• Nicht nur Hartgesottene schwingen sich im Winter aufs Fahrrad. Der Trick ist die richtige Ausrüstung.
  • Und keine Eile! Wer sicher ankommen will, muss genug Zeit einplanen.

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Pünktlich mit dem ersten Türchen im Advent ist Winterwetter samt Eis und Frost über Deutschland gekommen. Doch auch für den Fall, dass uns ein warmer Winter bevorsteht: Auf dem Fahrrad ist es nicht gerade wohlig warm um diese Jahreszeit. Das hält aber viele nicht ab, täglich zwischen Büro und Wohnung in die Pedale tretend zu pendeln.

Wer coronabedingt im Homeoffice ist, vermisst sehr häufig die Fahrt mit dem Fahrrad. Das zeigte eine Studie des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). "Die Leute wollen auch im Winter fahren, ganz einfach, weil sie Spaß daran haben - vorausgesetzt die Ausrüstung stimmt", erläutert Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f).

Kleidung auf dem Fahrrad: Mix aus Kunststoff und Merinowolle

Stichwort Ausrüstung: "Die clevere Wahl der Kleidung ist entscheidend, ob die Fahrt zur Arbeit auch im Winter Freude bereitet oder zur Tortur wird", weiß Benjamin Topf. "Grundsätzlich sollte man auf das bekannte Zwiebelprinzip setzen, also mehrere Kleidungstücke übereinander tragen", erklärt der Chefredakteur des E-Bike- und Lifestyle-Magazins "Downtown":

  • Die unterste Schicht auf der Haut sollte möglichst aus einer Kunststofffaser bestehen. Sie kann den Schweiß von der Haut wegtransportieren.
  • Bei der mittleren Schicht, die den Körper warmhalten soll, könne man durchaus zu Merino greifen. "Das wärmt sensationell, selbst wenn das Material durch das Schwitzen leicht feucht wird", weiß Topf.
  • Für die oberste Schicht rät er zu einer Jacke, deren Material dauerhaft vor Wind und Nässe schützt.

Füße und Hände werden schnell kalt

Eine wasserfeste Softshell-Hose solle man sich ebenfalls leisten, findet Fehlau. Ebenso zählen Wind- und wetterabweisende Winterhandschuhe sowie eine Mütze, die unter dem Helm getragen werden könne, zur Grundausstattung. "Und für den Schutz der Füße gibt es spezielle Winterfahrradschuhe mit Klickpedale-kompatiblen Sohlen", so der Vielfahrer.

Auch Topf verweist darauf, dass die Extremitäten am ehesten schmerzen, wenn es mal richtig kalt werde. Dann gebe es für besonders kälteempfindliche "Kaltstarter" gar beheizte Handschuhe, Socken und Schuhsohlen sowie beheizbare Fahrradgriffe.

Optimale Fahrradreifen im Winter

Natürlich sollte aber nicht nur der Fahrer, sondern auch das Rad im optimalen Zustand sein. So weist Fehlau darauf hin, dass es beim Fahrrad zwar keine Winterreifenpflicht wie für Autos gebe, es aber dennoch ratsam sei, auf winterlichen Straßen einen buchstäblich profilierteren Reifen zu nutzen. "Es sollte ein breiter Reifen mit etwas Profil sein, auf gar keinen Fall aber sollte man mit Slicks fahren, also Reifen ohne Profil", präzisiert Topf.

"Reifen mit Spikes dagegen sind nur bei wirklich winterlichen Bedingungen wie verschneiten oder vereisten Wegen sinnvoll". Für Topf ist gerade auch im Winter die Pannensicherheit eines Reifens wichtig. Das Flicken einer Reifenpanne sei bereits bei gutem Wetter kein Spaß, bei widrigen Bedingungen werde daraus aber schnell ein realer Alptraum. "Schlauchlose Reifen, seit einigen Jahren State of the Art im Mountainbike-Bereich, ersparen einem solche Erfahrungen."

So werden Radfahrer gesehen

Mindestens ebenso wichtig wie der richtige Reifen aber ist die der Jahreszeit entsprechende Beleuchtung. "Bei dichtem Schneetreiben etwa sollten Radfahrer auch tagsüber mit Licht unterwegs sein", sagt Fehlau. "Viele Scheinwerfer im Nabendynamobetrieb verfügen über ein sensorgesteuertes Tagfahrlicht. Nur noch einschalten, der Scheinwerfer regelt den Rest".

Allerdings muss man die Ausrichtung des Scheinwerfers regelmäßig prüfen, um einerseits selbst optimal zu sehen und gesehen zu werden, andererseits aber nicht den Gegenverkehr zu blenden.

Bei Akku-betriebenen Lichtanlagen dagegen gilt es, vor Fahrtantritt sicherzustellen, dass die Akkus vollständig geladen sind, so Topf. Beim E-Bike sieht er in Lichtanlagen, die vom Akku des Bikes gespeist werden, eine clevere Alternative. Aber auch Reflektoren können die Sicherheit erhöhen. Und zwar an den Stellen des Körpers, die sich während der Fahrt bewegen. Dazu noch ratsam: ein an der Sattelstütze montiertes, rotes Dauerrücklicht.

Genug Zeit einplanen, um Hektik zu vermeiden

Für Fehlau zählt auch ein kluges Routenmanagement zur sinnvollen Vorbereitung auf den Winter. "Grundsätzlich gilt in Bezug auf die Fahrweise Gang rausnehmen." Das sei natürlich im übertragenen Sinne gemeint. Also mehr Zeit einplanen und früher starten. "Damit unterwegs nicht die Sorge aufkommt, zu spät zu kommen, vielleicht zur Arbeit oder zu einem anderen wichtigen Termin". Dann werde man womöglich hektisch. "Und Hektik bedeutet Gefahr", erinnert er. Hektik sollte man also vermeiden, um sicher anzukommen.

Der abschließende Rat des Winterfahrers, der auch schon bei -34 Grad Celsius unterwegs war: "Ist Schneefall angesagt, ist es sinnvoll, sich zu erkundigen, welche Straßen morgens als erste geräumt werden, ein vermeintlicher Umweg über eine freie Straße führt dann oft schneller ans Ziel." (af/dpa)

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