Haben Sie sich auch schon über faule Teamkollegen geärgert? Graut Ihnen auch vor Gruppenbesprechungen, die endlos dauern und zu keiner Entscheidung führen? Dann sind Sie nicht allein.

Die meisten Deutschen sind Teamhasser.

Zwar steht das Wörtchen "Teamfähigkeit" in fast allen Stellenausschreibungen, der Alltag in deutschen Büros und Unternehmen sieht aber anders aus. Das zeigt auch eine Studie zum soeben erschienen Buch "Ich hasse Teams" von Svenja Hofert und Thorsten Visbal.

Für die Studie wurden 104 Interviewpartner von Sylt bis München befragt. 45 Prozent von ihnen waren Angestellte - davon 48 Prozent mit Personalverantwortung, 51 Prozent waren Selbstständige - davon 38 Prozent mit Personalverantwortung. Der Rest war zum Zeitpunkt der Befragung sowohl angestellt als auch selbstständig. Ergebnis: "Knapp die Hälfte der Befragten arbeitet alleine effizienter als im Team", berichtet Svenja Hofert.

Der durchschnittliche Teamhasser-Wert auf einer Skala von 1 (Einzelkämpfer) bis 10 (Teamliebhaber) beträgt 5,4. "Allerdings sehen Angestellte ohne Personalverantwortung die Teamarbeit mit 5,8 deutlich positiver als solche mit Personalverantwortung."

Zum Erfolgsrezept für eine gute Zusammenarbeit gehört gegenseitiger Respekt.

Wer keine Führungsaufgaben übernehmen muss, arbeitet zwar gern mit Kollegen zusammen, stört sich aber an den Nebenwirkungen. So beklagen etwa 36 Prozent der Befragten die ineffiziente Umsetzung von Zielen. Aber auch die tägliche Kommunikation und die unproduktiven Meetings werden als negativ erlebt. Dabei wurden von den meisten Befragten die fehlende Verantwortung, Probleme mit der Termineinhaltung und Absprachen zum Arbeitseinsatz als besonders schwierig erlebt, aber auch der mangelnde Informationsfluss und der Egoismus einzelner Teammitglieder, die an Meinung und Macht festhalten.

Svenja Hofert kennt aus ihrer Beratungspraxis als Karrierecoach die Probleme, die viele Mitarbeiter mit der Teamarbeit haben: "Als Hauptproblem empfinden sie die faulen Kollegen. Sie haben das Gefühl, die Arbeit anderer mitmachen zu müssen. Während sie schuften, verkaufen die Selbstdarsteller die Leistungen anderer als eigenen Erfolg."

Doch einfach nur von der Teamarbeit angenervt sein, ist keine Lösung. Deshalb empfiehlt Hofert Teamhassern eine Selbstreflexion: Warum bin ich genervt? Liegt es daran, dass der Kollege zum Beispiel langsamer ist als ich? Oder kann ich nicht nein sagen, wenn mich andere um einen Gefallen bitten? Wer sich diese Fragen beantwortet, wird erkennen, dass ein Teil der Probleme bei ihm selbst liegt.

Hofert: "Sie müssen ihre Kollegen nicht mögen, aber sie sollten akzeptieren, dass diese vielleicht andere Stärken als Sie selbst haben." Deshalb sei Wertschätzung gegenüber Teammitgliedern das beste Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Zusammenarbeit: "Gehen Sie respektvoll und vertrauensvoll miteinander um und begegnen Sie sich auf Augenhöhe", rät Hofert.

Auch die Befragten der Studie sehen das so. Auf die Frage: "Was sind Ihre drei Geheimrezepte für erfolgreiche Arbeit in Ihrem Team?" nannten sie ,Akzeptanz, Vertrauen und Anerkennung' sowie ,regelmäßiger Austausch' mit jeweils 14 Prozent als häufigstes Geheimrezept. Auch die wertschätzende Kommunikation wird von 9 Prozent genannt. "Da die Kommunikation so wichtig ist, sollten Sie Probleme direkt ansprechen, aber auch dafür sorgen, dass Sie nicht verletzend wirken. Senden Sie Ich-Botschaften!" Das Teammitglied sollte also von seinen Befindlichkeiten berichten und nicht dem Anderen unterstellen, er sei schuld. Hilfreich sind auch klare Absprachen über Aufgaben. Denn auch so lassen sich Konflikte vermeiden.

Doch Hofert weiß auch, dass es unter Teammitgliedern manchmal nicht möglich ist, sich gegenseitig zu respektieren. Ihr begegnete ein Fall, bei dem eine Mitarbeiterin ihre Kollegin so sehr gehasst hat, dass sie Pflanzen aufgestellt hat, um diese nicht mehr sehen zu müssen. "Wenn der Hass auf das Team soweit geht, dass man nicht mehr miteinander reden oder sich noch nicht mal mehr anschauen kann, dann brauchen Teammitglieder dringend Hilfe durch Mediatoren oder Therapeuten."

Literaturtipp:

Svenja Hofert, Thorsten Visbal: Ich hasse Teams! Wie Sie die Woche mit Kollegen überleben, 176 Seiten, Eichborn, Frankfurt/Main 2010, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-8218-5721-3