Kindersicherung auf Smartphone und Tablet einrichten.

Das Internet ist ein spannender Ort, aber an einigen Stellen für Kinder nicht geeignet. Wir zeigen Ihnen, wie Sie wirksame Kindersicherungen auf Tablets und Smartphones einrichten.

Der erste Kontakt mit Smartphones und Tablets geschieht in der Regel dann, wenn die Eltern den Zugriff auf diese Geräte gewähren. Können Kinder noch nicht lesen oder schreiben, sind die Gefahren begrenzt: Normalerweise wechseln die Kids dann noch nicht zwischen Apps, sie beschäftigen sich einfach mit dem Inhalt, der Ihnen vorgesetzt wird. Sobald Kinder etwas älter sind, wird es jedoch gefährlich: In bestimmten Apps lauern eventuell teure digitale Käufe, die nur einen Fingertipp entfernt sind. Webseiten mit zweifelhaftem Inhalt lassen sich auch zufällig finden. Der natürliche Forscherdrang ist es, der Kinder dann meistens "in Gefahr bringt".

Da Eltern auf Themen wie Glücksspiel, Gewalt und Sex in Verbindung mit Kindern normalerweise nicht allzu erfreut reagieren, gibt es Lösungsansätze für diese Probleme - wie etwa Profile. Viele (aber nicht alle) Geräte mit Android unterstützen diese Funktionen:

1. Gehen Sie zuerst in den Einstellungen des Geräts auf "Nutzer".

2. Fügen Sie jetzt einen "Nutzer oder Profil" hinzu.

3. Im nächsten Fenster fügen Sie entweder einen regulären "Nutzer" oder ein "Eingeschränktes Profil" hinzu.

Das eingeschränkte Profil bedeutet, dass Sie dort mit einem einfachen Schieberegler angeben, welche Funktionen und Apps der Nutzer dieses Profils - also das Kind - verwenden darf. Zwei Haken gibt es an dieser Vorgehensweise jedoch: Erstens gibt es das eingeschränkte Profil nicht auf jedem Gerät, es kommt dabei auf den Hersteller Ihres Smartphones oder Tablets an. Zweitens lassen sich bestimmte Dienste nicht deaktivieren. Dazu zählt die typische Google-Suche, die für Kinder oftmals der Startpunkt für Ausflüge ins Internet ist. Immerhin: Kamera, Play Store oder auch Kontakte können Sie sperren.

Wenn Sie fertig sind, weisen Sie dem neuen Profil einen Namen zu. Schützen Sie es mit einem Passwort, auch wenn Ihr Kind natürlich anmerken wird, dass es ohne Kennwort bequemer wäre. So lehren Sie aber schon sehr früh, dass Passwörter beim Umgang mit dem Internet eine wichtige Rolle spielen.

Falls es die eingeschränkten Profile nicht gibt, bietet der Play Store Auswege über App-Locker. Diese praktischen Apps machen genau das, was der Name sagt: Sie schränken den Einsatz von Apps ein, indem eine PIN oder ein Passwort vor dem Start der jeweiligen App abgefragt werden. Verbreitet und beliebt ist dafür unter anderem die etwas einfallslos benannte App " ". Damit blockieren Sie Apps oder regeln, was bei bestimmten Events (eingehende Anrufe etwa) passieren soll. Alternativ zu PIN und Passwort können Sie auch den Fingerabdruckscanner nutzen, wenn Ihr Gerät dieses Feature bietet. Die Konfiguration ist einfach, die Wirkung durchschlagend.

Die umfangreichste Möglichkeit, finanziellen Schaden anzurichten, finden Kinder im Google Play Store. Gleichzeitig sollten Sie Kinder nicht komplett von der Außenwelt und den teilweise sehr praktischen und auch pädagogisch wertvollen Apps abschotten. Um optimal zu handeln, kümmern Sie sich am besten zuerst um den Jugendschutz. Gehen Sie wie folgt vor:

1. Öffnen Sie zuerst den Google Play Store. Dort gehen Sie dann in die Einstellungen.

2. Tippen Sie auf die Jugendschutzeinstellungen. Damit Sie diese ändern können, müssen Sie einmalig eine PIN eingeben (und diese in Zukunft wiederholen).

3. Sie stehen jetzt vor der Auswahl von vier Gruppen: Filme, Musik, Serien sowie Apps und Spiele. Für alle Gruppen (außer Musik) können Sie eine Altersbeschränkung eingeben. Diese funktionieren analog zu den hiesigen USK-Regelungen.

4. Bei der Musik können Sie nur solche Songs herausfiltern, die "explizite" Sprache verwenden und daher für Kinderohren nicht geeignet sind.

Vor Medien haben Sie Ihre Kinder jetzt ganz ordentlich geschützt. Apps sind aber ein Sonderfall. Generell ist es klug, bis zu einem gewissen Entwicklungsstand Kinder komplett von der Installation von Apps fernzuhalten. Das geht in den Play Store-Einstellungen über "Authentifizierung für Käufe erforderlich". Dort entscheiden Sie sich für die Auswahl "Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät".

Eine eher theoretische Möglichkeit, die für Kinder meist zu kompliziert ist, stellt allerdings die Installation von APK-Dateien dar. Um auch diesen Gefahrenherd zu löschen, gehen Sie wieder in die Einstellungen des Play Stores und dort in den Bereich "Sicherheit". Dort gibt es die Option "Unbekannte Herkunft". Ist sie deaktiviert, können keine externen Programme über APK-Dateien installiert werden. Aber: Pfiffige Kinder könnten diese Option auch selbst wieder deaktivieren. Abhilfe schaffen nur eingeschränkte Profile oder spezielle Apps für die Kindersicherung.

Im Play Store bieten Drittanbieter Apps an, die Smartphones und Tablets praktisch vollständig in Geräte für Kinderhände verwandeln. Sehr bekannt und beliebt ist die App " ". Sie ist kostenlos im Store erhältlich und deckt praktisch alles ab, was Eltern von einer solchen App erwarten würden. Nach der Installation legen Sie zuerst eine PIN fest, die notwendig ist, um die App zu konfigurieren und jene Konfiguration auch gegen Dritte zu schützen. Ansonsten könnten Kinder einfach selbst alle Einstellungen wieder ändern.

Direkt nach dem Start gibt es zuerst zwei wichtige Aufgaben zu erledigen:

1. Sperren Sie die Home-Taste. Damit nehmen Sie dem Kind die Möglichkeit, Kids Place zu verlassen und die normale Android-Oberfläche aufzurufen.

2. Legen Sie fest, welche Apps Ihr Kind nutzen darf. Hier haben Sie völlig freie Hand und können entscheiden, was für Ihr Kind geeignet ist und was nicht.

Kids Place fungiert anschließend praktisch als Launcher wie auch der normale Homescreen oder der beliebte Microsoft Launcher. Nimmt Ihr Kind das Gerät in die Hand, sieht es den Startbildschirm von Kids Place. Mit der Home-Taste geht es dann zurück auf diesen Bildschirm, wenn das Kind gerade andere Apps nutzt. Sobald Ihre Konfiguration vollständig abgeschlossen ist, geben Sie Ihr Einverständnis mit einem Klick auf die "Fertig"-Taste. Sie sehen dann das Ergebnis Ihrer Konfiguration und können bei Bedarf noch etwas ändern.

Bleiben wir noch für einen Moment bei dieser nützlichen App und erklären Ihnen einige nützliche Features genauer. Gehen Sie dazu zuerst in die Einstellungen der App. Dort finden Sie den Punkt "Kindersicherung", der 14 einzelne Optionen bietet. Beispielsweise können Sie festlegen, dass Kids Place der einzige Launcher ist, der auf dem Gerät verwendet werden darf. Außerdem stellen Sie die App so ein, dass auch ein kompletter Reboot des Tablets oder Smartphones wieder zurück zu Kids Place verweist - andernfalls würde ein simpler Neustart die App aushebeln.

Falls gewünscht, deaktivieren Sie auch wichtige Apps wie den Google Play Store oder konfigurieren das Gerät so, dass beim Start von Kids Place die WLAN-Verbindung abgebrochen wird. Inwieweit das sinnvoll ist, sei dahingestellt. Auch den Flugmodus können Sie permanent einschalten und so jegliche Kommunikation nach außen unterbinden. Dies dürfte allerdings nur die Allerkleinsten zufriedenstellen, da selbst in recht simplen Apps heute häufig Internetdienste integriert sind.

Sollten Sie knappe 5 Euro ausgeben und die Premium-Version von Kids Place erwerben, gibt es als Dankeschön weitere Funktionen, die sich vor allem um den Schutz etwas älterer Kinder drehen:

1. Verwenden Sie das Zeitschloss. Darin definieren Sie für jeden Tag eine Zeitdauer, über die das Gerät genutzt werden darf. Überschreitet das Kind diese Dauer - vielleicht 60 Minuten pro Tag - schaltet sich das Gerät ab.

2. Nutzen Sie Profile. Falls Sie beispielsweise Kinder im Alter von 6, 9 und 12 Jahren haben, könnten Sie für jedes Kind eigene Berechtigungen verteilen und damit auf den individuellen Entwicklungsstand Rücksicht nehmen.

Kümmern Sie sich ausreichend um das Feintuning, könnten Sie also beispielsweise ein Familien-Tablet kaufen und sehr exakte Regeln festlegen. Der sechsjährige Sohn dürfte dann beispielsweise nur im Flugmodus einige Spiele spielen, während die zwölfjährige Tochter alleine im Internet surfen und Inhalte kaufen darf, die ihrem Alter entsprechen.

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Funktion, externe Add-ons in Kids Place einzubinden. Besonders sinnvoll, da von Haus aus nicht mit an Bord, ist die Verwaltung von Webseiten. Gehen Sie in die Einstellungen der App und dann auf "Webseiten verwalten". Anschließend installiert das Programm automatisch die App "Safe Browser Jugendschutz". Diese Anwendung könnten Sie bei Bedarf auch selbst im Play Store herunterladen, in Kids Place integriert geht diese Aktion aber ein wenig geschmeidiger von der Hand.

Im Prinzip handelt es sich dabei um einen alternativen Browser zum vorinstallierten Chrome. Darin enthalten sind etwa Filterlisten, die sehr umfangreich ausfallen. Dort können Sie beispielsweise eine Kategorie auswählen - wie vielleicht "Drogen". Alle Webseiten, die darin hinterlegt sind, werden vom Browser automatisch geblockt. Falls Sie selbst Vorschläge haben, können Sie diese ebenfalls in Black- oder Whitelisten eintragen. Kleiner Haken am Ende: Die Installation dieser Erweiterung ist nicht kostenlos, pro Jahr müssen Sie dafür ungefähr 22 Euro ausgeben.

Falls Sie keine Apps installieren und Geld ausgeben möchten, können Sie zumindest die Dauer der Nutzung auch mit Geräten wie einem normalen Internetrouter überwachen. Denn: Kinder sind erfinderisch und können sich um viele Einschränkungen der Eltern hinwegsetzen. Zu Hause werden sie aber mit Sicherheit WLAN nutzen, um mit Smartphone und Tablet ins Internet zu kommen - und genau dort können Sie ansetzen, da dieser Traffic natürlich über den Router geleitet wird. Gute Geräte - wie etwa die beliebten Fritz!Box-Router von AVM - bieten intern dann auch gleich eine Funktion, um Nutzungszeiten zu beschränken.

Sehen wir uns also kurz an, wie das bei einer Fritz!Box funktioniert:

1. Öffnen Sie zuerst die Oberfläche des Routers im Browser über die Eingabe von http://fritz.box. Dort finden Sie auf der linken Seite die Spalte "Internet". Klicken Sie darauf.

2. Jetzt gehen Sie auf "Filter" und anschließend "Zugangsprofile". Legen Sie hier ein Profil fest, das später Ihrem Kind gehören soll. Eine eindeutige Namenszuweisung wäre sinnvoll.

3. Weisen Sie dem Profil eine Nutzungsdauer und einen Zeitpunkt zu. Legen Sie beispielsweise fest, dass Ihr Kind an Wochenenden zwischen 8:00 Uhr morgens und 22:00 Uhr abends für 180 Minuten ins Internet darf.

Auch können Sie hier Inhalte filtern. Das funktioniert über Blacklists. Stellen Sie beispielsweise ein, dass Ihre zehnjährige Tochter noch keinen Zugang zu https://www.facebook.de haben darf, weil Sie dortige Inhalt als nicht angemessen erachten. Hier dürfen Sie auch ein Plug-in der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) installieren, das Ihnen die Arbeit abnimmt. Vorsicht: Die BPjM geht teilweise sehr restriktiv vor.

Weisen Sie das Profil jetzt noch dem Gerät des Kindes zu. Dazu gehen Sie auf "Heimnetz -> Heimnetzübersicht". Dort werden Sie (eventuell nach einer kurzen Suche) das jeweilige Gerät finden und können mit einem Klick darauf das Profil zuweisen. Ab jetzt kann das Kind auf dem Gerät versuchen, was es will: Die Internetverbindung wird sich so verhalten, wie Sie es im Router definiert haben. Das Kind kann seine Onlinezeit übrigens über http://fritz.box/surf.lua jederzeit selbst einsehen.

Mit den geeigneten Mitteln können Sie Ihre Kinder umfangreich und effektiv vor unangemessenen Inhalten schützen. Aber: Vergessen Sie nicht, dass dies kein Freifahrtschein für eine sorglose Erziehung ist. Bis zu einem gewissen Alter sollten Sie immer dabei sein, wenn Ihr Kind den Möglichkeiten, aber auch Gefahren des Internets ausgesetzt ist. Gleichzeitig sollten Sie dem Kind mit zunehmendem Alter die Chance geben, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Ihr Kind von der Realität abzuschirmen, ergibt bei einem Teenager sicherlich keinen Sinn mehr.© IDG