Als Bertone 1971 auf dem Genfer Autosalon den LP-500-Prototyp zeigte, klappte möglicherweise der gesamten Autowelt die Kinnlade herunter: Kanten wie mit der Axt geformt, Türen wie Fallbeile, ein längs eingebauter V12 zwischen Hinterachse und Fahrer. Dieser klemmt zwischen Vorderachse, Frontscheibe und Motor. Dass hier eine künftige Sportwagenikone debütierte, war vielen Beobachtern recht schnell klar. Zu ihnen gehörte Ferruccio Lamborghini, der den Keil daraufhin zum Miura-Nachfolger auserkor und zwei Jahre später an selber Stelle, nun jedoch am eigenen Stand, als Countach erneut präsentierte.

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Video: Im Video: Lamborghini Countach LP400 'Periscopio' by Bertone (1975)

Periscopio: Knick im Dach

Für die Übersichtlichkeit des Coutach hatte die extreme Formgebung natürlich Folgen. Der Blick geht nach vorn durch die flache Frontscheibe. Und zurück? Da überlegte sich Lamborghini für das Serienmodell Countach einen Trick: Das Dach bekam in der Mitte eine Art Sichtkanal nach hinten, der über den Innenspiegel und ein kleines Fenster Überblick geben sollte. Ein Periskop, also ein Sichtrohr wie beim U-Boot, ist das natürlich nicht. Den Namen "Periscopio" bekamen diese frühen Modelle trotzdem. Die ersten 157 Countach baute Lamborghini mit dem Sichtkanal, danach wurde das Dach konventioneller.

Countach mit Promi-Historie

RM Sotheby's versteigert Anfang März 2024 in Miami einen Lamborghini Countach LP 400 aus der frühen Persicopio-Serie. Der 1976 gebaute Lamborghini ist der 89. je gebaute Countach und hat heute noch den originalen Motor. Anders als sein Vorgänger Miura, dessen V12 quer zwischen Passagierabteil und Hinterachse klemmt, ist der Mittelmotor beim Countach längs eingebaut. Die frühen Exemplare haben 3,9 Liter Hubraum und 380 PS.

Die Historie des in "Blu Tahiti" lackierten Exemplars umfasst lediglich drei Besitzer und einige Besonderheiten. Der Erstbesitzer wohnte in Toronto und ließ wegen seiner Querschnittslähmung eine Handsteuerung für Gas, Bremse und Kupplung einbauen. In den 1990er-Jahren verkaufte er das Auto innerhalb Torontos weiter. Nach einigen Jahren ließ der Zweitbesitzer den Countach einlagern. Die Flüssigkeiten wurden abgelassen, das Auto in einer klimatisierten Halle untergebracht.

Schätzpreis: 1,0 bis 1,3 Mio. Euro

Nach dieser langen Zeit restaurierte ein Spezialist in Toronto den Sportwagen. Er war fit für eine zweite Karriere mit prominenten Stationen. Die erste war 2013 der Concours d'Elegance in Pebble Beach, wo der Countach den zweiten Platz in der Lamborghini-Klasse erreichte. Zwei Jahre später war das Auto in Jerry Seinfelds Sendung "Comedians in Cars getting Coffee" zu Gast. Jay Leno fuhr den Countach 2020 in "Jay Leno's Garage" für eine Ausfahrt auf dem Angeles Crest Highway. RM Sotheby's schätzt den Preis des "Periscopio" auf 1,1 bis 1,4 Millionen US-Dollar, umgerechnet 1,0 bis 1,3 Millionen Euro.

Ralph Laurens Countach 5000S

21.11.2023 – Nicht wenige Prominente kauften irgendwann einen Lamborghini Countach. Ralph Lauren zum Beispiel. Der Modeunternehmer erwarb am 30. Dezember 1983 einen roten 5000S mit Heckflügel und 375 PS. Der originale Title datiert auf den 6. Januar 1984, die Versicherung auf den 3. Januar. Diverse Dokumente belegen, dass der Mittelmotor-Sportwagen mit der Chassisnummer ZA9C00500DLA12657 auf das Ralph Lauren Design Studio in Montauk, New York, zugelassen war. Im Jahr 1986 verkaufte Lauren den Countach an einen Sammler, der das Auto bis Oktober 2023 behielt. Viel gefahren wurde der Countach nicht; der Kilometerzähler zeigt 10.820 Meilen (17.413 Kilometer).

Der dritte Besitzer ließ den Lamborghini am 17. November 2023 in Las Vegas von RM Sotheby's versteigern. Der Schätzpreis von umgerechnet 650.000 bis 850.000 Euro wurde beim Verkauf erreicht, aber nicht übertroffen: Inklusive Gebühren beträgt der Verkaufspreis umgerechnet 758.354 Euro.

Rod Stewarts Countach LP 400

17.06.2023 – Spektakulär war ein Lamborghini Countach immer noch, als Rod Stewart seinen LP 400 bestellte. Der Pop- und Rocksänger war gerade wegen einer Tournee in Australien unterwegs, als er seinen roten Lamborghini geliefert bekam. Original in Rot, mit tabakfarbenem Leder und dem Lenkrad auf der rechten Seite. Stewart nahm das Auto später mit nach Los Angeles und ließ es dort zum Widebody mit Targadach umbauen.

Im Jahr 1987 überquerte Stewarts LP 400 den Atlantik, bis 2002 nutzte der Sänger seinen Lamborghini in Großbritannien. Der zweite Besitzer ließ die Umbauten rückgängig machen und vermutlich wechselte in diesem Zusammenhang das Lenkrad die Seite. Den ursprünglichen Auslieferungszustand ließ ein weiterer Besitzer wiederherstellen, nur das Steuer blieb links – was in den meisten Ländern praktischer ist.

Verkaufspreis ohne Promibonus

Im Jahr 2022 kam der "Persicopio" (frühe LP 400 heißen so wegen des Knicks im Dach, der den Innen- erst zum Rückspiegel macht) zu Polo Storico, der Klassikabteilung von Lamborghini, und wurde dort restauriert. RM Sotheby's erwartete für den restaurierten Rockstar-Lamborghini einen Preis von etwa einer Million Euro. Inklusive Aufgeld für das Auktionshaus betrug der Verkaufspreis 989.375 Euro. Zu ähnlichen Beträgen wurden in der Vergangenheit auch schon frühe Countach ohne prominenten Vorbesitzer versteigert.

Vom Messe- zum Rockstar

Neun Jahre nach der Premiere des Countach rollte Lamborghini den Mittelmotor-Supersportwagen auf dem Genfer Autosalon erneut ins Rampenlicht. Denn 1982 brachte die Marke einen rundum modifizierten Countach auf den Markt. Für den LP 500S entwickelten die Italiener einen neuen 4,8-Liter-V12 mit 380 PS sowie einem größeren Weber-Doppelvergaser-Sextett. Zudem entwarfen sie für den "Facelift"-Countach, der ebenfalls als LP 5000S bekannt ist, eine aufgefrischte Karosserie mit leicht verändertem Front-Design, etwas breiteren Kotflügeln und umgestaltetem Heck.

Die Ausstellungsstücke der Messe wanderten nach Ende des Autosalons nicht etwa direkt ins Museum oder starben den Prototyp-Tod, sondern wurden regulär verkauft. Zumindest trifft das auf dieses Exemplar zu, das damit als der erste Serien-LP-500S gilt – oder zumindest als einer der ersten fünf. Der weiße Countach wurde in Italien als Neuwagen verkauft und gelangte über den Umweg Deutschland 1985 in die USA. Bei einem Händler in Los Angeles entdeckte Carlos Cavazo den Sportwagen-Keil. Der Amerikaner war drei Jahre zuvor bei der Rockband Quiet Riot eingestiegen, die Mitte der Achtzigerjahre ihre erfolgreichste Phase hatte.

Um den Countach in Kalifornien zulassen zu können, musste er jedoch umgebaut werden. Die Vergaseranlage wich einem elektronischen Einspritzsystem von BMW, um die dortigen Abgasvorschriften einzuhalten. Cavazo fuhr den LP 500S viele Jahre, in denen das Auto die meisten seiner 41.100 Meilen (66.144 Kilometer) sammelte. Nach eigene Aussage bewegte der Musiker den Lamborghini eher zurückhaltend; nur einmal soll er damit schneller als 150 mph (241,4 km/h) gewesen sein. Ende 2001 gab er ihn für eine Inspektion in der bekannten Werkstatt Franco's European Sports Cars im Los-Angeles-Stadtteil Van Nuys ab. Dort verblieb er etwa zwei Jahrzehnte; dann sollte eine Komplett-Restauration durchgeführt werden, für die der Countach zerlegt wurde.

Doch dazu kam es nicht: 2021 verstarb Werkstattbesitzer Franco Barbuscia. Der LP 500S, der bis dahin weiterhin Carlos Cavazo gehörte, fand einen neuen Besitzer, woraufhin Motor, Getriebe und Karosserieteile wieder ein- beziehungsweise angebaut wurden. Ansonsten verblieb das Auto im vorgefundenen Zustand. In diesem bietet Gooding & Company den Countach aktuell an – nicht zur Versteigerung, sondern per Privatverkauf. Der Preis beträgt 785.000 Dollar, was umgerechnet fast 730.000 Euro entspricht. In der Online-Anzeige wird der LP 500S als "original" beschrieben – wenn man von der anfangs installierten Vergaseranlage absieht, die nicht mehr vorhanden ist. Der ab Werk verbaute, derzeit nicht montierte Heckflügel liegt bei.

Der neunte gebaute Countach

03.02.2023 – Den neunten je gebauten Lamborghini Countach, der aufgrund seiner frühen Geburt der Periscopio-Charge angehört, hat das französische Auktionshaus Artcurial während der Oldtimer-Messe Rétromobile 2023 in Paris versteigert. Das Auto mit der Chassisnummer 1120018 ist der erste Countach, den der Importeur Thépenier in Frankreich verkauft hat. Ausgeliefert wurde das Auto in "Marrone" mit einem Interieur in "Senape". Während der Innenraum mit den orangefarbenen Ledersitzen weiterhin erhalten ist, bekam die Karosserie um 1980 herum einen neuen Lack in Silbermetallic und eine schmale rote Zierlinie verpasst.

Kurz danach, am 30. April 1982, wurde der Sportwagen auf seinen zweiten Besitzer im Département 47, Lot-et-Garonne, registriert. Im Jahr darauf kam schon der dritte – und bisher letzte – Besitzer ins Spiel. Der ließ das Auto am 2. Mai 1983 im Département 17, Charente-Maritime, auf sich zu. Der Arzt nutzte den Wagen zunächst täglich für Fahrten in seine Praxis in einem kleinen Ort. Weil ihm das Auto jedoch mit der Zeit zu auffällig wurde, ließ er ihn immer länger in der Garage stehen und bewegte ihn schließlich praktisch gar nicht mehr.

Der letzte Steueraufkleber stammt von 1996. Anfang der 2000er-Jahre stellte er ihn schließlich in eine Garage auf seinem Grundstück, das auf einer kleinen Insel vor La Rochelle liegt. Laut Beschreibung ist der Zustand des Countach trotz der langen Standzeit von etwa 20 Jahren recht ordentlich: Rost finde sich nur wenig und das originale Interieur habe nur leichte Patina, so der Auktionstext. Auf 800.000 bis 1,2 Millionen Euro hatte Artcurial den Wert des frühen Countach taxiert. Das obere Estimate wurde nicht erreicht: Inklusive Aufgeld kostete der Countach 953.600 Euro. Damit brachte dieser Countach im unrestaurierten Zustand praktisch das Gleiche wie eine anderer Periscopio, den RM Sotheby's Ende November 2021 verkauft hatte.

Der kam rum: Italien, USA, Frankreich

23.11.2021 – Den 55. je gebauten Countach – und damit einen frühen Periscopio – hat RM Sotheby’s am Freitag, 19. November 2021 versteigert. Der Sportwagen erzielte bei der Auktion auf dem Circuit Paul Ricard im französischen Le Castellet einen hohen Preis. Das Auto war Teil einer Sammlung automobiler Hochkaräter, die der Reedereierbe und Oldtimerhändler Jean Guikas zusammengetragen hat. Der Countach wurde auf einen Wert von 750.000 bis 900.000 Euro geschätzt und ohne Mindestpreis angeboten. Dem Höchstbietenden war er 905.000 Euro wert – inklusive Aufgeld für das Auktionshaus 950.250 Euro.

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Die Historie des Guikas-Countach ist ähnlich übersichtlich wie das Auto: Ausgeliefert wurde der damals noch rot lackierte Countach zu seinem Erstbesitzer nach Mailand, ging er 1977 zu seinem nächsten Besitzer in Bologna. Im nächsten Jahr wurde er zum dritten Besitzer nach Pittsburgh, Pennsylvania in die USA exportiert. Dort blieb der Countach 12 Jahre. Anschließend ging der Supersportwagen nach Kalifornien zu Besitzer Nummer vier, fünf und sechs. Während des California Concours 2003 unterschrieb der Designer des Autos, Marcello Gandini, auf der Instrumententafel. Von 2006 bis 2007 bekam der Countach eine Motorüberholung, außerdem wurden Karosserie und Innenraum hergerichtet. Die Rechnung belief sich auf 60.000 US-Dollar (damals rund 43.800 Euro). Nach Ende der Arbeiten wurde der Lamborghini wieder nach Europa verkauft. Wann der Countach schwarz lackiert wurde, ist unbekannt.  © auto motor und sport

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