Wer Nachrichten auf Facebook als "Falschmeldungen" markiert, bekommt vom Netzwerk eine Art Scoringwert zugeordnet. Der ist abhängig davon, ob Facebooks Faktenprüfer die Nachrichten tatsächlich als falsch beurteilen.

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Facebook lässt seine Nutzer seit einiger Zeit die Vertrauenswürdigkeit von Medien beurteilen. Das Unternehmen fragt dazu, ob Nutzer bestimmte Medien kennen und ob sie ihnen vertrauen. Gründer Mark Zuckerberg hatte das im Januar angekündigt. Was er nicht sagte: Auch Facebook-Nutzer selbst bekommen eine Art Scoringwert, der ihre Vertrauenswürdigkeit im Umgang mit Facebooks Meldesystem widerspiegeln soll.

Die "Washington Post" hat jetzt als erste davon erfahren. Denn das System ist nur für den internen Gebrauch, der Score wird für die Nutzer selbst nirgendwo sichtbar. Helfen soll er, die Verlässlichkeit von Menschen einzuschätzen, die Inhalte als Falschnachrichten melden. Bestätigt hat der Zeitung das die zuständige Facebook-Managerin Tessa Lyons.

Hintergrund ist das Faktenchecksystem von Facebook. Das Unternehmen arbeitet mit mehreren externen Organisationen zusammen, die gemeldete Nachrichtenartikel überprüfen und entscheiden, ob sie als Falsch- oder Desinformation markiert werden müssen. Weil aber die Zahl gemeldeter Inhalte so groß ist, dass die Faktenchecker niemals alles überprüfen könnten, muss Facebook eine Vorauswahl treffen. Bei der soll der Vertrauenswürdigkeits-Score helfen.

Vorauswahl für Faktenchecker

Wie genau der zwischen null und eins angesetzte Wert zusammengesetzt wird, hat Lyons der Zeitung nicht verraten. Klar ist nur, dass die Bilanz der einzelnen Nutzer eine Rolle spielt: Wer regelmäßig Falschnachrichten meldet und Recht behält, bekommt einen höheren Wert, als jemand, der immer wieder Artikel absichtlich als falsch meldet, nur weil er anderer Meinung ist oder weil er das Meldesystem missbrauchen will, um unliebsame Inhalte aus dem Netzwerk entfernen zu lassen. Entscheidend wäre jeweils das Urteil der Faktenchecker.

Für Nutzer bedeutet das nach bisheriger Informationslage, dass sie ihren Score nicht erfahren, sich also auch nicht dagegen wehren könnten, falls einer der Faktoren ihren Score auf unfaire Art beeinflusst. Für die externen Faktenchecker bedeutet es: Sie wissen nicht genau, was alles zur Vorauswahl der Inhalte führt, die sie überprüfen sollen.

Nicht jeder Nutzer bekommt den Score

Ein Facebook-Sprecher sagte "Gizmodo": "Die Vorstellung, wir hätten einen zentralen Vertrauenswürdigkeits-Score für alle Facebook-Nutzer, ist schlicht falsch." Nur wer das Meldesystem benutze, bekomme einen Wert zugeordnet. Die Schlagzeile der "Washington Post" erwecke jedoch einen anderen Eindruck. Deshalb sei sie irreführend: "Wir haben lediglich einen Prozess entwickelt, um uns davor zu schützen, dass jemand beliebige Nachrichten als falsch meldet und damit versucht, unser System auszutricksen. Der Grund, aus dem wir das tun: Wir wollen sicherstellen, dass unser Kampf gegen Falschinformationen so effektiv wie möglich ist."

Diesen Kampf hat das Unternehmen verstärkt, seit es dafür kritisiert wird, während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 die massive Verbreitung von Falschnachrichten ermöglicht zu haben. Seither wurden derartige Manipulations- und Desinformationsversuche in zahlreichen Ländern entdeckt.  © SPIEGEL ONLINE

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