Welches Modell passt am besten zu Ihren Ansprüchen?

Virtuelle Realitäten sind durch leistungsfähige Technik im Briefmarkenformat inzwischen keine Fiktion mehr. Wir zeigen Ihnen die besten derzeit erhältlichen VR-Brillen.

Die inzwischen verfügbare Rechenleistung setzen vor allem zwei Branchen in neue Inhalte um: die Spiele- und die Pornoindustrie. 360-Grad-Inhalte schaffen ein nie zuvor dagewesenes Gefühl des Mittendrinseins, das der Fachmann auch als Immersion bezeichnet. Bevor wir auf einzelne Hardware und Software eingehen, klären wir aber, was genau VR-Brillen überhaupt sind.

Durch Aufsetzen einer VR-Brille wird der Benutzer während der Nutzungsdauer von seiner Außenwelt abgeschnitten. Die eigentliche Realität wird ersetzt durch Fiktion. Viele Entwickler versuchen, dieses Erlebnis in möglichst wirklichkeitsnahe Umgebungen zu verwandeln, andere vertrauen auf abstrakte Inhalte. Die Auflösung der in der Brille integrierten Displays ist dabei entscheidend: Je höher die Pixeldichte, desto besser das Gefühl, nicht in einer Computersimulation zu stecken.

Abseits von Spielen können Sie beispielsweise Filme in einem virtuellen Kino anschauen, ohne Ihre Wohnung zu verlassen. Vielleicht möchten Sie auch ein Fußballspiel live erleben - kein Problem, wenn im Stadion eine Kamera steht, die alles einfängt. Sie können auch Achterbahn fahren und sich dabei frei umschauen, was schnell zu einem sehr realen Gefühl der Übelkeit führen kann. Kurzum: Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und nur durch die Fantasie der Entwickler limitiert.

Zwei grundsätzliche Modelle buhlen um die Gunst der Kunden:

• Verbunden mit externen Geräten

Diese VR-Brillen koppeln Sie mit einem (leistungsstarken) PC oder einer PlayStation 4. Microsoft und Nintendo haben noch kein eigenes VR-Angebot. Die Brille dient praktisch nur dazu, das Bildsignal zu empfangen und auf dem integrierten Display darzustellen. Die Dreidimensionalität der Inhalte wird erreicht, indem zwei Linsen - eine vor jedem Auge - die Sicht so krümmen, dass alles scharf und plastisch dargestellt wird. Diese Lösungen sind deutlich teurer als die Alternative, aber auch wesentlich leistungsstärker.

• Verbunden mit einem Smartphone

Hier dient die "VR-Brille" praktisch nur als Gehäuse, in die das Smartphone geschobene wird. Allein der Name VR-Brille ist eigentlich schon zu hoch gegriffen, da es sich nur um ein Stück Kunststoff oder gar Pappe handelt. Aufgrund der eingeschränkten Leistung werden diese Lösungen normalerweise nur dann benutzt, wenn es um die Darstellung von vorberechneten Inhalten (Filme und Videos) oder von einfachem Content in recht primitiver Darstellungsqualität geht. Diese "Geräte" sind wesentlich günstiger.

Wofür Sie sich entscheiden, hängt am Ende vom Einsatzzweck ab. Einsteiger sollten es wahrscheinlich mit dem kleineren Modell ausprobieren, um nicht gleich mehrere hundert Euro zu versenken.

Der Grund für die extremen Anforderungen an die Rechenleistung ist schnell erklärt: Bei schwankenden Bildwiederholraten, zu niedrigen Auflösungen oder einer ungenauen Bewegungserfassung wird Ihnen schlecht. Unser Gehirn möchte die virtuelle Realität genauso erleben wie ihr echtes Pendant. Bewegen Sie sich in einem Spiel, aber die Bewegung stimmt nicht mit dem überein, was Ihr Gehirn erwartet, wird einigen Menschen schwindelig oder schlecht. Andere fühlen sich stundenlang wirklich krank - während wiederum andere Personen überhaupt nichts merken.

Um die Verluste so gering wie möglich zu halten, müssen zumindest Fehler der Hardware ausgeschlossen werden. Dies ist der Grund, warum derart hohe Auflösungen und Bildwiederholraten unbedingt notwendig sind. Eine Garantie ist das aber noch nicht, einige Anwender sind für VR einfach nicht geschaffen. Vor dem Kauf raten wir Ihnen daher, VR-Brillen auszuprobieren. Klappt es nicht, können Sie sich die sehr hohen Kosten für den Spaß nämlich auch sparen.

Abhängig vom Modell sind bestimmte VR-Brillen auch für Personen mit Sehhilfe interessant. Die Hersteller geben dazu aber Warnungen mit auf den Weg. Beispielsweise kann eine Brille bei der Nutzung der Oculus Rift maximal 142 mm breit und 50 mm hoch sein. Ansonsten kollidiert das Brillengestell mit der VR-Brille. Eine Alternative sind, sofern für Sie verträglich, Kontaktlinsen.

Abhilfe kommt auch aus der Community: Ein Kickstarter-Projekt namens hat es sich zum Ziel gesetzt, Halterungen für Oculus Rift und HTC Vive - die verbreitetsten VR-Brillen für Enthusiasten - anzubieten. Integriert sind Linsen mit +-4 Dioptrien. Der Hersteller bietet sogar maßgeschneiderte Modelle gegen Aufpreis an, dann wird es aber auch etwas teurer. In der Grundversion bezahlen Sie derzeit 68 Euro.

Werfen wir jetzt einen Blick auf diejenigen Brillen, die mit einem Smartphone kompatibel sind. Teuer wird es hier auf keinen Fall, aber dafür taugen die Brillen auch eher für Sightseeing-Touren als echte Interaktion. Empfehlenswert können sie trotzdem sein:

Eines der bekanntesten Projekte stammt von Samsung. Das südkoreanische Unternehmen stellt die Gear VR vor allem als Lösung im Verbund mit den hauseigenen Smartphones vor. Die 2017er-Version beispielsweise wurde zusammen mit dem Galaxy S8 vorgestellt. Im Lieferumfang befindet sich ein USB-C-Anschluss sowie ein Adapter für Micro-USB-Kabel. Außerdem gibt es einen Controller, der die Navigation möglich machen soll. Derzeit kostet die Gear VR ungefähr 112 Euro, womit sie am oberen Ende der Fahnenstange in dieser Geräteklasse angesiedelt ist.

Dieses Gehäuse für Smartphones fasst Handys mit einer Diagonalen von 4,7 bis 5,5 Zoll. Der Preis hat es mit 90 Euro in sich, denn besonders aufregende Funktionen suchen Sie hier vergeblich. Praktisch: Das Gesichtspolster, das dazu dient, dass der Kunststoff nicht einfach gegen die Gesichtspartien drückt, können Sie abnehmen. Abhängig vom Content ist das auch ratsam, denn so können Sie das Polster von Schweiß und anderen Rückständen befreien.

Die Lösung für alle, die jeden Euro zwei Mal umdrehen: Nur 20 Euro kostet dieses Gehäuse aus - der Name lässt es vermuten - Pappe. Zwischen 4 und 6 Zoll darf das Smartphone groß sein, zwei Linsen gibt es gratis dazu. Inzwischen gibt es zahlreiche Nachahmer, sodass das nicht mehr der günstigste Einstieg in die virtuellen Welten ist. Optisch ist dieses Produkt natürlich schon fast als hässlich einzustufen.

Wesentlich opulenter geht es für knappe 70 Euro zu. Das Headset selbst ist nicht mit allen Smartphones kompatibel, erkundigen Sie sich vorher am besten. Mit der gleichnamigen laden Sie dann Inhalte auf das Smartphone. Im Lieferumfang gibt es einen Controller, der die Navigation in den virtuellen Weiten ermöglicht. Die Unterschiede zu Gear VR halten sich technisch in Grenzen, dafür zahlen Sie aber wesentlich weniger.

Unbekannt, aber trotzdem empfehlenswert: Dieses Gerät aus Kunststoff ist für zahlreiche Smartphones von Google, Apple, Huawei und Co. geeignet. kostet nur 30 Euro, womit es sich nur wenig von Google Cardboard unterscheidet, aber trotzdem wesentlich hochwertiger aussieht. Wenn Sie möchten, kaufen Sie sogar eine Tablet-Brille für 90 Euro, womit Sie sich ein kompatibles Tablet vor das Gesicht schnallen können.

Die Königsklasse der VR-Brillen tummelt sich im High-End-Sektor auf dem PC. Hier steht die größte Leistung zur Verfügung, aber hier reißen Ihnen die Lösungen auch das größte Loch ins Portmonee. Die wenigen erhältlichen Geräte fallen wie folgt aus:

Ursprünglich war die ein eigenständiges Projekt, Facebook übernahm jedoch den Entwickler. Technisch haben Sie es mit Full-HD-Auflösung zu tun, der Computer liefert die notwendigen Bilder. Zwei Sensoren plus Touch-Controller gibt es für 449 Euro, anschließend können Sie sich in 3D-Welten frei bewegen. Es gibt auch eine Spielesammlung, die jedoch angesichts der Qualität der Spiele weniger empfehlenswert ist.

Der PC ist jedoch das größte Kostengrab, wenn Sie sich für die Oculus Rift entscheiden: Sie brauchen drei USB-Ausgänge (einmal USB 3.0 und zwei weitere 2.0-Varianten) sowie am besten 16 GB RAM. Bei Ryzen 3- oder Core i3-Prozessoren fängt der Spaß an, wirklich Freude kommt aber erst ab starken Ryzen 5- oder Core i5-CPUs sowie mindestens einer Radeon Vega 56 oder GeForce GTX 1070 auf. Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie auf der ein Tool herunterladen, das Ihre Spezifikationen prüft.

Das technische Prinzip der ist identisch mit der Oculus Rift: Der PC liefert das Bildsignal, die Brille übernimmt die Darstellung. Hier gibt es allerdings 2.160 x1.200 Pixel als Auflösung. Außerdem können Sie sich nur hier mittels zweier Basisstationen in einem möglichst leeren Raum frei in 3D-Welten in jede Richtung bewegen. Sie laufen also frei herum und müssen keine Tasten drücken, um in der virtuellen Welt vorwärts zu kommen.

Die Systemanforderungen fallen durch die zusätzlichen Funktionen aber noch ein wenig höher aus. Bedenken Sie, dass Sie mindestens 90 Bilder pro Sekunde in der erwähnten Auflösung darstellen müssen. Ansonsten droht ein übelkeiterregender Effekt, da Ihr Hirn nicht an die vorgegaukelte Realität glaubt und dadurch eine Dissoziation zwischen Virtual Reality und echter Realität stattfindet - kein schönes Gefühl.

Diese Brille ist nur mit der PlayStation 4 kompatibel und bietet ebenfalls ein Full-HD-Display. Allerdings können Sie nicht jedes Spiel damit spielen, es muss sich schon um speziell angepasste Versionen handeln. Das berühmteste (und gameplaytechnisch beste) Beispiel ist Resident Evil 7. Zusätzlich müssen Sie noch in eine PlayStation Kamera investieren, die ebenfalls noch einmal 40 Euro kostet. Am Ende stehen Sie also mit Kosten von etwa 400 Euro da.

Bedenken Sie, dass die Rechenleistung der PlayStation 4 längst nicht ausreicht, um PC-ähnliche Spektakel zu zeigen. In Spielen wie Resident Evil 7 oder Drive Club werden Sie deutliche Einschränkungen in Bezug auf die optische Darstellungsqualität erleben. Wenn Sie damit leben können, ist PlayStation VR trotz des hohen Preispunkts aber noch immer der günstigste Einstieg in die VR-Welt.

Die beste Technik hilft nicht, wenn die Software nicht mitspielt. Ganz vorne mit dabei ist YouTube: Dort finden Sie inzwischen . Legen Sie das Smartphone nach dem Start des Videos und dem Klick auf das Cardboard-Symbol einfach in eine VR-Brille. Das Bild wird dann automatisch für jedes Auge aufgeteilt und Sie können sich frei in dem Video umschauen. Im Play Store gibt es unter der Rubrik "Cardboard" ebenfalls zahlreiche Apps, Spiele, Fotos, Videos und sogar Filmtrailer als 360-Grad-Variante.

Bei Samsung schaut es ähnlich aus, dort aber nur über die Gear VR-Brille und spezielle Apps. Haben Sie darauf keine Lust und möchten auch YouTube und Co. genießen, gibt es die App Package Disabler Pro. Sie kostet 75 Cent und schaltet die Gear VR für anderen Content frei. Wer sich vor allem für "vollwertige" Inhalte interessiert, schaut sich beispielsweise bei Steam in der VR-Bibliothek um oder stattet dem Oculus-Store einen Besuch ab. Bedenken Sie, dass ein Smartphone für diese Spiele natürlich längst nicht mehr ausreicht.

Bei den allermeisten technischen Innovationen ist es die Pornoindustrie, die zu den Early Adoptern zählt. Virtual Reality stellt keine Ausnahme dar. Bekannte Webseiten bieten inzwischen eigene Kategorien an, die Hunderte unterschiedlicher Filme in 360-Grad-Ansicht bieten. Meistens laufen diese Inhalte so ab, dass das Schauspiel aus der Ego-Ansicht eines Mannes oder einer Frau gezeigt wird. Gelegentlich agieren Sie auch als dritte Person im Raum, in dem Sie sich dann frei umsehen können.

Inzwischen haben sich auch komplette Studios auf die Bereitstellung von Content dieser Art spezialisiert, wie etwa HoliVR, Real Jam VR oder RealityLovers. Bislang kamen die Frauen als Protagonisten in diesen Filmen zwar zu kurz, inzwischen hat sich das Blatt aber gewendet. Aufgrund der recht hohen Kosten für die Produktion fallen allerdings auch die Anschaffungskosten für die Filme und Videos höher aus: Die meisten Dienste finanzieren sich Abo-gebunden und verlangen 20 Euro pro Monat. Echtes 360-Grad-Feeling ist übrigens derzeit noch weniger verbreitet als einfache 180-Grad-Ansichten, deren Immersion aber zu wünschen übriglässt. Dafür sind die Videos aber mit praktisch jedem Smartphone oder und jeder VR-Brille kompatibel.

Technisch gibt es hier nicht viel auszusetzen: Audio- und Videoqualität sind gut, aber das ist auch bei normalen Produktionen der Fall. Die große Innovation soll hingegen das Mittendrin-Gefühl sein. Im Praxistest klappt das ganz gut, denn alleine durch Ich-Perspektive ist man schon näher dran am Geschehen. Obwohl man in der Realität natürlich nichts fühlt, wird dem Hirn trotzdem recht gut vorgeschwindelt, gerade vor Ort zu sein.

Die Bedienung ist recht intelligent gelöst, denn um in den Filmen vor und zurück zu spulen reicht es, den Blick auf die Bedienelemente zu senken und diese anschließend zu verwenden. Ein kleines Problem gibt es aber noch zu lösen: Personen, die Sie sich ansehen, wirken in 360-Grad-Filmen abhängig vom Winkel stark vergrößert und praktisch wie Riesen. Sie wollten sich schon immer von fünf Meter hohen Frauen umgeben wissen? Dann sind Sie hier an der richtigen Adresse.

Am Ende lässt sich festhalten, dass die neue Technik ein gewisses Aha-Erlebnis bietet. So etwas ist noch nie dagewesen, daher ist es von vornherein interessant. Es ist verständlich, warum die Porno-Industrie so viel Geld in diesen Geschäftszweig steckt. Damit der Mainstream wirklich erreicht wird, müssen kleinere Probleme aber noch gelöst werden.

• In Zahlen

Hierzulande haben sich vor allem die Sachsen auf die Nutzung von VR-Pornos eingelassen, 14,8 Prozent der Nutzung stammt aus diesem Bundesland. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen mit 11,6 und 9,4 Prozent ebenfalls noch ganz gut im Rennen. Andere Dinge im Kopf haben wohl die Bewohner von Thüringen, dort sind es nur 0,8 Prozent.

Wirklich zu 100 Prozent im Mainstream angekommen sind VR-Brillen noch immer nicht. Im Bereich der echten, PC-betriebenen Brillen ist das auch kein Wunder, denn der Aufwand - Verkabelung, Investitionen in die Hardware, Bereitstellung eines leeren Raums - ist hoch und die Kosten können immens ausfallen. Bis dieses Problem nicht gelöst wird, bleibt auch der Mainstream-Appeal auf der Strecke.

Ein zweites Problem sind die Inhalte, denn eine wirkliche Killer-Application für Virtual Reality gibt es noch nicht. Es gibt kein Spiel wie beispielsweise damals Wing Commander, das praktisch im Alleingang den Boom des CD-ROM-Laufwerks für PCs eingeläutet hatte. Die Entwickler müssen also noch auf den Zug aufspringen und Content schaffen, der einfach unverzichtbar ist.© IDG