Die Kosten für Arbeitskleidung können steuerlich geltend gemacht werden. Gleiches gilt für die Reinigung dieser Kleidungsstücke. Wer die eigene Waschmaschine nutzt, muss allerdings einiges beachten, damit die Reinigungskosten anerkannt werden.

Viele Berufstätige kaufen sich ihre Berufskleidung selbst. Egal ob Sie nun angestellt oder selbstständig sind: Die Kosten dafür können Sie unter Umständen in der Steuererklärung geltend machen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, gilt das sogar für die Reinigungskosten - ja sogar dann, wenn man die Kleidung in der eigenen Waschmaschine wäscht.

Ob Reinigung oder eigene Waschmaschine: Reinigungskosten sind abziehbar

Wer die Anschaffungskosten für seine Klamotten als Arbeitskleidung geltend machen kann, darf das Finanzamt auch an den Reinigungskosten beteiligen. Das geht, wenn man die Kleidung in die Reinigung bringt. Dann darf man die Kosten dafür in voller Höhe abziehen. Voraussetzung: Der Beleg enthält Ihren Namen und die genaue Bezeichnung des Kleidungsstückes.

Man kann die Kleidung aber auch selber waschen. Die Kosten werden dann einfach geschätzt. Es gibt dafür Richtwerte der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V. - und da unterscheidet man ganz genau nach folgenden Punkten:

  • Gewicht
  • Koch-, Bunt- oder Pflegeleichtwäsche
  • Anzahl der Personen im Haushalt
  • Art des Trockners und Bügeleisens (hierfür sind zusätzliche Kosten abziehbar)

Hier finden Sie die entsprechende Tabelle:


1-Personen- Haushalt

2-Personen- Haushalt

3-Personen- Haushalt

4-Personen- Haushalt

Waschen (Kochwäsche 95°C)

0,77 Euro / kg

0,50 Euro / kg

0,43 Euro / kg

0,37 Euro / kg

Waschen (Buntwäsche 60°C)

0,76 Euro / kg

0,48 Euro / kg

0,41 Euro / kg

0,35 Euro / kg

Waschen (Pflegeleichtwäsche)

0,88 Euro / kg

0,60 Euro / kg

0,53 Euro / kg

0,47 Euro / kg

Trocknen (Ablufttrockner)

0,41 Euro / kg

0,26 Euro / kg

0,23 Euro / kg

0,19 Euro / kg

Trocknen (Kondensationstrockner)

0,55 Euro / kg

0,34 Euro / kg

0,29 Euro / kg

0,24 Euro / kg

Bügeln (Dampfbügeleisen)

0,07 Euro / kg

0,05 Euro / kg

0,05 Euro / kg

0,05 Euro / kg

Sortieren, wiegen und rechnen

Beim Waschen sollten Sie Folgendes beachten:

1. Sie müssen Ihre Wäsche nach Koch-, Bunt- und Pflegeleichtwäsche sortieren.

2. Die Berufskleidungsstücke werden gewogen.

3. Sie rechnen hoch, wie oft sie welches Kleidungsstück im Jahr tragen.

4. Sie berechnen die tatsächlichen Kosten anhand der Tabelle der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V.

Ein anschauliches Beispiel:

Ein angestellter Koch wohnt alleine. Er hat fünf Kochjacken und wäscht diese zu Hause (Buntwäsche 60 °C). Eine Kochjacke wiegt 700 Gramm. Der Koch wechselt sie unter der Woche täglich, also Montag bis Freitag. Er verwendet einen Ablufttrockner und bügelt die Jacken mit einem Dampfbügeleisen.

Es ergibt sich folgende Berechnung:

230 Arbeitstage x 700 Gramm =161 kg Wäsche pro Jahr

Waschkosten laut Tabelle für 1 kg Buntwäsche bei 1-Personen-Haushalt: 0,76 Euro

Trocknerkosten laut Tabelle für 1 kg Trocknen über Ablufttrockner bei 1-Personen-Haushalt: 0,41 Euro

Bügelkosten für 1kg Buntwäsche bei 1-Personen-Haushalt: 0,07 Euro

Fürs Waschen bedeutet das: 161 kg x 0,76 Euro = 122,36 Euro

Fürs Trocknen bedeutet das: 161 kg x 0,41 Euro = 66,01 Euro

Fürs Bügeln bedeutet das: 161 kg x 0,07 Euro = 11,27 Euro

Zählen Sie nun die Ergebnisse zusammen und Sie werden sehen, dass er insgesamt 199,64 Euro Reinigungskosten geltend machen kann.

Was ist überhaupt Arbeitskleidung?

Ist aber die Kochjacke des Kochs überhaupt Arbeitskleidung? Natürlich, werden viele sagen - und damit haben sie auch Recht. Denn in diesem Fall ist es relativ eindeutig. Doch manchmal muss man schon zweimal überlegen.

Die Medien haben und auch wir haben bereits vor einigen Monaten darüber berichtet: Der BFH hat die Berechnung der zumutbaren Belastung gekippt und beschert damit dem Steuerzahler, der außergewöhnliche Belastungen geltend machen kann, mehr Geld. Auch das BMF hat auf die Einspruchsmöglichkeit hingewiesen. Wir erläutern die Auswirkungen.


Arbeitskleidung liegt nur dann vor, wenn die Kleidung berufstypisch ist. Das bedeutet: Wenn Sie die Kleidung auch privat tragen, ist sie nicht berufstypisch und die Kosten nicht abziehbar. Die Kleidung muss also zur beruflichen Verwendung bestimmt sein und wegen der Eigenart des Berufes auch notwendig sein.

Bei einer Kochjacke, die ein Koch typischerweise nur bei der Arbeit trägt, oder bei Sicherheitsschuhen für einen Beruf, in dem ohne die Kleidung die Sicherheit gefährdet ist, wird das Finanzamt die Anschaffungskosten ohne weiteres anerkennen.

Doch es gibt Fälle, in denen sich das nicht ganz so einfach bestimmen lässt. Trägt ein Rechtsanwalt zum Beispiel einen Anzug, darf er die Kosten nicht abziehen - denn diesen könnte er ja auch privat tragen. Anders sieht es mit einer Robe aus: Diese wird er wohl kaum in der Freizeit tragen.

Ein interessanter Grenzfall ist der schwarze Anzug bei einem Oberkellner: Dieser darf die Kosten abziehen, weil der Anzug seiner Position Ausdruck verleiht, den die Gäste auch erwarten. Einem Orchestermusiker dagegen geht es nur um den festlichen Anlass bei Konzerten, der durch die Kleidung unterstrichen werden soll.

Übrigens: Ob die Kleidung tatsächlich privat getragen wird oder nicht, spielt für das Finanzamt keine Rolle. Wenn der Orchestermusiker vehement behauptet, privat niemals Anzüge zu tragen, ist dem Finanzbeamten das egal. Die bloße Möglichkeit reicht aus, um den Abzug zu versagen.

Rechtsanwältin Annika Haucke und Steuerberater Andreas Reichert von felix1.de sind davon überzeugt, dass Steuerrecht auch einfach geht. Lesen Sie mehr auf blog.felix1.de.