Frühes Arbeitsende - dann Homeoffice - und schließlich morgens wieder ins Büro: Wie flexibel darf das Arbeiten sein? Ministerin Nahles will die Regeln lockern - nicht allen in der Union geht das schnell genug.

Die Koalition will den Weg für flexibleres Arbeiten freimachen. An diesem Dienstag stellt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ihre Pläne dazu in Berlin vor. Die CDU im Bundestag signalisierte grundsätzlich Unterstützung für mehr Flexibilität. Doch aus ihren Reihen gab es auch deutliche Kritik an Nahles.

Zweijährige Probephase geplant

"Es ist gut, wenn die Tarifpartner die Flexibilität bekommen, die Arbeitszeit anzupassen", sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Schiewerling (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. Wenn es dabei Abstimmungen zwischen den Tarifpartnern gebe, sei dies zu begrüßen. Grundsätzlich bräuchten die Menschen auch Sicherheit.

Nahles will in einer zweijährigen Probephase Arbeitgebern und Gewerkschaften erlauben, über die gesetzlichen Regeln zur Arbeitszeit hinauszugehen. Etwa das Arbeiten zu Hause im Homeoffice soll so erleichtert werden. Auch späterer Arbeitsbeginn etwa zur Kinderbetreuung am Morgen soll leichter möglich sein - außer die Arbeitgeber begründen ausdrücklich, warum dies nicht geht.

Diskussionen über Nahles' "Arbeit 4.0"

Ihre Vorstellungen will Nahles gemeinsam mit einem Weißbuch zur Arbeit 4.0 präsentieren. Den Plänen für das Arbeiten in der digitalen Ära waren monatelangen Diskussionen mit Verbänden, Experten, Gewerkschaften und Arbeitgebern vorangegangen.

Der CDU-Arbeitsmarktpolitiker Kai Whittaker warf Nahles zu geringe Anstrengungen vor. Die Ministerin lasse Millionen Arbeitnehmer immer noch in der Illegalität arbeiten. "Wer in Deutschland abends noch Homeoffice betreibt, verstößt am nächsten Morgen gegen das Arbeitszeitgesetz", sagte Whittaker der Deutschen Presse-Agentur.

Die geplanten betrieblichen Experimentierräume bezeichnete Whittaker als Witz. "Frau Nahles tut so, als ob die Digitalisierung erst in zwei Jahren beginnt und verschwendet weiter Zeit", sagte er.

So sehen Nahles' Pläne konkret aus:

Experimentierphase: In einer zweijährigen Probephase soll flexibleres Arbeiten erleichtert werden. Wenn sich Tarifpartner darauf einigen, sollen gesetzliche Vorgaben begrenzt gelockert werden können. Tarifpartner sollten vereinbaren können, für welche Gruppen und unter welchen Bedingungen Öffnungen bei der Arbeitszeit denkbar seien.

Erörterungsrecht: Ein Arbeitnehmer soll mit dem Arbeitgeber darüber verhandeln können, zum Beispiel morgens eine halbe Stunde später zu kommen, um das Kind zur Kita zu bringen. Der Chef soll das nur gut begründet ablehnen können.

Homeoffice: Auch Anstöße zur Erleichterung von Homeoffice sollen die Tarifpartner vereinbaren können. Wer zum Beispiel wegen der Kinder früher heimgeht und dann abends weiterarbeitet, bei dem könnte nach entsprechenden Vereinbarungen die Spätschichtzulage wegfallen.

Rückkehrrecht auf Vollzeit: Ein Rückkehrrecht aus der Teilzeit in eine frühere volle Arbeitszeit soll es vor allem Frauen erleichtern, nach einer Familienphase wieder komplett in den Job einzusteigen.

Qualifizierung: Die Bundesagentur für Arbeit soll bundesweit Weiterbildungsberatung anbieten. Das soll in jeder Arbeitsagentur aufgebaut werden.

Erwerbstätigenkonto: Nahles will ein Guthaben für jeden Arbeitnehmer - damit soll Zeit für Weiterbildung oder familienbedingte Auszeit finanziert werden. Vorausschauend soll Weiterbildung finanziert werden, die absehbare Anforderungen an die Arbeitnehmer betrifft.

Selbstständige: Gerade in der Internetwirtschaft sind viele Soloselbstständige tätig - Nahles will für sie eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rente.  © dpa

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