Mehr Gesundheitsfeatures, größerer Akku, neues Design?

Apple dürfte im Herbst 2018 nicht nur die neue Apple Watch Series 4 auf den Markt bringen, sondern wenige Monate zuvor auch eine neue Betriebssystemversion.

Auch wenn sich Apple bezüglich der genauen Absatzzahlen seiner smarten Armbanduhren ausschweigt, steht fest, dass diese sich hervorragend verkaufen. Die Analysten von Canalys haben errechnet, dass das in Cupertino ansässige Unternehmen 2017 wohl achtzehn Millionen Apple Watches absetzen konnte. Das wäre mehr als die gesamte Schweizer Uhrenbranche. Damit ist Technologiekonzern natürlich auch im Bereich Wearables unangefochtener Marktführer.

Angesichts dieser Erfolgsgeschichte überrascht es nicht, dass die vierte Generation der Apple Watch noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Wahrscheinlich wird das im Herbst - und damit etwa ein Jahr nach dem Erscheinen der Apple Watch Series 3 - der Fall sein. Sogar noch früher ist mit der neuen Version des Betriebssystems watchOS 5 zu rechnen. Dieses dürfte das Technologieunternehmen wohl auf der Apple Worldwide Developers Conference (WWDC) vorstellen, die vom 4. bis 8. Juni 2018 in San José stattfindet. Die Zeit dazwischen können Entwickler nutzen, um Anwendungen für die neue smarte Uhr zu optimieren.

Interessant ist vor allem, was Apple mit der neuen Generation der smarten Armbanduhr alles verbessern könnte. Die letzten Versionen boten Nutzern nicht nur mehr Leistung, sondern vor allem auch eine größere Unabhängigkeit vom iPhone sowie einen integrierten GPS-Chip, der die eigenständige Navigation ermöglichte. Die bisherige Krönung stellte die Apple Watch Series 3 LTE dar. Mit dieser konnten Nutzer nicht nur ohne Verbindung zum Smartphone Nachrichten empfangen und telefonieren, sondern dank LTE auch Inhalte mit hoher Geschwindigkeit streamen.

Veränderungen erwarten wir natürlich beim Design. Diese dürften über die neuen Armbänder sowie Ziffernblätter für Sondermodelle, die Apple derzeit zweimal jährlich anbietet, hinausgehen. Wichtiger sollten aber die technischen Spezifikationen sein. Viele Nutzer würden sich in diesem Zusammenhang über eine längere Laufzeit freuen. Zwar hält der Akku der aktuellen Apple Watch bei zurückhaltender Nutzung immerhin bis zu zwei Tage durch, bis die nächste Aufladung fällig ist, er ist damit den meisten Wettbewerbern überlegen. Die häufige Nutzung von GPS und LTE reduziert die Ausdauer aber deutlich. Noch einmal reduzieren dürfte sich die Akku-Laufzeit, wenn das neue watchOS 5 - wie gemunkelt - ein Always-on-Display bieten sollte. Ein größerer Akku im Gehäuse macht eine Uhr allerdings zwangsläufig klobiger. Das wäre aber gute Nachricht für Ästheten. Zum Glück zeichnet sich eine andere Option ab. So könnte Apple den Akku - und auch andere Elemente wie die Sensorik - in das Armband auslagern. Das ist keine reine Spekulation, denn Apple besitzt in diesem Zusammenhang bereits einige Patente. Wettbewerber setzen zudem bei den Gesundheitsfeatures der smarten Uhr an.

Ein Beispiel dafür ist das Kardia Band der Firma AliveCor. Dieses Armband für die Apple Watch erstellt im Zusammenspiel mit dieser ein Elektrokardiogramm (EKG) und ist dabei so genau und zuverlässig, dass es in den USA bereits eine Zulassung als medizinisches Gerät erhalten hat. Insbesondere ist die Technik der Ermittlung von medizinischen Daten mit Leuchtdioden (Photoplethysmographie) überlegen. AliceCor konnte durch die Analyse der Gesundheitsdaten bei Nutzern sogar weitere Unregelmäßigkeiten ermitteln - etwa einen zu hohen Kaliumspiegel. Das alles funktioniert umso genauer, je regelmäßiger Nutzer Messungen vornehmen. Angenehmer als Alternativen, die eine Blutabnahme erfordern, ist es auf jeden Fall. Damit die Sensoren die notwendigen Daten ermitteln können, genügt es nämlich, den Daumen der zweiten Hand auf das Kardio Band der getragenen Apple Watch zu legen.

Aber nicht nur Hardware, sondern auch Software kann die Gesundheitsfeatures der Apple Watch verbessern. So zeigt der Softwareentwickler Cardiogram zusammen mit der renommierten Universität von Kalifornien in San Francisco in einer aktuellen Studie, dass sich durch das Zusammenspiel der Apple Watch und dem Programm DeepHeart ein gefährliches Vorhofflimmern des Herzens durch die Pulsmessung mit 97-prozentiger Sicherheit erkennen lässt. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen nötig, da die Probanden bisher alle einer entsprechenden Risikogruppe angehörten.

Auf jeden Fall trifft es sich gut, dass die Apple Watch Series 4 laut einiger Quellen bei der Pulsmessung noch präziser als das Vorgängermodell arbeiten soll. Das passt auch zu den bereits früher geäußerten Apple-Plänen, die smarte Uhr zu einem Gesundheitsgerät entwickeln zu wollen. Dieses müsste dann allerdings auch Werte für den Blutdruck sowie -sauerstoff messen können. Genau hier kommt ins Spiel, nämlich die Blutdruckermittlung ohne Oberarmmanschette. Das funktioniert durch die Verbindung der herkömmlichen Messung via LED und eines Armbands mit Beschleunigungssensor sowie einer leistungsfähigen Software. Die Blutdruckermittlung ist hier - vor allem bei Langzeitmessungen - mit einem geringeren Aufwand verbunden als beim Einsatz von herkömmlichen Manschetten. Den Blutsauerstoff könnte Apples neue Smartwatch etwa durch integrierte Fotozellen ermitteln. Denn stark absorbiert Licht anders, als es sauerstoffarmes Blut tut. Allerdings dürfte die Zulassung als medizinisches Gerät zumindest einige Zeit in Anspruch nehmen. Schließlich muss zunächst eine ausreichende Sicherheit und Zuverlässigkeit gewährleistet sein.

Aber zurück zur Akku-Laufzeit. Erst vor wenigen Monaten erhielt Apple ein Patent für Armbänder, die den Namen "Smart Bands" tragen. Diese können nicht nur die Akku-Leistung der Uhr erhöhen, sondern auch verschiedene Gesundheitsdaten ermitteln sowie die Auswertung unterstützen. Als gesichert gilt, dass die (permanente) , das mehrere Hautschichten durchdringt, möglich sein soll. Das klingt deutlich komfortabler als dass heute obligatorische Stechen in die Fingerkuppe. Wenn das Zusammenspiel von Apple Watch Series 4 und watchOS 5 diese einfache Art der Blutzuckermessung ermöglichen sollte, winken neue Rekordverkaufszahlen. Denn dann ist die Smartwatch für unzählige Diabetiker sowie gefährdete oder besonders gesundheitsbewusste Personen auf der ganzen Welt interessant.

Für die erfolgreiche Transformation der Smartwatch vom Gadget für Nerds zum Gesundheitsgerät benötigt Apple dann vor allem eine Masse an Daten und viel Vertrauen. Untersuchungen zeigen nämlich, dass Diagnosen umso präziser sind, je öfter Nutzer Gesundheitsparameter wie Blutdruck, -sauerstoff und -zucker sowie ihren Puls messen. Durch die zentrale Speicherung und den Vergleich der Gesundheitsdaten ließen sich auf Basis dieser Daten dann gesundheitsrelevante Aussagen treffen und gesundheitsfördernde Maßnahmen einleiten. Dafür muss Apple aber eine Plattform anbieten, die Vertraulichkeit garantiert. In den USA ist der erste Schritt offensichtlich bereits getan. Denn Forschungsinstitute, die an HealthKit und ResearchKit angeschlossen sind, erhalten durch die Beliebtheit der Apple Watch und des iPhones bereits riesige Datenmengen von freiwilligen Teilnehmern.© IDG