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US-Oldtimer auf Kubas Straßen

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Oldsmobile, Chevys oder Buicks - noch wird das Straßenbild Kubas von US-Automobilen aus den 1950er und 60er Jahren geprägt. Doch die Zeiten ändern sich. © 1&1 Mail & Media

Auch vor dem Parlament kann man sich ein Taxi chartern - und sitzt wahrscheinlich dann in einem hochbetagten Oldtimer "made in USA". Die Kubaner lieben ihre vorrevolutionären Gefährte und halten sie mit viel Phantasie und Geschick fahrtüchtig.
Fahrten über Land sind inzwischen dank besserer Straßen ebenfalls möglich. Bei Preisen von unter einem Dollar pro Kilometer ist eine Spritztour mit dem Taxi für Touristen erschwinglich.
Als 1957 die ersten Straßenkreuzer aus Detroit auf der Insel eintrafen, sah das noch anders aus. Außerhalb der großen Städte ging mit dem Auto eigentlich nichts. Auf dem Land war man schon froh, wenn die Wege mit dem Pferdewagen passierbar waren.
Allen Widrigkeiten zum Trotz entwickelte sich Kuba zum Exportmarkt Nr. 1 für die US-Autoindustrie. Ford und General Motors machten exzellente Geschäfte, die Lieferwege waren kurz und die Kubaner hatten dank guter Zuckerrohr-Geschäfte das nötige Geld.
Vor allem aber waren die Kubaner bereit, ihr Geld für die amerikanischen Straßenkreuzer auszugeben, denn die liebten die Karossen aus den USA - wie diesen Ford Edsel, der in den USA floppte.
Kuba konnte sich Ende der 1950er Jahre rühmen, die höchste Pro-Kopf-Rate an Autos in ganz Süd- und Mittelamerika zu besitzen. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge überschritt schnell die Marke von 100.000.
Mit der siegreichen Revolution - Castro fuhr nun im Oldsmobil durch die Straßen, Che Guevara im Chevrolet - änderte sich die Sache. Die USA ließen die Kubaner zunächst auf ihrem Zucker sitzen und verhängten 1960 schließlich ein vollständiges Ausfuhrverbot für Autos über den Inselstaat.
Für die US-Autoindustrie bedeutete das Embargo das Ende des Export-Booms, für die Kubaner die Isolation. Neue Modelle kamen nicht mehr ins Land, zumindest nicht aus den USA. Statt Chevrolets rollten nun Ladas und Wolgas auf die Insel, die allerdings nur für Privilegierte bestimmt waren.
Was allerdings blieb, war der Altbestand aus den 1950er- und 60er-Jahren, den die Kubaner bis heute liebevoll pflegen. Und da Not bekanntlich erfinderisch macht, ist seit vielen Jahren basteln angesagt. Oft heißt das für die Straßenkreuzer: amerikanische Hülle, russische Innereien.
So spricht der heutige Zustand der Oldtimer für Zweierlei: Die exzellente Qualität der Fahrzeuge aus den 1950er und 1960er Jahren und den Erfindungsreichtum der Kubaner.
Bei aller Fingerfertigkeit: Heute sind viele der stolzen Karossen reif für den Autofriedhof. Was nicht heißt, dass sie nicht weiterhin Verwendung finden würden. Gerade für die Jüngsten sind sie begehrte Objekte und ein willkommener Schutz vor der Sonne.
Wie lange die Straßenkreuzer das Stadtbild noch bestimmen, ist unklar, denn nicht nur der Verfall stellt eine Bedrohung dar. Seit Herbst 2011 ist der über Jahrzehnte untersagte Neuwagenhandel wieder erlaubt und so strebt reichlich Konkurrenz auf den kleinen Markt.
Noch aber fahren die Einheimischen ihre geliebten US-Oldtimer. Von außen sind sie top, innen hat der Zahn der Zeit schon so manches Polster abgenagt.
Doch selbst nach über 50 Jahren bleibt das Interieur oft ein echter Hingucker. Gerade weil man nichts so einfach ersetzen konnte, sind viele Details im Original erhalten geblieben.
Und wer als Tourist auf die Insel kommt, sollte unbedingt eine der Schönheiten mieten. Neben der fast obligatorischen Stadtrundfahrt kann man sich ans Meer oder quer durchs Land chauffieren lassen.
Und so bleibt vom Kuba-Besuch bis heute fast immer auch der fröhliche Eindruck der bunten Oldtimer. Wer nicht innerhalb der Hotelmauern sein Urlaubs-Dasein fristet, wird sie staunend entdecken und zumindest fotographisch mit in die Heimat nehmen.
Denn die Bilder der kubanischen Karossen vom Klassenfeind sind doch einfach zu schön, oder?
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