Alle zwei Minuten passiert in Deutschland ein Wildunfall. Oft kommt es infolge des Wildwechsels zu schweren Sach- und Personenschäden. Wer selbst mit einer solch gefährlichen Situation konfrontiert wird, sollte in Sekundenschnelle richtig reagieren.

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Im Jahr 2016 wurden den deutschen Kaskoversicherungen 264.000 Wildunfälle gemeldet. Dadurch waren Schäden in Höhe von 682 Millionen Euro zu regulieren. Die Dunkelziffer der Unfälle bei Wildwechsel dürfte aber noch höher liegen.

Denn viele ältere Autos sind nicht kaskoversichert, wodurch deren Unfälle nicht in diese Statistik eingehen. Doch nicht nur der finanzielle Schaden ist erheblich: Jedes Jahr gibt es auch über 2.500 Verletzte und sogar Tote infolge von Wildunfällen zu beklagen.

Unfallschwerpunkt Wald- und Feldrand

Grund genug also, diese Unfallursache ernst zu nehmen. Schwerpunkte von Wildunfällen sind Wald- und Feldränder. Die gefährlichsten Zeiten sind 5 bis 8 Uhr morgens und 17 bis 0 Uhr abends - also besonders die Phasen der Dämmerung. Zu diesen Zeiten wechselt das Wild quasi zwischen Nachtquartier und Mittagstisch.

Die beste Vorsorge gegen Wildunfälle ist eine angepasste Geschwindigkeit auf gefährdeten Strecken. Wenn in 50 Metern Entfernung ein Wildtier auf die Fahrbahn springt, ist aus 80 km/h das Anhalten gut möglich.

Bei 100 km/h oft nicht mehr. Steht das Tier bereits auf oder am Rande der Fahrbahn, sollten Fahrer das Tempo stark reduzieren und nach Möglichkeit anhalten, abblenden und hupen. Das vertreibt das Wild in der Regel. Die Lichthupe oder das Fernlicht wären in dem Moment schädlich, denn das irritiert die Tiere nur zusätzlich.

Ein Reh kommt selten allein

Wenn ein Reh, Hirsch oder Wildschwein davonläuft, ist die Gefahr damit noch nicht gebannt. Denn diese Wildtiere sind meist in Rudeln unterwegs. Deswegen müssen Fahrer damit rechnen, dass noch andere Tiere in der Nähe auf die Straße laufen.

Sollte ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden sein, heißt die einzig richtige Devise: Lenkrad festhalten und Vollbremsung. Spontane scharfe Ausweichmanöver sind viel zu gefährlich. Zu leicht gerät das Auto dabei in den Gegenverkehr, prallt gegen einen Baum oder überschlägt sich. Solche Unfälle sind erheblich gefährlicher als eine Kollision mit einem Tier.

Sollte ein Wildunfall passiert sein, sind die ersten Schritte wie bei jedem Unfall: Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen. Nach der Sicherung der Unfallstelle ist die Polizei zu benachrichtigen. Diese informiert den zuständigen Förster oder Jagdpächter.

Vorsicht bei Annäherung an verletzte Tiere

Von den verletzten oder toten Tieren halten sich Autofahrer besser fern. Denn verwundetes Wild kann durch Tritte oder Bisse Verletzungen hervorrufen. Bei toten Tieren droht die Übertragung von Krankheiten. Um das Bergen des Tieres kümmert sich der Förster oder Jäger.

Wichtig ist für den Fahrer, am Unfallort Beweise zu sichern. Denn damit der Fahrer einen Wildschaden im Rahmen der Teil- oder Vollkaskoversicherung geltend machen kann, muss er den Unfall nachweisen.

Dabei helfen Fotos vom beschädigten Auto und dem toten Tier. Ebenfalls wichtig ist eine Wildunfallbescheinigung. Diese stellen die Polizei, der Förster oder der Jäger aus. Die Versicherung zahlt allerdings nur für Schäden, die bei Kollisionen mit Haarwild auftreten.

Für Unfälle mit Haus- und Nutztieren gilt der Versicherungsschutz nicht. Dafür ist eine Kaskoversicherung erforderlich, die ausdrücklich "Tiere aller Art" einschließt.  © 1&1 Mail & Media / CF

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