Unzufrieden im Job?! Das geht vielen so. 87 Prozent der Mitarbeiter haben nur eine geringe oder gar keine Bindung an ihren Arbeitgeber. Sie machen im besten Fall Dienst nach Vorschrift. Das berichtet der aktuelle Gallup Engagement Index.

Doch so branchenübergreifend die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer mit ihrem Job auch ist: bestimmte Berufsgruppen sind ganz besonders stark betroffen. Auch das zeigen Umfragen und Studien.

Besonders unzufrieden mit ihrer Arbeit sind die Beschäftigten in Call-Centern. Nach einer Umfrage der Gewerkschaft ver.di klagen 83 Prozent der Befragten über "schlechte Arbeitsbedingungen". Mehr als 88 Prozent vermissen Anerkennung für die von ihnen geleistete Arbeit und 78,4 Prozent fühlen sich "leer und ausgebrannt". Auch der BKK-Gesundheitsreport 2010 zeigt, wie belastet Call Center-Mitarbeiter sind. Danach gibt es bei Telefonisten einen außerordentlich hohen Krankenstand aufgrund von psychischen Diagnosen.

Die Unzufriedenheit im Job einerseits und viele krankheitsbedingte Fehlzeiten andererseits: Psychologen wissen, dass beide Tatsachen viel miteinander zu tun haben. So berichtet der Diplom-Psychologe und Buchautor Dr. Manuel Tusch: "Ich stelle immer wieder fest, dass die Unzufriedenheit im Job steigt und der Job mehr denn je auch zum Krankmacher wird." Das liege sicher daran, dass die Anforderungen und der Druck tagtäglich steigen.

Außerdem ist es längst kein Geheimnis mehr, dass unzufriedene und unmotivierte Mitarbeiter eher krank werden als diejenigen, die voll hinter ihren Job stehen. Gibt es Konflikte mit Kollegen oder Chefs - ein klassischer Grund für die Unzufriedenheit im Job - steigt auch die Zahl der Krankmeldungen, erläutert Tusch, der mit seinen Bücher wie dem aktuellen "Ich will so werden, wie ich bin" einen Weg aus dem Stress- und Leistungszwang zeigen will.

Auch die 2010 erschienene Studie zu psychischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zeigt, in welchen Berufen und Branchen es erhöhte Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen gibt. So stellt die Studie fest, dass Angestellte im Gesundheits- und Sozialwesen eine deutlich erhöhte Anzahl an Krankheitstagen haben. Speziell im Sozialwesen ist der Krankenstand doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Erhöhte Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen dokumentieren die AOK-Fehlzeitenreporte regelmäßig auch im Dienstleistungssektor. Die BPtK-Studie zeigt zudem, dass im Bereich des Erziehungs- und Unterrichtswesens ebenfalls erhöhte Krankheitszeiten vorliegen. "Lehrerinnen und Lehrer, die den ganzen Tag einem hohen Stresslevel ausgesetzt sind, sind anfälliger für psychische Erkrankungen", erklärt Tusch. Das Burnout-Risiko sei in helfenden Berufen stark verbreitet.

Laut BPtK-Studie sind Verkäufer, Mitarbeiter in der Krankenpflege und Sozialarbeiter aufgrund einer Depression deutlich länger krank geschrieben als Bürokräfte und Bankkaufleute. Die BPtK-Studie berichtet auch über eine erhöhte Zahl an psychischen Erkrankungen in der Zeitarbeitsbranche. Sie verweist auf Befragungen, in denen Zeitarbeitsangestellte über ihre Unzufriedenheit mit Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit und ihren beruflichen Aufstiegschancen berichten.

Der BKK-Gesundheitsreport verzeichnet neben den Telefonisten bei Helfern in der Krankenpflege und bei Sozialarbeitern die meisten Krankheitstage aufgrund psychische Krankheiten. Aber auch Heimleiter, Sozialpädagogen, Wächter, Krankenschwestern und Eisenbahnbetriebsregler wurden überdurchschnittlich häufig mit einer solchen Diagnose krankgeschrieben.

Der DAK-Gesundheitsreport kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Neben der öffentlichen Verwaltung und "Verkehr, Lagerei und Kurierdiensten" hat das Gesundheitswesen einen besonders hohen Krankenstand, die Branchen "Banken und Versicherungen" sowie "Bildung, Kultur, Medien" dagegen den geringsten.