Apples neues Betriebssystem auf dem Prüfstand

iPhone und iPad wären nichts ohne passendes Betriebssystem. Seit dem 19. September können Interessenten jetzt Version 11 von iOS herunterladen - und wir haben es uns angeschaut.

Bevor wir zu den Fakten kommen, wollen wir einmal mehr Apples Update-Politik loben: 6,2 % aller iPhones, iPads und iPods hatten nach nur zwei Tagen bereits iOS 11 als Betriebssystem installiert, wenn man Glauben schenkt. Ein Vergleich aus der Android-Welt: Dort hatte es zwölf Monate gedauert, bis 14,6 % aller Nutzer von Android 6.0 auf 7.0 umgestiegen sind. Ähnlich wie Microsoft mit Windows 10 setzt Apple auf eine sehr schnelle Verbreitung neuer Betriebssystemversionen. Unter Android ist diese Praxis aufgrund der verfahrenen Situation der unzähligen Hersteller leider noch immer nicht eingetreten.

Schauen wir uns jetzt iOS 11 im Detail an. Haben Sie zufällig die Musik-App in den vergangenen Wochen genutzt, dann werden Sie das neue Design bereits ansatzweise kennen. Diese App hat nämlich die überarbeitete Optik von iOS 11 praktisch als Preview mit auf den Weg bekommen.

Sichtbar ist dies unter anderem an den eher kräftigen Überschriften und einer klareren Darstellung von Schriften und grafischen Elementen innerhalb vieler Apps. Ab iOS 11 werden Sie dies nicht nur innerhalb der Musik-App erleben, sondern auch in vielen anderen Programmen. Neben der Optik hat Apple auch unter der Haube viel verbessert und mehr Funktionen hinzufügt. Das Unternehmen selbst sagt darüber sogar, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, um an iOS-Geräten produktiv zu arbeiten. Insgesamt scheint das aber etwas weit hergeholt: macOS-Geräte sind für bestimmte Aufgaben noch immer unverzichtbar - und wer arbeitet schon gerne an einem vergleichsweise winzigen Smartphone-Display? Spekuliert wird auch über eine Zusammenlegung von iOS und macOS. Auch das dürfte aber noch Jahre entfernt sein.

Im Kern von iOS hat Apple ebenfalls größere Änderungen vorgenommen, die dabei helfen sollen, dem Betriebssystem den Weg in die Welt der produktiven Nutzung zu ermöglichen.

Überarbeitet hat Apple unter anderem das Dock: Jetzt bietet es nämlich Platz für bis zu 13 Apps, außerdem gibt es noch einen Raum für die drei am häufigsten verwendeten Programme, die nicht ohnehin schon im Dock liegen. In der Praxis wirkt sich dies so aus, dass der Wechsel zwischen häufig genutzten Apps einfach schneller abläuft. Hand angelegt hat Apple auch beim Multitasking: Einzelne App-Fenster sind wesentlich besser sichtbar, außerdem liegen Dashboard und App-Umschalter jetzt zusammen. Das hat vor allem Vorteile für iPad und iPad Pro, wo Multitasking noch besser nutzbar wird.

Lange hat es gedauert, nun ist es verfügbar: Windows-PCs und macOS-Geräte können es seit Jahrzehnten, und jetzt hält Drag & Drop auch in iOS Einzug. Das funktioniert sogar schon recht gut. Fotos, die Sie beispielsweise auf einer Webseite in Safari entdecken, können Sie jetzt festhalten und anschließend direkt auf eine App im Dock ziehen (vielleicht auf ein Programm für die Bildbearbeitung). Dies ersetzt den bisherigen Workflow von "Bild speichern -> App öffnen -> Bild suchen, auswählen und öffnen". Fotos sind an dieser Stelle auch nur ein Beispiel: Sie können auch Texte und alle anderen Dateiformate greifen und irgendwo anders wieder ablegen. Sehr praktisch!

Um das bereits erwähnte Multitasking ansprechender zu gestalten, gibt es jetzt App-Spaces. Wenn Sie etwa auf einem iPad zwei Programme nebeneinander platziert haben, hatten Sie bislang die Wahl zwischen Splitview und Slide Over. Beim Wechsel auf eine andere App ging Ihre Aufteilung jedoch verloren, die Platzierung der zweiten neben der ersten App war erneut manuell notwendig. App-Spaces gibt Ihnen jetzt aber die Möglichkeit, zwei Apps auszuwählen und als Arrangement im App-Umschalter abzulegen. Auch beim Öffnen anderer Apps bleibt die ursprüngliche Anordnung somit erhalten. Bei der täglichen Anwendung sparen Sie dadurch nicht nur Zeit, sondern auch Nerven, denn Sie müssen sich nicht mehr mit der App-Position auseinandersetzen, sondern können sofort arbeiten.

Lange vermisst, jetzt endlich vorhanden: Apple hat einen Dateimanager in iOS integriert. Wir erinnern uns: Bislang hatten Sie einfach keinen Zugriff auf die Dateien in einer übersichtlichen Baumstruktur. Stattdessen mussten Sie zwischen Apps hin und her springen, Dateien teilen, weiterleiten, in die Cloud auslagern und so weiter, um alle Dokumente irgendwie zu vereinen. Das ist jetzt Geschichte: In der App Dateien haben Sie Zugriff auf alles, was auf dem Gerät, innerhalb von Apps und auch in iCloud gespeichert ist. Denkbar ist es jetzt also, beispielsweise einen neuen Ordner zu erstellen, alle PDFs zu einem bestimmten Ordner dort abzulegen und später darauf zuzugreifen. Klingt simpel, war unter iOS bislang aber eine Mammutaufgabe. Der Dateimanager beherrscht dabei alles, was man von dieser Sorte Programm kennt: Kopieren, Löschen, Einfügen, Erstellen und mehr. Nur auf das Dateisystem von iOS 11 selbst bekommen Sie noch immer keinen Zugriff (anders als etwa im Windows Explorer).

Erneuert wurden auch die Apps und die Art und Weise, wie Sie sie bekommen: der App Store. Den hat Apple in iOS 11 wieder einmal komplett überarbeitet. Das minimalistische Design sorgt einerseits für einen Geschwindigkeitsschub und andererseits für mehr Übersichtlichkeit in dem vormals überfrachteten App Store. Außerdem werden Sie dort keine 32-Bit-Apps mehr finden, Apple akzeptiert nur noch 64-Bit - was beispielsweise das Aus für einst beliebte Spiele wie Flappy Bird bedeutet. Vereinfacht wurde auch die Bedienung, indem beispielsweise die Masse an Informationen reduziert wurde. Am Ende bleibt eine flottere Bedienung, was wiederum Nutzern von iPhone und iPad gleichermaßen gefällt.

Schauen wir uns jetzt einige wichtige Apps im Detail an!

Die Notizen-App hat Apple gründlich überarbeitet und mit unzähligen neuen Funktionen ausgestattet. Beispielsweise gibt es jetzt einen Scanner für Dokumente, die Erkennung von Handschrift (wichtig auf dem iPad) und die Integration von Formatierungen, um beispielsweise Tabellen anzulegen. Zeichnen ist jetzt ebenfalls besser möglich und das bereits beschriebene Drag & Drop hat seinen Weg auch in die Notizen gefunden. Sehen wir uns die Features einfach im Detail an:

• Handschrifterkennung

Wahlweise mit dem Finger, mit einem Apple Pencil oder anderen kompatiblen Stiften dürfen Sie jetzt handschriftliche Notizen in iOS anlegen. Die automatische Erkennung der Handschrift macht es möglich, auch andere Menschenan Ihren Notizen teilhaben zu lassen, ohne dass es an das Identifizieren von Hieroglyphen erinnert. Praktisch ist das vor allem, weil Sie dann die Suchfunktion nutzen können, um Ihre Handschrift später zu finden. Bislang funktioniert jene Erkennung schon ganz gut, allerdings müssen Sie dafür auch eine einigermaßen lesbare Handschrift mitbringen. Da es sich um lernfähige Algorithmen handelt, die im Hintergrund in der Cloud arbeiten, sollte die Umwandlung jedoch im Laufe der Zeit immer sicherer und schneller werden.

• Dokumentenscanner

Mit dieser Funktion fotografieren Sie Dokumente jeglicher Art und legen das Bild dann in Notizen ab. Auf Wunsch erkennt die App die Buchstaben und macht das Dokument dadurch auch als Bild editierbar. Alternativ malen Sie direkt im Foto, um vielleicht besonders wichtige Aspekte zu unterstreichen. Auch der Export als PDF und die Weiterleitung via E-Mail sind möglich. Eine OCR-Funktion gibt es aber leider nicht: Textbausteine werden also nicht als solche erkannt und sind damit auch nicht durchsuchbar. Dafür gibt es Alternativen wie Office Lens von Microsoft. Vielleicht steckt hinter dieser Entscheidung aber Kalkül von Apple, da man wichtigen Entwicklern wie eben Microsoft oder auch Evernote keine Konkurrenz machen möchte.

• Papierwechsel und PDF-Export

Ab iOS 11 dürfen Sie den Papiertyp in Notizen ändern, um vielleicht liniertes oder kariertes Papier zu bevorzugen. Ob Sie Graphen zeichnen oder Handschriftliches festhalten, spielt dann keine Rolle mehr. Ebenfalls nützlich ist der Export von Dokumenten jeglicher Art als PDF und die anschließende Speicherung irgendwo auf dem iPad oder iPhone. Zeichnen Sie etwas, speichern Sie es als PDF und leiten Sie es weiter. Auch die Weitergabe an andere Apps ist kein Problem, sodass Sie fertige Zeichnungen vielleicht mit einem Tool für die Bildbearbeitung noch einmal unter das Messer legen. Beide Funktionen zusammen - Papierwechsel und PDF-Export - ergeben wesentlich mehr Komfort und Flexibilität für Schreiber und Zeichner gleichermaßen.

Sie sehen: Schon bei einer verhältnismäßig kleinen App wie Notizen hat Apple ordentlich Arbeit investiert. Das Ende ist das aber noch lange nicht.

Die folgenden Veränderungen sind querbeet über zahlreiche Apps verstreut. Sehen wir Sie uns etwas genauer an!

Selbst eine scheinbar simple Funktion kann noch besser werden: Sobald Sie jetzt mit dem Power- und Home-Button einen Screenshot machen, legt iOS 11 ihn unten links auf dem Display ab. Tippen Sie darauf, können Sie den Screenshot bearbeiten oder auch weiterleiten, ohne ihn auf dem eigenen Gerät zu speichern. Machen Sie gar nichts, verschwindet das Bild einfach nach einigen Sekunden und Sie sparen Speicherplatz. Was sie genau mit dem Bild machen, bleibt Ihnen überlassen: Sie können wichtige Bereiche einkreisen, unterstreichen, Anmerkungen hinterlassen und mehr. So können Sie schneller Anmerkungen zu allen erdenklichen Dingen an andere Personen weiterleiten. Insgesamt handelt es sich um eine kleine Änderung mit großen Auswirkungen.

Übrigens: Ab jetzt können Sie im Kontrollzentrum einen Schalter namens Bildschirmvideo betätigen. Alles, was Sie nach Einschalten der Funktion machen, wird als Video aufgezeichnet. Wenn Sie fertig sind, finden Sie die Aufnahme im trefflich benannten Ordner Aufnahmen. Danach exportieren Sie das Video, bearbeiten es oder leiten es unbearbeitet weiter. Wirklich umfangreich und damit eine Konkurrenz zu QuickTime auf macOS beispielsweise ist dieses Feature noch lange nicht: Sie können nur aufnehmen, aber Ihre Berührungen auf dem Display werden nicht angezeigt - schlecht, wenn Sie eine Art Tutorial-Video drehen möchten. Vielleicht hält Apple Funktionen dieser Art aber auch für iOS 12 zurück…

Zusammen mit den neuen Kameras von iPhone 8 und iPhone X gibt es auch Softwareverbesserungen in der Foto-App - und die fallen wie folgt aus:

• Wenn Sie ein Foto in der App öffnen, können Sie es jetzt direkt bemalen oder anderweitig bearbeiten. Damit nehmen Sie vielleicht ein schönes Foto im Urlaub auf, schreiben einige Grüße direkt hinein und leiten es vom Strand aus weiter an Familie, Freunde & Co. Die fertig editierten Fotos geben Sie beispielsweise via Mail oder Nachrichten weiter. Um zu schreiben, brauchen Sie nicht unbedingt einen 100 Euro teuren Apple Pencil: Die Fingerspitzen reichen aus, und die haben Sie schließlich immer dabei.

• Die seit iPhone 6 bekannten Live Photos dürfen Sie jetzt ebenfalls bearbeiten: Sie können diese Fotos wie ein Video bearbeiten, kürzen und schneiden oder auch den Ton deaktivieren. Ein paar tolle Effekte gibt es auch noch, womit Sie etwa das Foto in einer Endlosschleife wiederholen, eine längere Belichtung simulieren, das Bild hüpfen lassen und mehr. Nur als GIF können Sie die Live Photos nach wie vor nicht exportieren, dafür gibt es aber schon länger .

Von den Filtern sollten Sie sich hingegen nicht blenden lassen: Die wurden unter iOS 11 zwar umbenannt, im Kern handelt es sich aber um dieselben Funktionen in einem neuen Gewand.

Langsam, aber sicher wird es eng für JPEG: Den Dinosaurier unter den Bildformaten ersetzt Apple in iOS 11 durch HEIF. HEVC könnte dem einen anderen Leser als Videocodec bekannt sein (High Efficiency Video Codec). HEIF ist das Äquivalent für Fotos und heißt dementsprechend High Efficiency Image Format. Die fertigen Bilder sind im besten Fall etwa halb so groß wie ein JPEG, wobei die Qualität dennoch verbessert wird - eine Win-Win-Situation für alle Nutzer. Entwickelt wurde der Container für Bild und Ton übrigens nicht von Apple selbst, sondern von der bekannten MPEG Group. HEIF wird wahrscheinlich das gute, alte JPEG in den nächsten Jahren ablösen.

Aber: Da HEIF noch längst nicht von allen Geräten unterstützt wird, wandelt iOS 11 diese Fotos noch einmal in JPEG um. Das ist immer noch effizienter als die Aufnahme direkt in JPEG, sodass Fotos oder Live Photos schneller versendet werden können, da kleinere Dateigrößen anfallen. Auch werden farbenfrohere Fotos möglich, da es jetzt 10-Bit-Farbtiefe anstelle der üblichen 8-Bit möglich sind. Es wird jedoch noch ein wenig Zeit vergehen, bis auch wirklich alle anderen Geräte und Betriebssysteme mit HEIF umgehen können.

Ein paar Features hat Apple auch primär für das iPhone in iOS 11 eingebaut. Dazu gehören vor allem die folgenden zwei Funktionen:

1. Verbesserte Sicherheit beim Fahren

Apple hat dem iPhone einen Auto-Modus verpasst. Das Smartphone erkennt selbstständig, dass Sie gerade im Auto sitzen und geht daher in den Nicht-Stören-Modus. Das Telefon kann dann nicht mehr klingeln und auch Push-Nachrichten wie E-Mails oder Instant Messenger kommen nicht mehr an. Insgesamt sollte dies der Fahrsicherheit deutlich zugutekommen. Kleiner Nachteil daran: Nutzer müssen diese Funktion erst aktivieren. Die meisten Käufer werden jedoch wahrscheinlich gar nicht wissen, dass es solch ein Feature gibt. Vielleicht ist Apple in iOS 12 etwas konsequenter.

2. Hilfe im Notfall

Die Sicherheit wird auch durch eine neue Notruf-Funktion verbessert: Tippen Sie fünf Mal auf den Home Button, setzt das Gerät automatisch einen Anruf an eine vorher definierte Nummer ab (also etwa Polizei oder Feuerwehr). Gleichzeitig können Sie auch eine Nachricht an einen beliebigen Kontakt absetzen ("Mir ist etwas passiert, ich brauche Hilfe"). Nützlich kann das beispielsweise bei Unfällen, plötzlichen Herzinfarkten & Co. sein - oder als Funktion für ältere Menschen, die geistig nicht mehr komplett auf der Höhe sind und gelegentlich Hilfe benötigen.

Anders als viele andere Funktionen gibt es diese beiden Features auch sofort für Deutschland!

Der typische iPhone-Nutzer interessiert sich für tiefgehende Neuerungen am System vielleicht weniger, nützlich sind sie aber trotzdem. Werfen wir einen Blick auf einige technische Baustellen, die Apple in iOS 11 beseitigt hat:

• Schlüsselbund in Apps

Der von iCloud verwaltete Schlüsselbund ist in Safari eine echte Hilfe: Benutzer von MacBook Pro, iPhone und iPad haben dadurch eine starke Passwortverwaltung, die eine erneute Eingabe von Passwörtern auf zahlreichen Webseiten überflüssig macht - iCloud übernimmt diese Aufgabe. Problematisch wurde es aber immer dann, wenn Sie beispielsweise nicht die Webseite von eBay aufrufen, sondern die App nutzen. In iOS 11 ist das jetzt Geschichte: Der Schlüsselbund arbeitet mit Apps zusammen, sodass Passwörter auch App-übergreifend und in Safari gleichzeitig gespeichert werden. Bevorzugen Sie praktisch immer Apps, ist dies eine wirklich gute Neuerung.

• WLAN-Passwort übermitteln

Sind Sie mit Ihrem iPhone im eigenen WLAN angemeldet und packen gerade das neue iPad Pro aus, dann können Sie dem neuen Gerät ab jetzt einfach das WLAN-Passwort schicken - praktisch bei H839thg9ha0#'§%"(H)AF-Passwortmonstern. Apple hat dies sehr einfach umgesetzt: Halten Sie das iPhone einfach kurz an das iPad und auf dem neuen Gerät sehen Sie die Frage, ob Sie sich im WLAN einloggen möchten. Technisch funktioniert dies über NFC. Es reicht also, in einem Apple-Haushalt nur noch ein einziges Gerät einzurichten und den Rest per NFC zu koppeln.

• Verbesserte Gerätekonfiguration

Ganz ähnlich funktioniert diese Technik: Wenn Sie ein iPhone besitzen und Ihre Einstellungen auf ein anderes Gerät übertragen möchten, legen Sie die beiden Smartphones einfach nebeneinander. Über einen scanbaren QR-Code übertragen Sie dann alle wichtigen System-Settings auf das neue Gerät und sparen sich einen Konfigurationsmarathon. Praktisch ist dies auch für Entwickler, die ihr Gerät häufig zurücksetzen (müssen) und sofort wieder ein iPhone im gewünschten Zustand haben möchten. Hierfür sind ebenfalls zwei Geräte mit NFC notwendig.

• Neue AirPod-Funktionen

Trotz des hohen Preises und der durchschnittlichen Soundqualität erfreuen sich die Bluetooth-basierten AirPods hoher Beliebtheit. In iOS 11 regeln Sie jetzt die Funktionen der beiden Kopfhörer separat. Das heißt, dass Sie beispielsweise mit einem Tippen auf den linken Kopfhörer die Musik pausieren, während das andere Ohr Siri aufruft und Befehle entgegennimmt. Bislang ist die Auswahl der Funktionen, die Sie verteilen können, noch überschaubar. Es könnte jedoch gut sein, dass Apple hier noch nachlegt und spätestens in iOS 12 noch einmal weitere Funktionen einfügt.

Das Schreiben mit einer Hand wurde abschließend ebenfalls noch ein weniger verbessert: In iOS 11 hat das neue, für die Eingabe mit nur fünf Fingern konzipierte Keyboard enger aneinander liegende Buchstaben. Außerdem ist die gesamte Tastatur jetzt näher am Bildschirmrand. Das Schreiben auf einem Giganten wie dem iPhone 8 Plus sollte damit einfacher werden, denn kleine Hände konnten diese Funktion auf den Plus-iPhones bislang kaum sinnvoll nutzen.

Der Sprachassistent von Apple erhält stetige Weiterentwicklungen. Apple hat daher auch gleich verkündet, dass Siri jetzt "schlauer" geworden ist. Am Anfang müssen Sie trotzdem noch nachhelfen - aber das geht jetzt einfacher. Versteht Siri beispielsweise eine Sprachmischung aus Deutsch und Englisch nicht, können Sie die Spracheingabe jetzt mit der Tastatur korrigieren. Das ging zwar auch schon vorher, Apple hat allerdings das Eingabefenster verbessert und damit auch den Umgang mit Siri unter iOS 11 einfacher gemacht.

Eine weitere enorm praktische Funktion ist die integrierte Übersetzung. Sie sagen also beispielsweise "Siri, wie sage ich "Hallo, mein Name ist …" auf Chinesisch?" Siri wird Ihnen dann die Antwort nicht nur zeigen, sondern auch aussprechen. Für Geschäftsreisende und auch Urlauber ist das eine fantastische Möglichkeit, in andere Länder zu reisen, ohne Sprachkenntnisse mitbringen zu müssen. Kleiner Nachteil: Bislang gibt es diese Funktion nur in den USA und auch nur in die Sprachen Deutsch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Mandarin. Ob und wann das Feature auch hierzulande verfügbar ist, hat Apple noch nicht verkündet.

AirPlay 2 ersetzt das bereits seit 13 Jahren existierende AirPlay. Vorteile sind beispielsweise ein verbessertes Buffering, wodurch Verbindungsabbrüche zu Bluetooth-Geräten seltener auftreten sollten. Bei Bedarf puffert das System jetzt gleich mehrere Minuten und nicht nur wenige Sekunden. Außerdem gibt es jetzt die Fähigkeit, Multiroom-Lautsprecher durch AirPlay 2 anzusprechen. Ein Fallback-Modus garantiert, dass ältere Geräte weiterhin das normale AirPlay nutzen können.

Mit AR-Kit gibt es für Entwickler außerdem die passende Schnittstelle, um Apps für Augmented Reality anzufertigen. Dies hatte Apple auf der Keynote im September gezeigt. Damit AR wirklich "abhebt", sind jedoch Entwickler notwendig. Genau die möchte Apple mit dem neuen AR-Kit gewinnen.

Zurück ist auch der Ping: Apple Ping war einmal eine Art Facebook-Klon von Apple, der auf Musikfans ausgerichtet war. Die Funktion ist jetzt in iTunes wieder vorhanden, dort können Sie nämlich nach Freunden suchen und sich deren Lieblingsbands oder -musik anschauen und anhören. Ob Ping in diesem zweiten Anlauf mehr Zulauf gewinnt, bleibt jedoch abzuwarten.

Zu guter Letzt gibt es in der Karten-App jetzt auch Grundrisse und Karten von Innenräumen - also etwa Museen oder Flughäfen. Die Funktion steht bislang natürlich noch in recht überschaubarem Umfang zur Verfügung, es sind längst nicht alle größeren Gebäude der westlichen Hemisphäre enthalten. Im Laufe der Zeit sollte Apple aber trotzdem ein Angebot aufbauen können, das mit Google und Android in dieser Hinsicht konkurriert.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass sowohl iPhone als auch iPad mit iOS 11 einen spürbaren Sprung nach vorne machen. An allen Ecken und Enden fühlt es sich jetzt etwas runder an und viele kleine Funktionen - Screenshots, Multitasking, Dateimanager, Drag & Drop - sind offenbar an die Bedürfnisse einer produktiven Zielgruppe ausgerichtet. Spürbar ist das vor allem am iPad, das durch das verbesserte Multitasking am meisten profitiert. Gleichzeitig muss Apple einen kleinen Drahtseilakt hinlegen: Das iPad Pro soll die Verkäufe des MacBook Pro nicht gefährden, gleichzeitig muss das Tablet aber einen klaren Mehrwert bieten - und der liegt wohl vor allem in Notizen und Stifteingaben.

Das iPhone wurde hingegen auch an "Mainstream"-Kunden angepasst: Der App Store ist sichtbar flotter und einfacher zu bedienen, die neuen Fotos mit verbessertem Bildformat machen Spaß. Die Fähigkeit, mit dem Finger in Fotos zu malen, spricht Urlauber an. Der neue Look steht dem iPhone ebenfalls gut zu Gesicht und unterstreicht besonders das futuristische Äußere des iPhone X. Am Ende bleibt ein Betriebssystem übrig, das vieles besser und praktisch nichts schlechter macht - und genau so sollte eine Produktentwicklung schließlich ablaufen.© IDG