Arbeitszeugnisse sind sehr wichtig für die weitere Karriere. Das Dokument klingt immer positiv, das muss es allerdings auch. Mit diesen Tricks können Sie erkennen, ob Ihr Arbeitgeber mit Ihnen zufrieden war - oder ob Sie ein negatives Zeugnis bekommen haben.

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Das Arbeitszeugnis liest sich auf den ersten Blick immer gut. Arbeitgeber dürfen ihren Angestellten allerdings auch keine negative Bewertung ausstellen, um ihre weitere Karriere nicht zu gefährden. Einige Indizien für Personaler verstecken sich in dem Schreiben dennoch.

Zunächst gilt: Das Schreiben sollte auf sauberem Firmenpapier gedruckt sein. Ist das Zeugnis zerknittert oder hat es sogar Flecken, sollten Sie es erneut einfordern. Ein unordentliches Dokument wirft nie ein gutes Licht auf einen Arbeitnehmer.

Arbeitszeugnis muss unbedingt vollständig sein

Das Arbeitszeugnis sollte immer mindestens eine Seite lang sein, besser eineinviertel oder anderthalb Seiten. Ist der Text erheblich kürzer, erweckt dies den Eindruck, dass der Arbeitgeber den Mitarbeiter nicht besonders wertgeschätzt hat. Mehr als zweieinhalb Seiten werden allerdings auch eher negativ ausgelegt. Solche Zeugnisse sind zu detailliert.

Auch die Reihenfolge ist wichtig. Am Anfang stehen normalerweise Angaben zur Person, zur Dauer des Arbeitsverhältnisses und zu dem Unternehmen, danach folgen die Tätigkeitsbeschreibung sowie eine Leistungs- und Verhaltensbeurteilung. Darauf folgen eine Aussage zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses und eine Schlussformel. Wird die Reihenfolge nicht eingehalten, bedeutet das für den Personaler nichts Gutes.

Das Dokument sollte außerdem in jedem Fall vollständig sein. Wenn beispielsweise die Bewertung des Verhaltens oder Ähnliches fehlt, kann der Text noch so positiv klingen. Das Schreiben ist dennoch nicht mehr besonders gut.

Die zentrale Aufgabe sollte dabei immer am Anfang stehen und möglichst konkret beschrieben sein. Die Flucht in Selbstverständlichkeiten oder Nebensächlichkeiten wirft kein gutes Licht auf den Mitarbeiter. Das zeigt, dass der Arbeitgeber nicht viel Gutes über andere Fähigkeiten zu sagen hat.

Flüchtigkeitsfehler sind sehr negativ

Auch die Reihenfolge beim Thema Sozialverhalten sagt viel mehr aus, als es auf den ersten Blick scheint. Zuerst sollten in einem Zeugnis der Vorgesetzte, dann die Kollegen und anschließend vielleicht noch die Kunden genannt werden.

Wenn die Vorgesetzten in der Auflistung erst in der Mitte oder noch später erwähnt werden, zeigt dies dem Personaler, dass etwas nicht in Ordnung war. Formulierungen wie "Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich und einwandfrei" sind dagegen sehr positiv.

Flüchtigkeitsfehler im Zeugnis können passieren? Wohl eher nicht. Ein so wichtiges Dokument sollte fehlerfrei sein. Offensichtliche Fehler erwecken sofort einen negativen Eindruck. Es lässt den Schluss zu, dass der Arbeitnehmer nicht sonderlich geschätzt wurde.

Diese Noten verstecken sich im Arbeitszeugnis

Die tatsächliche Bewertung des Mitarbeiters ist einer der wichtigsten Teile des Zeugnisses. Hier reihen sich unter anderem zu den Themen Arbeitsbereitschaft, -belastung und Fachkenntnisse Geheimcodes aneinander. Dieser Teil sollte aus mindestens vier bis fünf Sätzen bestehen.

Das bedeuten die gängigen Formulierungen:

Note 1stets / immer / in jeder Hinsicht zur vollsten/ größten / äußersten / außerordentlichsten Zufriedenheit
Note 2zur vollsten / stets zur vollen Zufriedenheit
Note 3zur vollen Zufriedenheit / stets zur Zufriedenheit
Note 4zur Zufriedenheit
Note 5insgesamt / im Großen und Ganzen zur Zufriedenheit
Note 6XY war bemüht

Das Wort "voll" kann eigentlich nicht gesteigert werden, deshalb hat sich auch die qualitative Bewertung "vollste" für die Bestnote etabliert. Davor muss immer eine zeitliche Angabe stehen wie "stets" oder "immer". So zeigt der Verfasser, dass der Mitarbeiter die guten Leistungen während der gesamten Beschäftigungszeit erbracht hat.

Fehlt die Dauerhaftigkeit in der Bewertung, bedeutet dies, dass der Vorgesetzte hin und wieder mit der Leistung voll zufrieden war. Fehlen positive Adjektive bei der Qualität einer Leistung, zeigt dies dem Personaler, dass der Mitarbeiter keine besonders gute aber auch keine besonders schlechte Leistung erbracht hat.

Die schlichte Formulierung "zur Zufriedenheit" deutet bereits darauf hin, dass der Arbeitgeber eher unzufrieden war. Das Leistungsniveau des Mitarbeiters war demnach eher mäßig. Die Formulierung "im Großen und Ganzen" schränkt die Leistung ein und ist ebenfalls kein gutes Zeichen.

Die schlechteste Schulnote beginnt meistens mit "XY war bemüht". Das bedeutet, dass der Mitarbeiter es zwar versucht hat, er an den Aufgaben aber gescheitert ist.

Gut zu wissen: Arbeitnehmer haben das Recht, dass ihre Leistungen im Arbeitszeugnis mindestens mit der Note 3 bewertet werden. Alles darunter muss der Arbeitgeber begründen.

Der Schlusssatz ist wichtig

Der Schluss des Zeugnisses ist ebenfalls wichtig. Dankt der Arbeitgeber dem Berufstätigen für die Zusammenarbeit und bedauert er dessen Ausscheiden, ist das ein positives Zeichen. Dahinter folgen die Wünsche für die Zukunft.

Zufriedene Arbeitgeber wünschen ihren ehemaligen Mitarbeitern "weiterhin viel Erfolg". Fehlt das Wort "weiterhin" oder wünscht er diesem nur "alles Gute" kann dies bedeuten, dass er froh ist, ihn los zu sein.

20 Formulierungen und ihre wahre Bedeutung

  • "XY zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse" bedeutet miserable Leistung
  • "XY erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß" bedeutet keine Eigeninitiative
  • "Im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten legte XY eine erfrischende Offenheit an den Tag" bedeutet vorlaut und keine Manieren
  • "XY zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft" bedeutet viele Flirts
  • "XY war tüchtig und in der Lage, seine/ihre Meinung zu vertreten" bedeutet nicht kritikfähig
  • "XY war ein kontaktbereiter Kollege" bedeutet Unbeliebtheit
  • "XY arbeitete regelmäßig nach eigener Planung" bedeutet ignorierte Anweisungen von Vorgesetzten
  • "XY war immer pünktlich" bedeutet keine Überstunden
  • "XY hat alle Aufgaben im Interesse der Firma gelöst" bedeutet Diebstahl und schwere Vergehen
  • "XY machte sich mit großem Eifer an übertragene Aufgaben" bedeutet Fleiß ohne Erfolg
  • "XY verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren" bedeutet Faulheit und Übertragung der Arbeit auf andere Kollegen
  • "XY war jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter" bedeutet kein Durchsetzungsvermögen
  • "XY verfügt über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen" bedeutet mangelhaftes Fachwissen und Arroganz
  • "Überzeugungen wusste XY intensiv zu vertreten" bedeutet Neigung zur Selbstüberschätzung
  • "XY war ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter" bedeutet egozentrischer Nörgler
  • "Verhalten von XY gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war …" bedeutet problematisches Verhalten
  • "XY war bei Kunden schnell beliebt" bedeutet nicht verhandlungsstark
  • "XYs gesellige Art trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" bedeutet Alkoholkonsum am Arbeitsplatz
  • "XY scheidet im beiderseitigen Einvernehmen aus unserem Unternehmen aus" bedeutet Kündigung durch Arbeitgeber
  • "Wir wünschen XY alles Gute, besonders Erfolg" bedeutet kein Erfolg im Unternehmen

Wenn Sie mit einem Arbeitszeugnis nicht zufrieden sind, sollten Sie Ihren ehemaligen Arbeitgeber so schnell wie möglich nach der Übersendung darauf ansprechen und um Änderungen bitten.

mit Material der dpa
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