Am vergangenen Samstag (20.5.2023) fand eine von RM Sotheby's organisierte Auto-Auktion statt. Dabei stand die Achtzigerjahre-Sportwagen-Ikone Ferrari Testarossea im Mittelpunkt. Jenes Pininfarina-Meisterstück, das allein dank seines Designs zur Legende geworden wäre. Diese flache Front mit Klappscheinwerfern! Diese ausladenden Seitenkästen mit den markanten Kühlrippen! Dieser ultrabreite Hintern! Und dann diese markanten Details wie Form und Position der oder des Außenspiegel(s) – mehr dazu später -, die steile hintere Scheibe, die vergitterte Heckpartie ... Hier ließen sich unzählige Details aufzählen.

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Video: Vorstellung: Ferrari Testarossa, 512 TR und F512 M

Aber da ist noch viel mehr, denn bei der Technik sind wir noch nicht einmal angekommen. Beim zwischen Fahrgastzelle und Hinterachse verbauten 4,9-Liter-V12 mit seinen rot lackierten Ventildeckeln, der dem Testarossa seinen Namen verlieh ("roter Kopf") und mit ungewöhnlichem Layout aufwartet, nämlich als 180-Grad-V-Motor. Dazu das Chassis mit seinem Hilfsrahmen, der die Motor-Getriebe-Einheit aufnimmt und abgetrennt werden kann, um einen besseren Zugang zum Triebwerk zu erhalten. Von der popkulturellen Bedeutung des Testarossa, der nicht nur in vielen "Miami Vice"-Folgen zu sehen war, sondern sogar zu Dieter Bohlens Fuhrpark gehörte, ganz zu schweigen.

Quintett wurde versteigert

Fuhrpark ist ein gutes Stichwort: Das Testarossa-Quintett, das da am Comer See versteigert wurde, entstammt einer Sammlung, die offensichtlich ein Liebhaber oder eine Liebhaberin sowohl der Marke Ferrari als auch der Farbe Schwarz zusammengestellt hatte. Diese Lackierung und das schwarze Interieur eint die italienische Fünferbande; passend dazu wurde sie von RM Sotheby's "Black On Black Collection" genannt. Jedes Exemplar verkörperte eine unterschiedliche Phase des Testarossa-Daseins. Sie wurden alle ohne Mindestpreis versteigert – zu teils überraschenden Preisen.

"Monospecchio" – der mit dem Spiegel

Der älteste Vertreter stammte aus dem Modelljahr 1986. Kennern fällt bei ihm sofort der Begriff "Monospecchio" ein: Er verfügte über den nur auf der Fahrerseite und weit oben an der A-Säule angebrachten Außenspiegel. Nicht lange, nachdem Ferrari die Produktion des Testarossa aufnahm, wanderte der Spiegel nach unten. Weil zudem die Zulassungsbestimmungen auf dem Hauptmarkt USA ein zweites Exemplar auf der Beifahrerseite forderten, erhielt der V12-Sportler dieses bald ebenfalls. Damit gab Ferrari ein charmantes Alleinstellungsmerkmal auf.

Testarossa, die es aufweisen, werden üblicherweise zu etwas höheren Preisen gehandelt als andere. RM Sotheby's kam zu einer etwas anderen Einschätzung: Die Auktionatoren rechneten mit einem Verkaufspreis zwischen 120.000 und 180.000 Euro. Sie hatten mit ihrer Einschätzung recht: Der Monospecchio wurde für 126.500 Euro verkauft.

Spezielle Felgen beim "Monodado"

Der ebenfalls angebotene 1987er Testarossa (Schätzpreis zwischen 120.000 und 180.000 Euro, verkauft für 172.500 Euro) hatte zwar zwei herkömmliche Spiegel, kam in Sachen Spitznamen aber ebenfalls monothematisch daher. "Monodado" kennzeichnet die Modelle, deren 16-Zoll-Felgen mit Zentralverschluss an der Radnabe befestigt sind. Diese präsentiert übrigens auch ein "Monospecchio", der damit automatisch zusätzlich ein "Monodado" ist.

Fast schon langweilig: 1989er Testarossa

Dagegen fast schon langweilig ist das – in Bezug auf's Baujahr – mittlere Exemplar von 1989, das als Neuwagen innerhalb Italiens verkauft wurde. Es hatte zwei Außenspiegel und gewöhnliche Fünflochfelgen. Dafür im Vergleich zu den früheren Testarossa-Generationen ein verbessertes Fahrwerk und ein leicht aufgefrischtes Design: So sitzen in der Frontschürze anders gestaltete Leuchten. RM Sotheby's verpasste ihm den geringsten Schätzpreis des Quintetts (100.000 bis 150.000 Euro). Und lag damit leicht daneben, denn er ging bei der Auktion für 143.750 Euro weg.

Video: Im Video: Testarossa by Officine Fioravanti

Gründlich überarbeitet: 512 TR

Eine deutlich größere Zäsur erfolgte 1991. Erstmals wagten Pininfarina und Ferrari, das Design umfassender zu verändern. Vorn änderten sich das Grill- und Leuchten-Design, hinten zeigte sich die Motorabdeckung flacher und durch das Heckgitter schimmerten fortan abgedunkelte Lichteinheiten. Zudem büßte der Testarossa seinen Namen ein; er hieß nun – wie das hier ebenfalls angebotene Exemplar von 1992 – 512 TR.

Als Trost gab es deutlich mehr Leistung für den Zwölfzylinder, und zwar 428 statt 390 PS. Das maximale Drehmoment verharrte jedoch bei 490 Newtonmetern. Der Schätzpreis von 180.000 bis 250.000 Euro wurde mit 286.250 Euro klar übertroffen.

Testarossa-Abgesang: 512M

Bei der letzten großen Modellüberarbeitung 1994 ging sogar die Abkürzung TR flöten; Ferraris großes 180-Grad-V12-Mittelmotor-Coupé hieß jetzt 512M (für "Modificata"). Die Modifizierungen des Designs machten ihn jedoch nicht gerade schöner: Die Klappscheinwerfer wichen Klarglas-Pendants, hinten rückten runde Leuchten neben ein schmaleres Gitter und an den Rädern mit verzogenem Stern und Verschraubungen am Felgenhorn scheiden sich auch heute noch die Geister. Immerhin legte das Triebwerk erneut an Power zu und lieferte nun 440 PS sowie höchstens 500 Newtonmeter.

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Das versteigerte Exemplar war ein ganz spätes Modell von 1996 und wurde nach Deutschland erstausgeliefert. Im selben Jahr wurde die Testarossa-Produktion nach nur 501 Exemplaren in 512M-Spezifikation eingestellt. Die geringe Stückzahl erklärt den Schätz- (230.000 bis 300.000 Euro) und Verkaufspreis (297.500 Euro) – beides markierte den Höchstwert innerhalb des Ferrari-Quintetts.  © auto motor und sport

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