In-Ear-Kopfhörer mit und ohne Kabel im Vergleich.

Spätestens seit dem iPhone 7 müssen Apple-Nutzer umdenken, denn der gute, alte Klinkenanschluss ist weggefallen. Wir haben In-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth- und Kabelverbindung getestet.

"Wo ist mein Anschluss?!"

Als Apple den Wegfall des 3,5-Millimeter-Anschlusses bekanntgab, war die Aufregung nicht nur im eigenen Lager groß. Ältere Kopfhörer können zwar nach wie vor verwendet werden, aber nur noch über einen Adapter. Der wiederum kostet Geld, außerdem ist es mühsam, ein weiteres Gerät immer in der Tasche zu haben.

Auf der Haben-Seite steht der Vorteil, dass das Gehäuse jetzt ein wenig luftiger ist und bei Bedarf dünner produziert werden kann. Vom zusätzlichen Platz profitiert der Akku, außerdem könnten theoretisch die Lautsprecher ein wenig mehr Dampf machen, da der Resonanzraum wächst. Dünnere Geräte versprechen außerdem Modernisierungen hinsichtlich des Designs. Die Sicherheit hat auch profitiert: Das iPhone 7 ist bis zu einem gewissen Grad wasserdicht, eine halbe Stunde sollte das Smartphone unter Wasser aushalten können. Auch die Klangqualität könnte davon positiv beeinflusst werden, da die Kopfhörer nun einen Großteil der Audio-Arbeit übernehmen. Das wiederum spielt den Anbietern von hochpreisigen Kopfhörern in die Karten.

Immerhin: Apple legt die AirPods in den Lieferumfang. Wer sich ein neues iPhone 7 kauft, wird also gleich die passende Audio-Hardware im Gepäck haben. Theoretisch ist eine Verbindung übrigens auch mit anderen Geräten möglich, die Bluetooth unterstützen. Auch Apple kocht letztendlich nur mit Wasser.

Die Vorteile von Bluetooth

Einige positive Merkmale hat die Bluetooth-Verbindung in jedem Fall zu bieten. Am offensichtlichsten ist der Wegfall der Kabel, worüber sich etwa Sportler freuen. Auch Musikliebhaber, die in einem gewissen Rahmen Freiheit genießen möchten, bekommen dazu jetzt Gelegenheit. Latenzen spielen zwar eine Rolle, bei der gleichmäßigen Übertragung von Musik stört das jedoch nicht. Ein Abfall der Soundqualität ist durch Bluetooth im Vergleich zum Kabel messbar - aber nicht immer hörbar.

Wir haben uns für diesen Test zahlreiche In-Ear-Kopfhörer angesehen, die natürlich von Apple selbst und auch von einigen Drittherstellern stammen. Alle Exemplare eignen sich besonders für das Musikhören bei Bewegung. Für eine sehr hohe Klangqualität hingegen, sind beispielsweise Over-Ear-Kopfhörer in der Regel die bessere Variante.

1. AirPods von Apple

Die AirPods liegen dem iPhone 7 bei und streamen Musik über Bluetooth an das Smartphone. Geändert hat sich im Vergleich zu den EarPods nicht allzu viel: Die Passform ist für das "Durchschnittsohr" nach wie vor als gut zu bewerten, der Klang lässt kaum Kritik zu - besonders, da diese Kopfhörer praktisch kostenlos beiliegen.

Die AirPods wurden im September 2016 eingeführt und vertrauen komplett auf Bluetooth, das von einem kleinen Chip namens W1 unterstützt wird. Er dient dazu, das Pairing zu beschleunigen, sodass Käufer des iPhone 7 Musik schnell ans Ohr bringen können. Praktisch ist außerdem, dass eine Kopplung automatisch mit jedem Gerät stattfindet, das dieselbe Apple-ID verwendet wie andere Geräte, mit denen die AirPods bereits verbunden sind. Schalten Sie also etwa ein iPad ein, das Ihnen gehört, und haben Sie Ihre AirPods bereits mit Ihrem iPhone gekoppelt, müssen Sie sich nicht noch einmal um das Pairing kümmern.

Der Klang ist insgesamt als gut zu bewerten, spektakulär fällt er aber nicht aus. Musik ist aber nicht der einzige Einsatzzweck des Kopfhörers, denn ein Headset ist ebenfalls integriert. Das führt dazu, dass Sie etwa Siri Befehle geben können, obwohl sich das Handy in der Tasche befindet. Dazu tippen Sie zwei Mal an die Lautsprecher und Siri ist aktiviert.

Die AirPods punkten hingegen deutlich im Bereich der Passform: Anders als die EarPods fallen Sie auch bei recht heftigen Bewegungen nicht aus dem Ohr. Die Gefahr, dass einer der Kopfhörer beim Sport im Freien irgendwo verschwindet, ist also klein. Natürlich kommt es dabei aber auch auf die individuelle Ohr-Form an. Im Notfall helfen Mützen, Stirnbänder und ähnliche Hilfsmittel, um die AirPods zu fixieren. Praktisch: Ab iOS 10.3 gibt es eine Funktion, um verlorene AirPods via GPS aufzuspüren. Gerade Musikliebhaber sollten sich aber dennoch nach einem anderen Kopfhörerpaar umsehen: Etwa 180 Euro sind für dieses Produkt sehr viel Geld.

2. The Dash von Bragi

Der Hersteller selbst bezeichnet diese In-Ear-Kopfhörer als Hearable: Es handelt sich nicht bloß um ein Gerät, das Sie mit Ihrem iPhone 7 koppeln. Das Konzept geht wesentlich weiter und bietet im Inneren beispielsweise 3,5 GB Speicherkapazität für Musik. Ein Handy in der Hand ist damit vollständig überflüssig. Über Bewegungen an der Oberfläche der Kopfhörer springen Sie zum nächsten Lied oder halten die Wiedergabe an. Auch die Lautstärke beeinflussen Sie darüber. Zusätzlich gibt es eine Pulsmessung, sodass das Hearable die Musik automatisch an Ihre derzeitige Aktivität anpassen kann. Praktisch ist The Dash damit in jedem Fall und der Klang fällt überraschend üppig aus - ebenso wie der Preis, denn der hat es mit 300 Euro natürlich in sich.

3. Elite Sport von Jabra

Der Name zeigt bereits, dass hier vor allem Sportler angesprochen werden sollen. Ähnlich wie mit den AirPods können Sie auch mit den Elite Sport Siri steuern oder telefonieren. Die unterschiedlichen Adapter sorgen für diverse Passformen für kleine, mittlere und große Ohren. Der Sound ist in Ordnung, aber nicht spektakulär. Übrigens wird auch hier eine App mitgeliefert, womit Sie die Kopfhörer im Fall der Fälle wiederfinden können. Ein kleines Workout-Programm ist außerdem gleich integriert, denn der Kopfhörer sagt bei Bedarf die nächste Trainingseinheit an oder misst den Puls. Einziger echter Kritikpunkt ist wahrscheinlich die Laufzeit, denn drei Stunden sind für ambitionierte Sportler vielleicht zu wenig. 250 Euro sind angesichts der nur guten Soundqualität außerdem ein stolzer Preis.

4. VerveOnes ME von Motorola

Vorweg sei gesagt, dass Sie bei diesen Kopfhören auf viel Komfort verzichten müssen. Beispielsweise halten die AirPods automatisch die Musik an, wenn Sie sie aus den Ohren nehmen. Doch allerlei Sensoren und auch Funktionen wie einen Pulsmesser bieten die VerveOnes ME nicht - aber dafür kosten sie auch nur 140 Euro. Telefonieren können Sie ohne Probleme und auch Siri lässt sich damit steuern. Umständlich ist die Aktivierung, da Sie jeden Kopfhörer einzeln einschalten müssen, sobald Sie sie aus der Schachtel nehmen.

Der Sitz in den Ohren ist hingegen wunderbar fest und stellt die AirPods deutlich in den Schatten. Einen soliden Klang dürfen Sie auch erwarten, wenngleich gerade im Bassbereich nur flache Frequenzen an das Ohr dringen. Viel Krach machen die Kopfhörer von Motorola daher nicht. Das muss aber vielleicht auch nicht sein, denn der feste Halt sorgt für eine tolle Abschirmung gegen Außengeräusche. Insgesamt empfehlenswert, aber nicht ohne Makel.

5. Backbeat Fit von Plantronics

Diese Kopfhörer arbeiten zwar mit Bluetooth, ein Kabel bringen sie aber trotzdem mit. Es verbindet die beiden Kopfhörerseiten und beugt damit einem Verlust vor. Beim Material handelt es sich um schweißabweisenden Kunststoff, sodass beim Sport kein allzu nasses Tragegefühl im Nacken oder am Hals entstehen sollte. Durch den Bügel um die Ohren halten die Backbeat Fit auch sehr passabel in den Ohren, ohne jedoch Außengeräusche komplett zu ersticken. Beim Joggen im Straßenverkehr beispielsweise ist das sogar hilfreich.

Überraschend hochwertig fällt auch der Klang aus: Den ganz großen Bass dürfen Sie zwar nicht erwarten, alles andere macht aber angesichts des sehr günstigen Preises von 75 Euro viel Spaß. Telefonieren können Sie mit dem Kopfhörer von Plantronics ebenfalls. Sind Sie nicht zwingend Sportler, gibt es in dem Preisbereich zwar auch bessere Geräte. Insbesondere die hohe Haltbarkeit und das "sportliche" Design machen diese Kopfhörer aber zu einer echten Empfehlung für Sportbegeisterte.

6. Backbeat Go von Plantronics

Bei diesem Beitrag von Plantronics geht es etwas gemächlicher zu: Der sehr gute Klang lässt bei einem Preis von 130 Euro kaum Wünsche offen. Für den Sport sind diese In-Ear-Kopfhörer aber nicht konzipiert: Die Bügel hinter dem Ohr oder auch das recht stabile Kunststoffband fehlen. Darüber gibt es aber eine samtüberzogene Tasche für den Transport im Lieferumfang dazu. Spazieren oder auch etwas schneller gehen können Sie mit den Backbeat Go auf jeden Fall. Bei schnellen Aktivitäten fallen die Kopfhörer aber aus dem Ohr.

Praktisch: In der erwähnten Tasche befindet sich ein Akku, den Sie über Micro-USB aufladen können. Verstauen Sie die Kopfhörer in dem Täschchen, laden sich auch die Kopfhörer auf (insgesamt befinden sich zwei volle Ladungen im Akku), was auch eine längere Nutzung möglich macht. Gut gefallen hat uns auch die Sprachqualität: Durch die gelungene Abschirmung sind Telefonate etwa am Bahnhof kein Problem. Auch für die berufliche Nutzung sind die Backbeat Go damit geeignet.

7. Quiet Control 30 von Bose

Steht Klangqualität an oberster Stelle, haben Sie mit den Quiet Control 30 von Bose einen passenden Kopfhörer gefunden. Der kostet zwar 300 Euro, aber dafür kann es der Sound durchaus mit guten Over-Ear-Kopfhörern aufnehmen. Dazu gibt es Noise Canceling: Setzen Sie die Kopfhörer in das Ohr, verstummt die Welt um Sie herum augenblicklich. Einkommende Schallwellen werden durch Gegenschall zerstört und Sie nehmen nur noch Stille wahr. Damit eignet sich der Kopfhörer auch in Flugzeugen als Begleiter.

Theoretisch könnten Sie mit diesen In-Ear-Kopfhörern von Bose auch telefonieren. Die herausragende Klangqualität zeigt jedoch, dass Musik hier ganz klar der gedachte Einsatzzweck ist. Sportler greifen lieber zu anderen Kopfhörern, da der Halt im Ohr nicht ausreicht. Die App zeigt zwar kleine Schwächen, das umwerfende Gesamtbild kann das aber nicht mehr trüben.

8. Q-Adapt von Libratone

Ist Bluetooth für Sie aufgrund der Klangqualität oder auch der Latenz keine Option, ist vielleicht dieser Kopfhörer ein Ausweg. Den Q-Adapt schließen Sie direkt per Lightning an ein iPhone 7 an, der Klinkenanschluss ist also keine Notwendigkeit. Klanglich befindet sich dieser Beitrag von Libratone fast auf einer Stufe mit den Quiet Control 30, allerdings kostet dieser Kopfhörer auch "nur" 180 Euro. Noise Canceling gibt es auch hier, über zu laute Geräusche von außen müssen Sie sich also nicht beschweren.

Weniger gut geeignet ist der Q-Adapt für den Sport, da es keinerlei Bügel gibt und der Kopfhörer allgemein nicht besonders fest in den Ohren sitzt. Dafür steuern Sie direkt am Kabel die Musik und regulieren etwa die Lautstärke. Wer Bluetooth nicht zwingend benötigt und Sport nicht im Sinn hat, darf bei den Q-Adapt zuschlagen - wobei Sie für den Anschluss an anderen Audiogeräten dann wieder einen Lightning-auf-Klinke-Adapter brauchen…

… und der Rest

Weitere ausreichend interessante Kopfhörer gibt es etwa in Form der Backbeat 100 von Plantronics. Im Bügel befindet sich die Elektronik, um den Klang aus den sehr kleinen Kopfhörern zu zaubern. An Bose und Co. kommt die Soundqualität aber nicht heran. Praktisch sind hingegen die Magnete an den Kopfhörern: Nehmen Sie die Stöpsel aus den Ohren, schnappen beide Kopfhörerseiten aneinander und baumeln nicht wild durch die Gegend. Für knappe 80 Euro erhalten Sie ein ausreichend gutes Headset für gelegentliche Musik und Telefonie. Nur Sportler sollten aufgrund des mangelhaften Sitzes im Ohr nicht zuschlagen.

Spielt der Preis eine große Rolle, können Sie sich die Coda Wireless von iFrogz anschauen. Ganz nett ist die Idee, einen Bügel mitzuliefern, den Sie an Ihre Kleidung heften können. Magnetisch befestigen sich dann die Kopfhörer daran und die Kabel schwingen nicht mehr frei herum. Der Klang hingegen fällt höchstens durchwachsen aus, ein Feuerwerk dürfen Sie hier auf keinen Fall erwarten. Sporadische Musik geht in Ordnung, ansonsten eignen sich die Kopfhörer eher für Podcasts. 30 Euro sind jedoch ein unschlagbares Angebot.© IDG