Zusammenziehen gehört zu den schönsten Momenten einer Beziehung. Dabei ist es kein Geheimnis, dass es zu den schwierigsten Aufgaben gehört, die finanziellen Herausforderungen, die dieser Schritt mit sich bringt, als Paar erfolgreich zu meistern.

Plötzlich teilt Ihr Euch eine Wohnung. Eure Gewohnheiten sind nicht aufeinander abgestimmt. Warum auch – bisher konntet Ihr alles selbst bestimmen. Das beginnt bei banalen Dingen wie der Zahnpasta und verschärft sich beim Schlafengehen.

Ungeachtet dessen kommt eine viel größere Herausforderung auf Euch zu. Ab jetzt habt Ihr gemeinsame Ausgaben: Miete, Essen, Strom, Internet, Anschaffungen und sonstige Ausgaben wollen bezahlt werden.

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Damit dies nicht in Streit, Tränen, enttäuschten Erwartungen und schlussendlich einer Trennung endet, haben wir Euch drei Möglichkeiten mitgebracht.

Möglichkeit 1: Gemeinsames Ausgaben-Konto einrichten

Grundidee: Jeder von Euch behält sein eigenes Konto. Darauf werden Einnahmen und individuelle Ausgaben verbucht. Zusätzlich richtet Ihr Euch ein gemeinsames Konto ein. Banken bieten Paar-Konten an, sodass Ihr zwei EC-Karten und beispielsweise beim Online-Banking gleichberechtigten Zugriff erhaltet.

Auf dieses Konto zahlt Ihr einen fixen monatlichen Betrag ein. Beispielsweise könntet Ihr ausrechnen:

• Warmmiete: 800 Euro
• Essen und Trinken: 300 Euro
• Internet und Telefon: 30 Euro
• Rundfunkbeitrag: 20 Euro
• Risiko und Anschaffungen: 50 Euro
Ergibt zusammen 1200 Euro an monatlichen Ausgaben. Jeder überweist 600 Euro auf das gemeinsame Konto. Auf dieses Konto werden Daueraufträge bspw. für die Miete eingerichtet und beim Einkaufen verwendet Ihr die entsprechende Karte.

Vorteil: Ihr erspart Euch Abrechnungen, Zettelwirtschaft oder das Gefühl, dass einer benachteiligt wird. Des Weiteren könnt Ihr die Gesamtkosten beliebig aufteilen: 50/50 oder nach dem Einkommen skaliert.

Nachteil: Die Kalkulation der Gesamtausgaben und das Einrichten des Kontos Bedarf etwas Recherche und Zeit.

Möglichkeit 2: Private Buchhaltung

Grundidee: Ihr entscheidet Euch für ein Sammel- und Abrechnungssystem und fügt diesem alle Ausgaben für den gemeinsamen Unterhalt hinzu.

Praktisch kann dies sehr unterschiedlich aussehen – hier zwei Ideen.

Erstens: Ihr legt eine Excel-Datei an. In die erste Zeile fügt Ihr Eure Namen ein, in die zweite Zeile die Ausgabensumme und darunter alle einzelnen Ausgaben. Ab jetzt könnt Ihr monatlich den Fehlbetrag ausgleichen. Oder die Liste unendlich fortführen und über weitere Ausgaben das Gleichgewicht halten.

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Zweitens: Die großen Fixkosten wie Miete, Internet und TV teilt Ihr auf. Alle weiteren Ausgaben werden durch Belege gesammelt. Am Ende eines Monats setzt Ihr Euch hin und addiert die Summen auf. Der Fehlbetrag wird sofort ausgeglichen und das Sammeln beginnt von vorne.

Vorteil: Ihr könnt sofort starten – für die ersten Monate bietet es daher einen guten Einstieg. Zudem verfolgt Ihr automatisch alle Ausgaben und bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Ihr monatlich benötigt.

Nachteil: Jeden Monat habt Ihr etwa 30 bis 60 Minuten Arbeit vor Euch. Und Ihr braucht ein System für die Belegsammlung.

Möglichkeit 3: (Vermeide) Kostenverteilung auf Vertrauensbasis

Ähnlich wie in Tipp 1 stellt Ihr zunächst Eure Ausgaben auf. Anschließend weist Ihr bestimmte Blöcke einer Person zu.
Im obigen Beispiel könnte einer die Miete übernehmen und der andere alle anderen Kosten tragen. Für eine 50/50-Verteilung könnte zusätzlich ein monatlicher Betrag von 250 Euro an die erste Person überwiesen werden. Oder Person 2 kommt zusätzlich für Sonderausgaben wie Urlaube auf, um eine gleichmäßige Verteilung zu erreichen.

Nachteil: Monatliche Ausgaben werden nicht automatisch dokumentiert. Dies kann zu Kostenexplosionen führen und den gemeinsamen Vermögensaufbau stark mindern. Selbst mit tiefem Vertrauen kann ein Gefühl von Benachteiligung entstehen. Die Abhängigkeit vom Verhalten des Anderen und das Gefühl in der Luft zu schweben – das müssen beide Partner aushalten können.

Vorteil: Eine grobe Kostenaufstellung ist ausreichend und eine schnelle Einigung kann erzielt werden. Es ist die Variante mit dem geringsten Aufwand.

Fazit

Wir haben vor über fünf Jahren mit unserer Möglichkeit 2 begonnen und waren der Zettelwirtschaft schnell überdrüssig. Allerdings kennen wir einige Paare, die das System erfolgreich anwenden und damit sehr zufrieden sind.

Möglichkeit 1 wenden wir seit knapp fünf Jahren an und sind damit extrem zufrieden. Auf der einen Seite haben wir unsere Ausgaben im Blick, da nur ein festgelegter Maximalbetrag ausgegeben werden kann. Wir können übers Online-Banking beide einsehen, wofür unser gemeinsames Geld ausgegeben wurde. Zudem ist der Aufwand nach Einrichtung verschwindend gering.

In den ersten Jahren haben wir keine monatliche Abrechnung durchgeführt. Als Resultat stagnierte unser Vermögen und wir wussten nicht warum. Seitdem wir unsere Buchhaltung führen, vermehrt sich unser individuelles und gemeinsames Vermögen stetig. Wenn Ihr Möglichkeit 3 wählt, macht Euch bewusst, wie Eure Vermögensentwicklung in den vergangenen Jahren ausgesehen hat.

Marielle und Mike sind seit 2010 ein Paar und bloggen seit 2016 über Beziehungs- und Finanzthemen.