Die Bundesregierung erwägt eine Obergrenze für Bargeldzahlungen – ab einer Summe von 5.000 Euro. Die Deutschen hängen noch sehr an Scheinen und Münzen. Wir haben einen Experten gefragt: warum eigentlich?

Mit einer Obergrenze von 5.000 Euro bei Barzahlungen könnten viele wohl noch leben. Auch auf 500-Euro-Scheine, auf Ein- oder Zwei-Cent-Stücke dürfte manch einer getrost verzichten können.

Allerdings fällt der Gedanke an eine gänzlich bargeldlose Zukunft vielen Deutschen noch schwer: 2014 haben sie laut einer Studie der Deutschen Bundesbank noch mehr als die Hälfte der Umsätze für Waren und Dienstleistungen mit Bargeld bezahlt. Das Marktforschungsinstitut MARPLAN hatte im Auftrag der Bank mehr als 2.000 Privatleute befragt.

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Warum hängen die Deutschen so am Bargeld? Dem Siegener Wirtschaftspsychologen Janko Laumann fallen zahlreiche Gründe dafür ein. Es gehe zum Beispiel um Sicherheit, um Kontrolle, um Unabhängigkeit, betont er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ein weiterer Grund: "Die Barzahlung ist schnell abgewickelt. Ich zahle – und fertig", sagt der Leiter des Instituts für angewandte Finanzpsychologie. "Das ist natürlich zunächst risikoloser als Zahlungen über den Computer, mit Pin oder Tan."

Zudem behält der Verbraucher beim Blick ins Portemonnaie den Überblick: Wie viel habe ich ausgegeben? Wie viel bleibt mir übrig? Da geht es dem "virtuellen Zahler" schon anders.

Barzahlen sind dem Experten zufolge außerdem unabhängiger – und anonymer: "Ich entscheide, was ich mit meinem Geld mache, ohne dass mich dabei jemand kontrollieren kann." Ein klassischer Fall von Datenschutz.

Nur Bares ist Wahres

Das alles sind Faktoren, die auch in der Bundesbank-Studie eine Rolle gespielt haben: Typische Barzahler gaben dort an, ihre Ausgaben besser kontrollieren zu können.

Sie nannten außerdem die Aspekte Einfachheit, Sicherheit und Schnelligkeit. Interessant ist allerdings, dass diejenigen, die überwiegend mit Karte zahlen, dieselben Gründe nannten.

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Für Janko Laumann hat der Hang der Deutschen zum Bargeld durchaus historische Gründe. Vermögend seien schließlich vor allem die Älteren. "Viele von ihnen haben mehrere Währungen in wenigen Jahrzehnten miterlebt." Für sie zähle noch der Spruch "Nur Bares ist Wahres".

Es gehe aber auch um Wertvertrauen und um die sogenannte Mühe-Erinnerung: "5.000 Euro in bar zu Hause – das sind und bleiben 5.000 Euro", betont Laumann. Und wer Bargeld sehe und es anfassen könne, erinnere sich eher daran, "wie hart er dafür arbeiten musste".

Das Festhalten am Bargeld gilt durchaus als typisch deutsch. In anderen Ländern wie Frankreich und Italien gibt es schon Obergrenzen für Barzahlungen.

Die meisten Amerikaner besitzen mehrere Kreditkarten, in Dänemark sollen künftig kleine Läden, Tankstellen und Restaurants kein Bargeld mehr annehmen müssen.

"Wenn es um ihr Vermögen geht, sind viele Deutsche eben sehr sicherheitsorientiert", sagt er – und gibt zu bedenken: "Hier ist wahnsinnig viel Geld vorhanden. Da sind die Verlustängste automatisch groß."

Berechtigte Sorgen vor bargeldloser Zukunft

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Sorgen und Ängste vor einer bargeldlosen Zukunft findet der Wirtschaftspsychologe durchaus berechtigt: Die Argumente von Banken und Politik – etwa das Bargeld zu teuer sei und durch seine Abschaffung Kriminalität wie Geldwäsche, Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung eingedämmt würden – müssten diskutiert werden.

Ein Abschied vom Bargeld schaffe schließlich neue Probleme, auch neue Formen der Kriminalität. Laumann denkt aber auch an technische Pannen und deren Folgen, an Strom- und Serverausfälle.