Akio Toyoda, Ex-Chef des japanischen Autobauers Toyota, unterstreicht immer wieder, wie sehr ihm sportliche Autos am Herzen liegen. Blickt man in die jüngere Vergangenheit, so ließ Toyoda seinen Aussagen auch Taten folgen. Der GR86 machte den Anfang, dann verfeinerte die hauseigene Sportabteilung Gazoo Racing (GR) erst die neue Supra und später den Yaris als Ableger des aktuellen WRC-Rallyeautos. Nur das schon lange angekündigte Hybrid-Hypercar lässt auf sich warten; das Projekt stockt aus diversen Gründen. Dafür tritt mit aller Macht der Toyota GR Corolla ins Rampenlicht.

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Video: Das ist der neue sportliche Toyota GR Corolla

Design

Der Hyundai-i30-N- und VW-Golf-R-Konkurrent haut optisch sogar noch etwas heftiger auf den Putz als der wahrlich nicht introvertiert auftretende kleine Bruder GR Yaris, obwohl er die Grundkarosserie des eher langweiligen Corolla Sport übernimmt. Die neue Frontschürze präsentiert einen per Wabengrill vergitterten Kühleinlass-Schlund. Die weit ausgestellten Radhäuser zeigen sich vorne mehrfach geschlitzt und hinten auf die Karosserie aufgesetzt. Sie verbreitern den GR Corolla im Vergleich zum Basismodell an der Vorderachse um 20 und im hinteren Bereich um 30 Millimeter.

Hinten präsentiert der GR Corolla eine schwarze Spoilerlippe. Die im Zentrum schwarze Heckschürze greift die Optik des vorderen Fahrzeugendes auf. In deren unterem Bereich sitzt ein Diffusor, der das wohl auffälligste Design-Detail des Toyota GR Corolla einrahmt: Die drei Endrohre der Abgasanlage, deren äußere Vertreter klassisch rund geformt sind, während das zentrale Element ein Oval darstellt. Über die Karosserie verteilen sich mehrere GR-Embleme; in den hinteren Bereich der Seitenschweller ist der Schriftzug "GR-Four" eingeprägt.

Antrieb

Ein Hinweis auf den variablen Allradantrieb mit elektronischer Lamellenkupplung, den Toyota dem neuen GR Corolla spendiert. Dessen Drehmoment-Verteilung lässt sich dreistufig justieren: 60:40 zugunsten der Vorderräder, 50:50 oder mit hecklastiger Auslegung im Verhältnis 30:70. Torsen-Sperrdifferenziale an beiden Achsen sollen gegen Aufpreis die Traktion optimieren.

Der 4WD-Antrieb ist nicht die einzige technische Analogie zum GR Yaris. Der größere Bruder übernimmt auch dessen 1,6 Liter großen Dreizylinder, allerdings in getunter Form. Der Benziner leistet dank Turboaufladung und Ladeluftkühlung 304 PS und liefert ein Drehmoment-Maximum von 370 Newtonmetern. Der Auspuff soll übrigens hauptverantwortlich sein für die gegenüber dem GR Yaris (261 PS und höchstens 360 Newtonmeter) erreichte Zusatz-Power. Die sechs Gänge sortieren die Fahrerin oder der Fahrer eigenhändig.

Fahrwerk

Das im Grund-Layout vom Corolla Sport übernommene Fahrwerk arbeitet an der Vorderachse mit MacPherson-Streben und hinten mit doppelten Querlenkern und weist zusätzlich verbesserte Federn, Dämpfer und Kugellager auf. Die Spur ist vorn 60 und hinten 85 Millimeter breiter als beim Standard-Corolla. Gazoo Racing spendiert seinem Neuling drei Fahrmodi, die sich unter anderem auf das Ansprechverhalten des Gaspedals und der Lenkung auswirken. Zusätzliche Verstrebungen im Hinterwagen sollen die Verwindungssteifigkeit optimieren.

Video: Im Teaservideo: Toyota GR Corolla

Die stets in glänzendem Schwarz lackierten, ein 15-Speichen-Design präsentierenden und 18 Zoll messenden Felgen bestückt Gazoo Racing rundum mit Michelin Pilot Sport 4-Reifen der Dimension 235/40 R18. Die Bremsanlage arbeitet an der Vorderachse mit 355 Millimeter großen Scheiben und Vierkolben-Sätteln. An der Hinterachse kommen 297 Millimeter große Discs und Zweikolben-Zangen zum Einsatz. Das umfangreich bestückte Toyota-Safety-Sense-Paket der dritten Generation ist natürlich auch im GR Corolla an Bord.

Innenraum

Als klassischer Hot Hatch behält der Toyota GR Corolla die Alltagstauglichkeit seiner biederen Geschwister bei. Der 4,41 Meter lange, 1,85 Meter breite und 1,48 Meter hohe 1,5-Tonner (Radstand 2,64 Meter) verfügt nach wie vor über fünf Türen und Sitze. Ob beim Kofferraum, der beim normalen Corolla 361 Liter Fassungsvermögen aufweist, Abstriche gemacht werden müssen, behält Toyota bislang für sich.

Zudem erkennen wir die typische Corolla-Ästhetik wieder; allerdings zeigt der GR Details, die auf das Thema Fahrspaß einzahlen sollen. Das 12,3 Zoll große Instrumenten-Display weist eigenständige Anzeigen auf, für schnelle Gangwechsel ist der Schalthebel eher kurz gehalten, und der klassische Handbremshebel ist dafür da, um bei Bedarf Drifts einleiten zu können. An den schwarzen Sitzen zeigen sich silberne Kontrastnähte.

Schärfere Circuit Edition

Neben dem Standard-GR-Corolla bietet Toyota in den USA seit Frühjahr 2023 die nachgewürzte Circuit Edition an. Hier trägt die Motorhaube Luftauslässe, ist die Frontschürze anders vergittert und mündet die aus "Forged Carbon" gefertigte Dachpartie in einen größeren Flügel, der den stärker ausgeformten Diffusor komplementiert. Die Farbpalette besteht aus den drei Lackierungen "Ice Cap" (weiß), "Supersonic Red" (rot) und "Heavy Metal" (mattgrau). Innen tragen die Sitze und der Schaltknauf Bezüge aus speziellem Wild- sowie Kunstleder, setzen rote Nähte sportliche Akzente und sorgen die beheizten Vordersitze sowie das Acht-Zoll-Touchscreen-Infotainment-System samt JBL-Soundanlage für Komfort und Unterhaltung. Die beim normalen GR Corolla optionalen beiden Sperrdifferenziale und rot lackierte Bremssättel sind hier serienmäßig an Bord.

Eigentlich wollte Toyota nur maximal 1.500 Exemplare der Circuit Edition bauen und die Version auf das Modelljahr 2023 beschränken. Doch die Nachfrage hat das Angebot deutlich überstiegen. "Wir sehen eine große Begeisterung für den GR Corolla, insbesondere für die Circuit Edition", sagte Michael Tripp, bei Toyota USA als Vizepräsident zuständig für Marketing und PR, Ende Februar 2023. Deshalb bieten die Japaner den GR Corolla auch im Modelljahr 2024 in der Circuit Edition an.

Allerdings ist die neue Cicuit Edition etwas anders spezifiziert als die bisherige. Auffälligste Änderung ist die Farbe: Der Ton "Blue Flame" ersetzt die Lackierungen "Supersonic Red" und "Heavy Metal", während "Ice Cap" im Angebot bleibt. Die schwarzen 18-Zoll-Räder aus geschmiedetem Aluminium mit Michelin-Pilot-Sport-Cup-2-Reifen im Format 235/40 ZR18 leitet Gazoo Racing von der Morizo Edition ab (siehe unten). Leicht umgestylte Stoßfänger vorn und hinten sowie schwarze, im Schwellerbereich aufgebrachte Grafiken mit eingeprägtem GT-Four-Schriftzug runden das äußere Umstyling ab. Innen sind die zuvor roten Akzentnähte nun blau und zieht ein gleichfarbiger Streifen am Schaltknauf die Blicke auf sich. Technische Detailarbeit haben die Toyota-Ingenieure bei der Aerodynamik und am Fahrwerk vorgenommen.

Hardcore-Version Morizo Edition

Die Circuit Edition ist aber nicht die heftigste Modellvariante des GR Corolla. Als Morizo Edition geht der Hot Hatch nämlich so richtig steil. Einerseits optisch: Den Design-Merkmalen der Circuit Edition fügt die Hardcore-Version vorne zusätzliche Lufteinlässe hinzu, mit denen die Vorderradbremsen effektiver gekühlt werden. Beim Technik-Paket hat übrigens Konzernchef Akio Toyoda wieder seine Finger im Spiel. Nicht nur, dass das Sondermodell nach ihm benannt ist (wenn er Rennen fährt, tritt der Toyota-Boss unter dem Pseudonym Morizo Kinoshita an). Die besonderen Eigenschaften dieses nochmals rennstreckenoptimierten und in nur zwei Farben (Windchill Pearl und ein Morizo-exklusives Mattgrau) erhältlichen GR Corolla hat Toyoda höchstpersönlich spezifiziert.

Was sich der Chef für die auf nur 200 Exemplare limitierten Morizo Edition des GR Corolla gewünscht hat? Natürlich das übliche Paket auf einem geringeren Gewicht und mehr Power. Ersteres sinkt im Vergleich zur Circuit Edition von 1.493 auf 1.445 Kilogramm, was vor allem am Verlust der Rücksitze liegt. Gleichzeitig fallen im Fond die Lautsprecher und Fensterheber weg; auch auf den Heckscheibenwischer wird verzichtet. Über das Kohlefaserdach der Circuit Edition verfügt natürlich auch die Morizo-Version. Die beiden Insassen nehmen auf schwarz-roten Sportsitzen Platz, die mit Leder und Ultrasuede bezogen sind. Dieser Vliesstoff aus Mikrofasergewebe findet sich ebenfalls am Lenkrad mit roter Zwölf-Uhr-Markierung, an Schaltknauf und Feststellbremshebel sowie im Kofferraum.

Ein kleines Plus gibt es in Sachen Power. Nicht bei der Leistung; sie bleibt mit 304 PS auf dem Niveau des Standardmodells. Das maximale Drehmoment wächst dagegen auf 400 Newtonmeter. Für eine bessere Beschleunigung und eine optimierte Traktion verfügt das Getriebe über eine kürzere Übersetzung und hat Gazoo Racing die beiden Sperrdifferenziale neu abgestimmt. Weitere Verstrebungen (zwei davon im hinteren Teil des Interieurs), mehr Kleber als bei den Modellbrüdern und 349 zusätzliche Schweißpunkte sollen die Verwindungssteifigkeit verbessern. Das Fahrwerk, das in der Morizo Edition über rote Stoßdämpfer verfügt, zeigt sich kompromissloser abgestimmt. Das Tracktool rollt zudem stets auf mattschwarzen 18-Zoll-Schmiederädern samt Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen im Format 245/40 R18.

Nicht für Deutschland

Wie uns ein Toyota-Sprecher bestätigt hat, kommt der GR Corolla nicht zu uns – jedenfalls nicht "in den nächsten anderthalb bis zwei Jahren". Emissions- oder Flottenverbrauchs-Zwänge spielten ihm zufolge bei dieser Entscheidung keine Rolle; Toyota stehe diesbezüglich gut genug da, um sich "solche Späße" leisten zu können. Vielmehr habe in erster Linie der US-Markt, der bislang auf den GR Yaris verzichten muss, nach einem ähnlich gestrickten Hot Hatch verlangt, weshalb man sich dort sehr auf den Hardcore-Corolla freue. Aber auch im Heimatland Japan kommt das Modell auf den Markt.

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Preise und Verfügbarkeit

Insgesamt wird Toyota amerikanischen Medienberichten zufolge nur 8.600 GR-Corolla-Exemplare des Modelljahres 2023 fertigen; 6.600 davon sind für die USA bestimmt. Ein Sonderangebot ist der Toyota GR Corolla folgerichtig nicht; dennoch erscheint die Preisgestaltung fair. Der Hot Hatch kostet in den USA mindestens 35.900 Dollar (aktuell umgerechnet etwa 32.800 Euro). Die 2023er Circuit Edition liegt bei mindestens 42.900 Dollar (gut 39.200 Euro), während die Morizo-Version bei 49.900 Dollar (ungefähr 45.600 Euro) startet. Wo sich die ab kommendem Winter verfügbare Circuit Edition des Modelljahres 2024 preislich einordnet, ist noch nicht bekannt.  © auto motor und sport

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