• Der Dezember bringt vielerorts einen Kurzwinter.
  • Nun gilt besondere Vorsicht beim Autofahren.
  • Experten geben Tipps, worauf Sie bei Eis und Glätte achten sollten.

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"Wann gibt’s bei uns denn schon noch Schnee?" Geht es um winterliche Bereifung und eine der Jahreszeit angepasste Fahrweise, ist dieser Satz häufig zu hören. Experten wie Bernd Stürmer vom TÜV Nord können das nicht nachvollziehen: "Immer häufiger erleben wir schnelle Wetterumschwünge."

Ein solcher Umschwung ist etwa für diese Woche angekündigt: Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) kann es bis in tiefe Lagen Schnee oder Schneeregen geben, teils auch gefrierenden Regen. Autofahrer müssen generell um diese Jahreszeit damit rechnen, dass sie plötzlich auf andere, eben winterliche Straßenverhältnisse treffen.

Da ist eine behutsame Fahrweise angesagt. Der ADAC erinnert zudem daran, schon vor dem Losfahren achtzugeben, ob das Auto frei ist von Frost und Eis. Entsprechende Kratzer und Besen sollten nun immer bereitliegen. Hier weitere Tipps des Automobilclubs für das Fahren im Winter:

  • Winterreifen sollten montiert sein - Experten empfehlen sie für den Zeitraum Oktober bis Ostern.
  • Drosseln Sie generell das Tempo, kalkulieren Sie mehr Zeit für Ihre Fahrt ein.
  • Vergrößern Sie den Sicherheitsabstand zum Auto vor Ihnen.
  • Auf glatten Straßen zahlt sich niedertouriges Fahren im hohen Gang aus, die Reifen bauen besseren Grip auf. Fahren Sie beispielsweise im zweiten Gang an.
  • Vermeiden Sie ruckartiges Lenken. "Kommt das Fahrzeug auf gerader Strecke trotzdem ins Schleudern, auskuppeln, bremsen und schnell, aber gefühlvoll gegenlenken." Reagiere das Fahrzeug nicht mehr, helfe nur eine Vollbremsung, heißt es vom ADAC.

Warum Vollbremsung in manchen Situationen wichtig ist

Von hektischen Manövern rät auch Bernd Stürmer vom TÜV Nord generell im Winter ab. Schnelles Gasgeben sollte ebenso vermieden werden wie hastige Lenkbewegungen, durch die das Auto schnell ins Schleudern geraten kann.

Ist die Straßensituation unklar, weil beispielsweise gerade Schnee fällt oder die Temperaturen den Gefrierpunkt erreicht haben, rät Stürmer zu einem kurzen Bremstest auf freier Strecke.

Übung hilft Autofahrern, im Ernstfall richtig zu reagieren. Eine gute und laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) viel zu wenig genutzte Möglichkeit sind Fahrsicherheitstrainings. "Das lohnt sich immer, denn die Erfahrung zeigt, dass die Autofahrer anschließend wesentlich sicherer fahren", sagt Welf Stankowitz vom DVR.

Ein Schwerpunkt bei den Trainings ist das richtige Bremsen: Viele hätten Angst, gerade bei Eis und Schnee voll zu bremsen. Aber genau das sei das Richtige, betont der Experte. Die Elektronik im Anti-Blockiersystem regele dann den Bremsvorgang optimal, so dass man das Fahrzeug noch lenken kann, um auszuweichen.

Tipps für Autofahrer beim Training

Fahrsicherheitszentren gibt es im gesamten Bundesgebiet, sie werden vom ADAC und den Landesverkehrswachten betrieben. "Die Straßenglätte wird hier durch einen sehr effektiven Gleitbelag simuliert. Im Training kann man dann bei bereits geringen Geschwindigkeiten üben, wie sich das Auto verhält, wenn es bei Schnee und Eis ausbricht", sagt Andreas Hölzel vom ADAC.

Ein Tageskurs kostet rund 120 Euro. An den Kursen nehmen die Autofahrer immer mit dem eigenen Wagen teil. "Der Autofahrer bekommt bei den Trainings mit der Gleitfläche ein Gespür dafür, was zu tun ist, wenn er auf Glätte ins Rutschen oder Schleudern gerät", sagt Hölzel.

Entscheidend sei, dass Autofahrer bei den Übungen die Kompetenz für riskante und gefährliche Situationen erlernen und dann auch anwenden könnten. Dazu gehört auch der Rat, die Kupplung zu treten, wenn der Wagen ins Rutschen gerät. So kann das Auto wieder in die Spur kommen.

Kurven können im Winter besonders tückisch sein, etwa wenn sie teilweise vereist sind. "In solchen Bereichen gilt besonders: nicht stark beschleunigen, gleichmäßig lenken und auf keinen Fall die Reifen blockieren lassen", sagt Stürmer. Denn ansonsten komme der Wagen schnell ins Rutschen.

Gute Winterreifen sind das A und O

Bei der Frage, ob Schaltung oder Automatik die bessere Wahl ist, gehen die Meinungen oft weit auseinander. Beim Fahren auf winterlichen Straßen aber sehen Experten die Automatik im Vorteil. Das Anfahren klappt laut Hölzel auf schneeglatter Fahrbahn meist leichter.

"Aber egal, ob Schaltwagen, Automatik oder Allrad - ohne gute und geeignete Reifen funktioniert bei Glätte nichts wirklich gut. Alle bremsen gleich schlecht, wenn die Reifen nicht stimmen", meint Andreas Hölzel vom ADAC. Bei Glätte seien gute Reifen das A und O. "Die ganzen Fahrassistenzsysteme, die das Auto stabil halten sollen, arbeiten nur mit dem Grip, den gute Reifen aufbauen können."

In einer Situation nützen aber auch die besten Reifen nichts mehr, warnt der ADAC: "Ist die Fahrbahn mit Eis überzogen, etwa nach Eisregen, hilft nur eins: Auto stehen lassen, Straßendienst abwarten. Die Haftung zwischen Reifen und Straße ist gleich null." (af)

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • ADAC