In der Steuerwelt hat es gewaltig gebrodelt. Das Besteuerungsverfahren glänzt nun mit einem neuen Anstrich! Und es gibt angenehme Neuigkeiten für die Steuerpflichtigen – allerdings drohen auch unangenehme finanzielle Folgen bei verspäteter Abgabe.

Wozu soll die Modernisierung gut sein?

Fast jeder kennt das: Wenn eine Modernisierung ansteht, bedeutet das nicht nur, dass etwas in irgendeiner Form effizienter werden soll, sondern dass es meistens auch eine negative Kehrseite der Medaille gibt.

Das ist hier nicht anders.

Erst einmal die guten Neuigkeiten: Die Modernisierung soll dafür sorgen, dass Sie als Bürgerin oder Bürger weniger Last empfinden, Ihrer Steuerpflicht nachzukommen

Dazu werden Sie unter anderem mehr Zeit haben, ihre Steuererklärung abzugeben. Das dürfte für viele eine Erleichterung sein. Auch in Hinblick auf Belege, die für die Steuererklärung relevant sind, die aber länger auf sich warten lassen (z. B. Nebenkostenabrechnungen mit Angaben zu haushaltsnahen Dienstleistungen, die geltend gemacht werden können).

Doch nun zu der Kehrseite: denn auch eine Verschärfung des Verspätungszuschlags steht an.

Und genau dies sorgte für großes Aufsehen in der Presse. Ursprünglich war im Vorentwurf des Gesetzes eine deftige Verschärfung des Verspätungszuschlags geplant. Diese steht zwar immer noch an, aber zum Glück in etwas abgeschwächter Form. Meistens wird eben doch nicht so heiß gegessen wie gekocht wird.

In Banknoten steckt sehr viel Aufwand, um Blüten zu verhindern.

Folgende Änderungen kommen auf Sie zu

Mehr Zeit zur Abgabe von Steuererklärungen ab 2019

Ab dem Besteuerungsjahr 2018 gibt es zwei Monate länger Zeit, um Ihre Jahressteuererklärung für das Vorjahr abzugeben. Das klingt gut, oder?

Wenn Sie Ihre Erklärung selber einreichen

Statt wie bisher Ende Mai, haben Sie bis zum 31. Juli Zeit. Die Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 müssten Sie also bis zum 31. Juli 2019 einreichen.

Beachten Sie: Bis einschließlich des Steuerjahres 2017 gelten noch die alten Regelungen.

Übersicht Steuerjahr/Abgabefrist durch Sie selbst:

  • Steuererklärung für 2016 - Abgabe bis zum 31. Mai 2017
  • Steuererklärung für 2017 - Abgabe bis zum 31. Mai 2018
  • Steuererklärung für 2018 - Abgabe bis zum 31. Juli 2019
  • Steuererklärung für 2019 - Abgabe bis zum 31. Juli 2020 usw.

Wenn Sie Ihre Erklärung durch Ihren Berater einreichen lassen

Auch wir als Steuerberater bekommen ab dem Steuerjahr 2018 zwei Monate länger Zeit. Und zwar bis Ende Februar des übernächsten Jahres.

Dieser Zeitrahmen gilt aber nur dann für uns Berater, wenn das Finanzamt nicht schon vorab eine Steuererklärung anfordert, z. B. weil eine Außenprüfung vorgesehen ist.

Übersicht Steuerjahr/Abgabefrist durch Ihren Berater:

  • Steuererklärung für 2016 - Abgabe bis zum 31. Dezember 2017
  • Steuererklärung für 2017 - Abgabe bis zum 31. Dezember 2018
  • Steuererklärung für 2018 - Abgabe bis zum 02. März 2020 (29. Feb. = Samstag)
  • Steuererklärung für 2019 - Abgabe bis zum 01. März 2021 (28. Feb. = Sonntag) usw.

Unseren Mandantinnen und Mandanten, Leserinnen und Lesern empfehlen wir trotzdem, die Unterlagen so früh wie möglichst einzureichen, um die Frist zu wahren. Denn: über die gesamten Abgabefristen hinaus wird es in Zukunft nur in absoluten Ausnahmen weitere Fristverlängerungen geben.

Eine neue kostenlose App hilft, die Bewertungen zu entschlüsseln.

Und am Anfang und am Ende des Jahres gibt es erfahrungsgemäß in den Kanzleien besonders viel zu tun (und dazwischen meistens auch)!

Weitgehende Belegvorhaltepflicht statt die bisherige Belegvorlagepflicht

Es wird einfacher werden, Belege auf elektronischem Wege an das Finanzamt zu übermitteln.

So werden Sie bei der Übermittlung der Steuererklärung weniger Belege in Papierform als bisher einreichen müssen. Die Belege müssen allerdings auf Nachfrage von Ihrem Finanzamt nachgereicht werden und sind deshalb griffbereit aufzubewahren. Dies kann zum Beispiel Spendenquittungen betreffen (sofern Ihr Zuwendungsempfänger nicht direkt eine Meldung an das Finanzamt macht).

Auch die Bearbeitungsdauer soll sich dadurch verkürzen.

Verschärfung des Verspätungszuschlags bei Jahressteuererklärungen

Der Verspätungszuschlag als solcher ist eigentlich ein alter Schuh. Das Finanzamt kann auch jetzt schon einen Verspätungszuschlag in eigenem Ermessen ansetzen. Zum Beispiel wenn Steuererklärungen wiederholt verspätet abgegeben werden.

Bei Umsatzsteuervoranmeldungen und Lohnsteuervoranmeldungen wird dies auch weiterhin so bleiben.

Automatischer Verspätungszuschlag bei Jahressteuererklärungen

Bei erheblich verspäteten Jahressteuererklärungen (z. B. Einkommen-,Körperschafts- oder Umsatzsteuererklärung) wird ein automatisch festgesetzter Verspätungszuschlag pro Monat eingeführt. Bei nicht erheblich verspäteter Abgabe gibt es Ermessens-Spielräume.

Solche Verspätungszuschläge können sich ganz schön häufen: für jeden überfälligen Monat von Jahressteuererklärungen werden 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro als Verspätungszuschlag festgesetzt (in einem Vorentwurf waren es immerhin stolze 50 Euro).

Für andere verspätete Erklärungen als Jahressteuerklärungen (z. B. Erbschaftsteuererklärung) gelten andere Verspätungzuschläge, z. B. 0,25 Prozent mit mindestens 10 Euro.

Insgesamt können höchstens 25.000 Euro als Verspätungszuschlag festgesetzt werden (Höchstbetrag).

Ein Verspätungszuschlag wird Ihnen dann automatisch aufgebrummt werden, wenn eine Steuernachzahlung ansteht.

Verspätungszuschlag im Ermessen

Immer getreu seinem Motto: Wir steuern Sie zum Ziel!

Bei einer Steuererstattung oder einer festgesetzten Steuer von 0 Euro wird es einen Verspätungszuschlag nach eigenem Ermessen des Finanzamtes geben.

Das bedeutet, dass Sie Glück haben könnten, wenn Sie zuvor alle Steuererklärungen pünktlich abgeben haben. Wie sich das allerdings wirklich in der Realität ergeben wird, bleibt abzuwarten.

Das gleiche gilt für Umsatzsteuer- und Lohnsteuervoranmeldungen.

Billigkeitsregelung

In Einzelfällen kann laut dem Deutschen Steuerberaterverband e.V. (DStV) die so genannte Billigkeitsregelung angewendet werden. Zum Beispiel wenn Rentner, die irrtümlich davon ausgegangen sind, keine Steuererklärung abgeben zu müssen, einen Verspätungszuschlag nur für die Monate zahlen müssen, die über die in der erstmaligen Aufforderung gesetzten Frist des Finanzamtes hinaus gehen.

Es wird keine "Verspätungsgutschrift" geben

Auch wenn sich das sicher viele Steuerpflichtige wünschen: umgekehrt ist das Ganze leider nicht vorstellbar – Sie bekommen keine "Verspätungsgutschrift", wenn das Finanzamt länger brauchen sollte, um Ihre Steuererklärung zu bearbeiten.

Das wäre ja auch zu schön um wahr zu sein, stimmt’s?