Niedrige Zinsen machen den Kauf von Immobilien derzeit so attraktiv wie nie. Doch die Finanzierung birgt auch Risiken. Zudem steigen in Städten wie München oder Hamburg die Preise für Häuser und Wohnungen in astronomische Höhen. Wann macht Kaufen wirklich Sinn und wann ist Mieten die bessere Lösung? Dieser Frage widmete sich die erste Sendung der dreiteiligen ARD-Reihe "Der Geld-Check" am Montagabend.

Mehr als die Hälfte aller Deutschen wohnt zur Miete, doch nicht immer ist das auch so gewollt. "Mieten ist für mich Geldverschwendung", drückt es eine von "Geld-Check"-Reportern befragte Passantin aus. Das Prinzip ist klar: Statt jeden Monat mit der Miete Geld zu "verlieren" wollen viele Menschen den Betrag lieber in "Betongold" investieren – und damit in die eigene Absicherung.

"Altersvorsorge ist natürlich auch ein Thema", sagt Familienvater Arne Röttger. Er lebt mit seiner Frau und drei Töchtern in einer Vier-Zimmer-Wohnung zur Miete. Die Familie wünscht sich ein eigenes Haus und wird bei ihrer Suche von Moderator Roberto Cappelluti und seinem Reporterteam begleitet. Vater Arne ist Alleinverdiener, sein Gehalt entspricht dem deutschen Durchschnittslohn - ein gutes Beispiel für eine Verbrauchersendung also.

"Niemals zu knapp kalkulieren"

Die niedrigen Zinsen haben in Deutschland einen Immobilienboom ausgelöst. Die günstigen Kredite können aber auch zu unüberlegtem Handeln verleiten. Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey findet das "sehr gefährlich". Es gelte die Faustregel: "Mein Haus soll auf jeden Fall schuldenfrei sein, wenn ich in den Ruhestand gehe."

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Bei Familie Röttger hält Sternberger-Frey das Eigenkapital von 15.000 Euro für zu niedrig. "Man sollte niemals zu knapp kalkulieren", warnt sie. "Wenn ich den Gürtel enger schnallen muss, um eine Immobilie zu finanzieren, wird es bedenklich." Von Banken und Finanzdienstleistern sollte man keine unabhängige Beratung erwarten, denn "die wollen etwas verkaufen", erklärt die Expertin. Stattdessen empfiehlt sie ein Gespräch mit der Verbraucherzentrale.

In einem Test der "Geld-Check"-Redaktion mit versteckter Kamera fielen tatsächlich die meisten Berater durch. Sogar ganz ohne Eigenkapital sei eine Immobilienfinanzierung möglich, erklärten sie im Fall der Familie Röttger. "Viel zu riskant", betont Sternberger-Frey. "Diese Familie steht mit einem Bein in der Zwangsvollstreckung!" Lieber sollten die Röttgers noch zwei bis drei Jahre sparen und auf ihr Haus warten.

Mancher Deutsche träumen vielleicht auch deshalb vom Eigenheim, weil sie dem Mietwahnsinn in vielen deutschen Metropolen entkommen wollen. Die hoffnungslose Suche nach bezahlbaren Mietwohnungen, unzählige Massenbesichtigungen und knallharte Anforderungen von Maklern wie Vermietern ermüden irgendwann selbst den zähesten Großstädter.

Wohnungssuchende müssen sich nicht alles gefallen lassen

Wie anspruchslos die Wohnungssuchenden teilweise sind, testet Moderator Cappelluti, indem er selbst in die Rolle eines schamlosen Maklers schlüpft. Die Schafe der Vermieterin hüten? Kein Problem. Die Garage steht am Wochenende nicht zur Verfügung? Geht auch in Ordnung. Private Fragen? Werden brav beantwortet.

Doch nicht alles müssen sich Bewerber gefallen lassen: "Bei intimen, unzulässigen Fragen, etwa wie lange Sie schlafen, dürfen Sie lügen!", erklärt Monika Schmid-Balzert vom Deutschen Mieterbund. Weniger hilfreich sind dagegen die Tipps vom ARD-"Geld-Check": im Bekanntenkreis herumfragen, soziale Medien nutzen und Zeitungsanzeigen durchforsten.

Eine andere Alternative: aufs Land ziehen. Dort sind die Häuser deutlich günstiger, denn die Lage in strukturschwachen Gegenden drückt den Preis - eine gute Anlage ist es damit aber nicht. Eine Wertsteigerung erfahren Immobilien vor allem in den Regionen rund um Ballungsgebiete wie Hamburg, das Rhein-Main-Gebiet, Stuttgart oder München. Der Süden steht in der Prognose insgesamt besonders gut da, während die meisten Regionen in Ostdeutschland dagegen an Attraktivität verlieren.

Andererseits lohnt sich gerade in Großstädten das Kaufen oft nicht, weil die Immobilienpreise bereits enorm hoch sind. Hier ist Mieten die bessere Wahl. Für Käufer attraktiver sind nach Meinung der Experten mittelgroße Städte wie Fulda, Wolfsburg, Lübeck, Bonn oder Osnabrück. Hier sind die Preise in den letzten Jahren kaum gestiegen und es gibt viele Arbeitsplätze.

Das Fazit zur Sendung?

Wer sich mit dem Thema schon intensiv beschäftigt hat, dürfte beim "Geld-Check" wenig Neues erfahren haben. Wer jedoch bisher nur mit dem Gedanken gespielt hat, sich eine Wohnung zu kaufen, könnte vor allem von den Tipps der Finanzexpertin Sternberger-Frey profitieren, damit der Traum von den eigenen vier Wänden nicht zum Albtraum wird.

Ganz überflüssig ist dagegen der Beitrag in der Sendung, ob ein Eigenheim sexy macht. Das Ergebnis der Passantenbefragung im Einkaufszentrum: Bei Frauen wirkt sich der Immobilienbesitz in den Augen des anderen Geschlechts nicht aus. Männliche "Häuslebauer" werden dagegen von den Damen bevorzugt. Eine Variation der alten Erkenntnis: Frauen stehen auf sozialen Status.

Also, liebe Männer auf Partnersuche, kauft Immobilien! Aber nur, wenn ihr es euch wirklich leisten könnt.