Gelegentliche Angstgefühle beim Autofahren sind nicht ungewöhnlich. Schwierige Situationen im Verkehr oder erlebte Unfälle können leicht verunsichern. Mit den richtigen Gegenmaßnahmen lassen sich solche Probleme aber zumeist in den Griff bekommen.

Weitere Themen rund ums Auto

Schweißnasse Hände, Schwindelgefühle, innerliche Spannungen und Verkrampfung – typische Symptome von Angstzuständen und Panikattacken. „Viele Betroffene wissen gar nicht, dass diese Beschwerden psychisch begründet sein können“, sagt der Diplom-Psychologe Klaus Peter Kalendruschat von TÜV Nord.

Erinnerungen an Ängste wecken neue Ängste

Als Auslöser für eine solche Panikattacke kann beim ersten Mal schon ein hoher Stresslevel genügen. Der wiederum wird vielleicht ausgelöst durch eine schwierige Situation aus der Vergangenheit. Ergibt sich diese oder eine ähnliche Situation erneut, kehrt womöglich die Erinnerung an die erlebte Panikattacke zurück. Das alleine reicht schon, um Missbehagen auszulösen. „Die Angst vor der Angst wird selbst zum Auslöser“, erklärt der Diplom-Psychologe Klaus Peter Kalendruschat. „In den Körper hineinhorchen und gedanklich um etwaige Symptome kreisen – das ist wie Treibstoff für Panikattacken.“

Nach einer Umfrage der Versicherung CosmosDirekt aus dem Jahr 2013 wird der Mehrzahl der Autofahrer in bestimmten Situationen unbehaglich. 59 Prozent der Befragten nannten „Schlechte Sichtverhältnisse“ als Ursache für ein mulmiges Gefühl. Ebenfalls häufig genannt wurden Baustellen auf der Autobahn (39 %), Fahrten in größeren Städten (28 %), in Tunnels (25 %) und auf ungewohnten Strecken (23 %).

Schwierige Situationen möglichst entschärfen

Einige dieser Situationen lassen sich leicht entschärfen. Bei schlechter Sicht durch Nebel oder Starkregen zum Beispiel sollten Autofahrer konsequent die Geschwindigkeit senken und auf der Autobahn auf die rechte Spur wechseln. Die rechte Spur ist auch in engen Autobahnbaustellen die beste Wahl. Denn sie ist breiter, und es wird dort langsamer gefahren.

Für unbekannte Strecken und in großen Städten bietet sich ein Navigationsgerät an. Das Navi weist bei Bedarf den richtigen Weg und schafft so Sicherheit und mentale Kapazitäten.

Unter ungünstigen Voraussetzungen kann es jedoch passieren, dass sich chronische Fahrängste herausbilden. Das kann besonders jenen Menschen leicht passieren, die bei einem Autounfall verletzt wurden. Selbst dann, wenn die Verletzung gering war, kann es passieren, dass die Psyche in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit und dauernder Übererregung versetzt wird. Die Unfallsituation drängt sich dann immer wieder ins Bewusstsein. Solche Ängste treten möglicherweise nur in bestimmten Situationen auf, etwa bei Nacht oder auf der Autobahn.

Eine andere Quelle von Unwohlsein beim Autofahren sind soziale Ängste. So kann es Furcht auslösen, sich beim Einparken zu blamieren, von Beifahrern kritisiert zu werden oder vielleicht an der Ampel den Motor abzuwürgen.

Wenn Ängste zu Phobien werden

Gelegentliches Unbehagen in bestimmten Situationen ist kein ernstes Problem und weit verbreitet. Eine Gefahr ist indes, dass sich die Ängste durch Vermeidungsverhalten manifestieren. Wer sich den unangenehmen Situationen nicht aussetzen möchte, fährt vielleicht nur noch kurze Strecken in der Nachbarschaft und meidet das Auto sonst so weit wie möglich.

An der Stelle ist möglicherweise die Schwelle von den Ängsten zur Agoraphobie überschritten. So nennt man eine Angststörung, bei der die Betroffenen bestimmte Situationen meiden. Das können große Menschenmengen sein, weite Plätze (Platzangst), enge Räume (Klaustrophobie) oder eben das Autofahren.

So weit muss es jedoch nicht kommen. „Ängste lassen sich in der Regel gut psychotherapeutisch behandeln“, weiß Klaus Peter Kalendruschat. In jedem Fall sollte man die Beschwerden medizinisch klären lassen, um eine körperliche Erkrankung, etwa am Herzen, auszuschließen, rät der Diplom-Psychologe vom TÜV Nord.© 1&1 Mail & Media / CF