Einen Monat nach der Einführung in den USA startet Facebook seine Maßnahmen gegen Falschnachrichten auch in Deutschland. Ein Rechercheteam unterstützt das Netzwerk künftig bei der Identifikation und Kennzeichnung sogenannter Fake-News. Auch den Nutzern will Facebook das Melden von Beiträgen erleichtern.

Facebook sagt Fake-News den Kampf an. Nachdem das soziale Netzwerk nach den US-Wahlen massiv in die Kritik geraten war, weil immer wieder Falschmeldungen im großen Stil über die Plattform verbreitet worden waren, führt das Unternehmen im großen Wahljahr in Deutschland erste Maßnahmen gegen die Verbreitung von Falschnachrichten ein.

Einfacheres Melden von Beiträgen

Über das Menü in der oberen rechten Ecke eines Beitrags können Nutzer künftig einen Beitrag als Falschmeldung markieren. Anschließend sollen sie ihre Meldung begründen und die Person, die den Artikel veröffentlicht oder geteilt hat, darüber informieren. Melden besonders viele Nutzer einen einzelnen Beitrag, wird dieser an externe unabhängige Faktenprüfer weitergeleitet.

Warnhinweise zu angezweifelten Beiträgen

Unterstützt wird Facebook dabei von dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv, das rein spendenbasiert und ohne finanzielle Mittel von Facebook arbeitet. Seine Aufgabe: Den Wahrheitsgehalt der veröffentlichten Nachrichten prüfen und diese gegebenenfalls als Fake-News zu kennzeichnen.

Die von den Faktenprüfern bestätigten Falschmeldungen wird Facebook allerdings nicht sperren, sondern lediglich mit einem Warnhinweis versehen. Ziel ist es, dass die Nutzer selbst entscheiden, ob sie der Quelle dennoch trauen wollen.

"Wir glauben, dass zusätzlicher Kontext Personen dabei helfen kann, selbst zu entscheiden, wem sie trauen und was sie teilen möchten", schreibt Facebook dazu. Auch das Teilen dieser Beiträge soll weiterhin möglich sein, jedoch erst, nachdem der Nutzer eine Warnmeldung bestätigt hat, die ihn erneut auf die wahrscheinlich fragwürdigen Inhalte aufmerksam macht.

Die Beiträge können allerdings nicht mehr hervorgehoben werden und auch die Umwandlung in Werbeanzeigen wird nicht mehr möglich sein.

Bekämpfung finanzieller Anreize für Spammer

Mit den getroffenen Maßnahmen will Facebook die finanziellen Anreize für Spammer, die sich als Nachrichtenagenturen ausgeben, bekämpfen. "Wir haben festgestellt, dass viele Fake-News finanziell motiviert sind. Spammer machen Geld, indem sie sich als bekannte Nachrichtenorganisationen ausgeben. Sie veröffentlichen falsche Nachrichten, um Nutzer auf ihre Websites zu locken, die oft nur aus Anzeigen bestehen", schreibt Adam Mosseri, der als Vice President für den News Feed zuständig ist, in einem Blogeintrag.

Mit einer Änderung im Algorithmus will das Unternehmen dafür sorgen, dass als "fake" gekennzeichnete Beiträge künftig weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Falschmeldungen auf Facebook kennzeichnen Halten Sie eine Kennzeichnung sogenannter "Fake-News" für sinnvoll?
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    Ja, dann erkennt man Falschmeldungen gleich.
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    Nein, jeder soll sich seine eigene Meinung bilden.

Kritik und offene Fragen

Welche Auswirkungen die Änderungen für die Beiträge einzelner Nutzer haben, ist derzeit Gegenstand zahlreicher Diskussionen im Netz – unter anderem auf Facebook. Vielfach gestellte Fragen sind dabei: Können Beiträge tatsächlich ganz klar als wahr oder unwahr klassifiziert werden?

Wie läuft eine solche Überprüfung bei Correctiv praktisch ab? Und werden möglicherweise auch faktisch richtige Beiträge unter den Neuerungen leiden, die von Nutzern gemeldet werden, weil sie nicht in deren (politisches) Weltbild passen?

Ob die nun getroffenen Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen oder ob auch die Bundestagswahl durch Fake-News beeinflusst wird, wird sich jedenfalls bald zeigen. Correctiv selber schreibt in einem Facebook-Beitrag dazu: "Leider haben wir sehr wenig Zeit. Die entscheidende Richtungswahl ist im Mai in NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Die Bundestagswahl ist dann schon im Herbst."

Facebook hat versprochen, dass durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kein Unbefugter WhatsApp-Nachrichten lesen kann - nicht einmal die Organisation selbst. Doch das stellt sich als unwahr heraus.