Alpine soll künftig eine größere Rolle innerhalb des Mutterkonzerns Renault Group spielen. Die Marke, die bisher lediglich eine Sportwagen-Baureihe (A110, siehe Video) produziert und Namensgeber des konzerneigenen Formel-1-Teams ist, erhält der jüngsten Fassung des Strategieplans "Renaulution" zufolge mehr Verantwortung. Sie soll nicht nur eigene, dann rein elektrisch angetriebene Sportwagen sowie eine eigene Plattform entwickeln und bauen, sondern auch die Entwicklungsverantwortung für die sportlichen Renault-Modelle tragen. Das langfristige Ziel lautet, Alpine in eine Premium-Weltmarke zu verwandeln, unter deren Dach weitere Baureihen angeboten werden – neben Sportwagen und GT-Modellen auch Kompakt- und SUV-Baureihen.

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Video: Die Alpine A110 S Enstone Edition im Video

Laurent Rossi wird diesen Transformationsprozess nicht mehr begleiten. Der Korse muss den CEO-Posten, den er erst im Januar 2021 angetreten hatte, mit sofortiger Wirkung an Philippe Krief abtreten. Krief war zuvor Entwicklungschef bei Alpine und übt diesen Posten vorerst weiter in Personalunion aus. Er berichtet als neuer Alpine-CEO direkt an Konzernchef Luca de Meo, während sich Rossi nun laut Pressemitteilung auf "Projekte im Rahmen der Transformation der Renault Group konzentrieren" wird – was verdächtig nach Abstellgleis klingt.

Von Ferrari zu Alpine

Bevor Krief im Februar 2023 seinen Posten bei Alpine antrat, war er mehrere Jahre als technischer Direktor bei Ferrari tätig. Er war zudem bei Maserati und Alfa Romeo sowie bei weiteren Marken innerhalb der Fiat-Gruppe beschäftigt. Hinzu kommt eine Station beim Reifenhersteller Michelin. "Philippe weist eine lange Branchenerfahrung auf, großes technisches Wissen und Führungsqualitäten, die für den Erfolg der Marke, einschließlich der Einführung der neuen Alpine-Modelle ab dem nächsten Jahr, entscheidend sind", sagt de Meo über den neuen Alpine-Chef.

Auch für Rossi hat der Konzernchef bei dessen Abtritt von der CEO-Position warme Worte übrig. "Laurent hat eine klare und ehrgeizige Strategie für die Marke aufgestellt" und habe Alpine in die bestmögliche Position gebracht, um unsere langfristigen Ziele für die Marke zu erreichen. De Meo dankte Rossi zudem für "seinen unermüdlichen Einsatz" in den letzten zwei Jahren.

Stagnation in der Formel 1

Aus Motorsportkreisen heißt es, Rossis Demission hänge ebenfalls mit der enttäuschenden Entwicklung des Alpine-Formel-1-Teams zusammen. Statt näher an die Spitze zu rücken, stagniert die Truppe aus Enstone. In der bisherigen Saison hat sie in zehn Rennen erst 47 WM-Punkte gesammelt und belegt den enttäuschenden sechsten Rang in der Konstrukteurs-WM.

Auch bei den überraschenden Abgängen des Star-Piloten Fernando Alonso und des großen Nachwuchs-Talentes Oscar Piastri machte Alpine eine mindestens unglückliche Figur.

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Vorläufiger Höhe- oder Tiefpunkt – je nach Sichtweise – war Rossis verbaler Rundumschlag beim Miami Grand Prix. Damals, Mitte Mai 2023, bezeichnete er das eigene Team als "amateurhaft" und warf ihm vor, sich zu viele operative Fehler geleistet und zu schlechte Ergebnisse abgeliefert zu haben für das Geld, das dem Rennstall zur Verfügung steht. Beobachter rätseln nun, ob dies ein verzweifelter Weckruf gewesen war, der verpuffte, oder ob Rossi da bereits von seiner bevorstehenden Degradierung gewusst hatte.  © auto motor und sport

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