libanesische Staatsanwaltschaft hat jetzt eine Anhörung für September angesetzt. Noch ist nicht klar, ob die japanische Justiz überhaupt darauf reagiert. Auch das Unternehmen selbst hat sich noch nicht zur Anzeige geäußert.  © auto motor und sport

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