Bei ihrer letzten Fernsehdiskussion vor der Bundestagswahl muss Kanzlerin Angela Merkel (CDU) viel Kritik einstecken – unter anderem wegen der Riesterrente. Wir erklären, was an der Kritik dran ist und wie sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen am besten auf die Rente vorbereiten können.

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Bei ihrer letzten Fernsehdiskussion vor der Bundestagswahl muss Kanzlerin Angela Merkel (CDU) viel Kritik einstecken – unter anderem, dass sie zu wenig gegen Altersarmut tue.

Als sie die Riester-Rente gegen Vorwürfe einer Krankenhaus-Reinigungskraft im Publikum verteidigte, hielt ihr eine weitere Frau vor, dies sei eine Unverschämtheit: "Das ist ein Witz, was sie erzählen."

Probleme bei der Riesterrente

Die Reinigungskraft hatte zuvor gesagt, einen Riester-Vertrag zur Aufstockung ihrer Rente würde sie niemals abschließen: "Da ist nur Riester von reich geworden."

Und tatsächlich, die staatlich geförderte Riesterrente hat einige Schwachstellen. Zusammengefasst gesagt, gibt es hauptsächlich drei Probleme: Sie lohnt sich nicht für alle, ein Riestervertrag kann so teuer werden, dass die staatliche Förderung verpufft und die Riesterrente ist extrem unflexibel.

Die Webseite "Riesterrente heute" bemängelt ebenfalls die hohen Kosten: "Mit Kosten von etwa 20 Prozent für Abschluss und Vertrieb ist das Produkt offenkundig zu teuer." Bei der klassischen Riesterrente fallen die höchsten Kosten aller angebotenen Anlageformen an.

"Bei einer Kündigung vor dem Rentenalter muss die gesamte staatliche Förderung zurückgezahlt werden", erklärt Ralf Scherfling, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das kann für Betroffene sehr teuer werden.

Nichts für kinderlose Paare und Selbstständige

Um zu vermeiden, dass man einen unpassenden, teuren Vertrag erwischt, empfiehlt Ralf Scherfling: "Nehmen Sie sich Zeit, die verschiedenen Produkte zu vergleichen".

Die Riesterrente lohnt sich nur für ganze bestimmte Bevölkerungsgruppen: für gut verdienende Singles, kinderreiche Familien und in ganz bestimmten Fällen für Geringverdiener, so Ralf Scherfling.

Kinderlose Paare, Selbstständige, die nicht förderberechtigt sind und Geringverdiener, deren gesetzliche Rente unter 600 Euro liegt sollten sich nach einer Alternative zur Riesterrente umschauen.

In den unten stehenden Beispielen erklärt Marina Herbrich, Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater, die verschiedenen Renten-Aussichten anhand von drei unterschiedlichen Lebenssituationen.

Familie, zwei Kinder, durchschnittliches Einkommen

Geht man davon aus, dass beide Verdiener ein Durchschnittseinkommen von 2.000 Euro brutto im Monat haben, so kommt jeder nach 45 Jahren Arbeitszeit auf rund 900 Euro Rente im Monat – längere Krankheit, Arbeitslosigkeit und Lohnerhöhungen nicht eingerechnet.

Das Ehepaar hätte also in der Rente gemeinsam etwa 1.800 Euro brutto zur Verfügung, ohne privat vorgesorgt zu haben.

Bei Frank Plasberg konnten die Partien ihre Wahlversprechen in den Feldern Steuern, Rente und Wohnen präsentieren. Viel unterhaltsamer als die inhaltliche Debatte war, wie sich CDU-Mann Jens Spahn und Dietmar Bartsch von der Linkspartei anblökten.

"Natürlich ist es mit Kindern immer schwierig, sich monatlich etwas für die Rente beiseite zu legen. Trotz allem ist es dringend anzuraten. Jeder sollte sich anhand der jährlichen Renteninformation einen Überblick über die eigene Situation verschaffen. Hier kann man ganz gut erkennen, wo Lücken in der Versorgung sein könnten", erklärt Marina Herbrich.

Für Kinder, die nach 1992 geboren sind, gibt es in der Rente in etwa 90 Euro im Monat zusätzlich.

Alleinerziehend, geringes bis durchschnittliches Einkommen

"Wir haben erst seit einiger Zeit den Mindestlohn von 8,50 Euro. Jemand der diesen Mindestlohn verdient, wird nie allein von der daraus resultierenden Rente leben können. Diejenigen werden immer auf die Hilfe vom Staat angewiesen sein. Das schafft ein Gefühl von sozialer Ungerechtigkeit", sagt Marina Herbrich.

Unterschiedlicher könnten Partei-Programme bei der Rente kaum sein.


Eine neue Rentenreform sieht die Präsidentin der Rentenberater als zwingend notwendig, damit gerade Alleinstehende wenigstens eine Mindestsicherung erhalten.

Denn: Wer alleinerziehend ist und 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen von 2.000 Euro brutto im Monat hat, dem bleiben am Ende eben nur 900 Euro zum Leben übrig.

"Das ist nicht bombastisch. Davon adäquat zu leben, ist eigentlich nicht möglich", sagt Marina Herbrich.

"Auch wenn es weh tut und 50 Euro im Monat viel Geld sind, so empfiehlt es sich trotzdem, auch hier möglichst bald mit einer privaten Vorsorge zu beginnen. Aber klar ist: In der Realität ist es sehr schwer bis unmöglich, monatlich überhaupt schon einen geringen Betrag auf die Seite zu legen."

Ledig, keine Kinder, gutes Einkommen

Wer 4.000 Euro brutto im Monat verdient – und das über 45 Jahre, dem bleiben allein etwa 1.800 Euro Rente übrig. "Natürlich hat man sich einen anderen Lebensstandard erarbeitet, wenn man mehr verdient hat. In Relation gesehen, sind also auch diese 1.800 Euro für jemanden, der vorher deutlich mehr verdient hat, wenig", so Herbrich.

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"In München wird man beispielsweise mit so einer Rente schon Probleme bekommen, wenn man sich einmal den Wohnungsmarkt anschaut. Auf dem Land ist das weniger problematisch, weil noch günstiger Wohnraum vorhanden ist."

Wie sorge ich richtig vor?

Der Markt für private Altersvorsorge ist riesig groß. Aber welche ist denn nun die richtige? "Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Für jeden passt etwas anderes. Hier ist es sinnvoll, sich persönlich von Fachleuten zur individuellen Situation beraten zu lassen", erklärt Herbrich. Eine gute Rentenvorsorge besteht aus drei Säulen: Gesetzlich, privat und betrieblich.

"Klären Sie ab, ob Sie Anspruch auf betriebliche Rente haben. Im nächsten Schritt holen Sie sich Angebote zur privaten Vorsorge." Die dringende Empfehlung der Rentenberater-Präsidentin: "Es ist wichtig, das Rentenkonto durch einen unabhängigen Berater geklärt zu haben, damit keine vorschnelle, sondern wohl überlegte Entscheidung getroffen werden kann."

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